16.03.2004 Beleuchtung: Gesetzliche Regelung fürs Küstenkanuwandern (Recht)

 

Immer wieder wird darüber diskutiert, welche Anforderungen an die Beleuchtung gestellt werden, wenn man mit einem Seekajak bei Dunkelheit die Küste entlang paddeln möchte.

Im Folgenden sollen daher die wichtigsten rechtlichen Regelungen aufgeführt werden:

 

1. Zeitraum (Gilt für die nahe Küste und "hohe See" gilt)

(siehe: Kollisionsverhütungsregel (KVR) Nr. 20 (b))

 

2. Art der Lichtquelle (Gilt nur für die nahe Küste)

(a) ein "fest angebrachtes" "weißes Rundumlicht" führen,

(b) das "über den ganzen Horizont sichtbar" ist

(c) und eine „Mindesttragweite von 2 sm" hat.

(siehe: SeeSchStrO § 10 (2), § 8 (1)+(2); KVR 21 (e))

 

3. Ausnahmeregelung (Gilt nur für die nahe Küste)

(a) "dürfen in der Zeit, in der die Lichterführung vorgeschrieben ist, nicht fahren",

(b) "es sei denn, dass ein Notstand vorliegt. Für diesen Fall ist eine elektrische Leuchte mit einem weißen Licht ständig gebrauchsfertig mitzuführen und rechtzeitig zu zeigen, um einen Zusammenstoß zu verhüten."

(siehe: SeeSchStrO § 10 (3))

 

Hinweis: D.h. Wir dürfen nicht mit einem nicht vorschriftgemäß beleuchtetem Seekajak nach Sonnenuntergang die Küste entlang fahren. Da dies aber nicht immer verhindert werden kann (hier: Notstand), müssen wir immer – d.h. auch am Tage - eine elektrische Leuchte mit weißem Licht dabei haben, und zwar nicht irgendwo unter Deck, sondern – sobald es dunkel wird - griffbereit auf Deck; denn nur dann ist man in der Lage, sein weißes Licht rechtzeitig zu zeigen.

 

4. Mindestausrüstung (Gilt allein für die „hohe See“, nicht aber für die nahe Küste)

(siehe: KVR 25 (d) (ii))

 

Hinweis: Die "Hohe See" beginnt etwa 3-5 sm seewärts der "Basislinie". Diese verläuft  etwa entlang der deutschen Nordseeinseln bzw. entlang der Ostseeküste. Die "Hohe See" wird von uns Küstenkanuwandern eigentlich nur dann erreicht, wenn wir mal nach Helgoland bzw. hinüber zu den dänischen Inseln paddeln. Insofern hat diese Regelung für uns kaum Relevanz.

 

5. Baumuster-Zulassung (Gilt bedingt für deutsche Schiffe)

(siehe: SeeSchStrO §9 (1))

 

Hinweis: Nach der telefonischen Auskunft beim BSH (Tel. 040-3190-0) sind Fahrzeuge zur Führung der Bundesflagge berechtigt, wenn der Eigentümer Deutscher ist und es sich bei dem Fahrzeug um eines handelt, welches für die See bestimmt ist. Wer der Meinung ist, sein Seekajak für die See bestimmt ist, darf folglich nur ein vom BSH zugelassenes "weißes Rundumlicht" mit einer „25-Watt-Birne“ verwenden.

 

 

Anmerkungen: „Ein Licht ist besser als kein Licht!“ Die Beleuchtung gemäß der gesetzlichen Regelungen stellt wohl die „hellste Variante“ dar; dennoch bietet sie keine „Garantie“ dafür, dass man beim Küstenkanuwandern unterwegs mit seinem Seekajak immer gesehen wird.

 

Wer das Risiko einer Kollision mit einem anderen Schiff in der Dunkelheit nicht wagen möchte, sollte daher am besten nicht während der Dunkelheit paddeln. Wenn man es trotz alldem nicht lassen möchte, sollte man eher kurz vor Sonnenaufgang in die bald beginnende Morgendämmerung, statt kurz nach Sonnenuntergang in die Dunkelheit starten; denn früh morgens hat man bei Schwierigkeiten zumindest die Gewissheit, dass es bald hell wird. Übrigens, wer des Nachts bei Vollmond startet, sollte sich im Klaren sein, dass man draußen auf dem Wasser kaum etwas vom Mondlicht hat, da es vom dunklen Wasser nicht reflektiert und somit regelrecht verschluckt wird.

 

Wer das Risiko einer solchen Kollision niedrig halten möchte, sollte während der Dunkelheit nicht im Fahrwasser, sondern möglichst weit weg - außerhalb des Fahrwassers - paddeln, am besten dort, wo der Wasserstand so niedrig ist, dass man sich fast sicher sein kann, unterwegs keinem anderen Schiff zu begegnen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Kompass & (See-)Karte auf Deck liegen und zwecks Orientierung kurzzeitig beleucht werden können (z.B. per wasserdichter Stirnlampe).

 

Wer dem Risiko nicht ohnmächtig ausgesetzt sein möchte, sollte über zusätzliche Signalmittel verfügen, um im Zweifelsfall, ob die Möglichkeit der Gefahr eines Zusammenstoßes besteht, wenigstens deutlich auf sich aufmerksam machen zu können. Auf den Signalwert einer Taschenlampe sollte man sich jedoch allein nicht verlassen. Der Abschuss einer oder mehrerer „weißer“ Signalkugeln (etwa per Nicosignal). das Zünden einer (weißen) Handfackel oder das Anstellen einer stroboskopisch weiß blinkenden „Blitzleuchte“ trägt sicherlich dazu bei, noch schneller entdeckt zu werden. Voraussetzung dafür ist die unaufhaltsame Beobachtung der Umgebung nach Lichtern, die darauf hindeuten können, dass sich einem ein anderes Schiff nähert.

 

Text: Udo Beier