06.04.2004 Befahrung in einem künftigen Nationalpark Dänisches Wattenmeer (Befahrensregelung/Recht)

 

Der Diskussionsprozess zur Gründung eines Nationalparks Dänisches Wattenmeer hat gerade erst begonnen. Der DKV nahm dies jedoch zum Anlass, schon jetzt bei den zuständigen dänischen Institutionen seine Wünsche & Vorstellungen darüber zu äußern, wie in einem solchen Nationalpark auch in Zukunft grenzüberschreitend entlang der Küste gepaddelt werden kann, ohne die Natur zu gefährden.

 

Der DKV ließ sich dabei von Grundsätzen leiten, die er auch bislang erfolgreich bei der Befahrensregelung für die drei deutschen Wattenmeer-Nationalparks vertreten hat:

 

  1. „Das Ziel bestimmt den Weg.“ Es ist nicht nötig, dass beim Küstenkanuwandern „querbeet“ gepaddelt wird. Wenn man entlang der Küste paddelt, hat man in der Regel ein Startort (z.B. ein Hafen, ein Parkplatz, ein Badestrand, eine Flussmündung) zur Auswahl, von dem man aus ein bestimmtes Ziel erreichen möchte (z.B. eine Insel, eine Sandbank, einen Leuchtturm). Es muss auch in Zukunft möglich sein, solche Ziele zu erreichen. Aber wir Kanutinnen und Kanuten sollte es akzeptieren, dass es hierfür nicht nötig ist, kreuz und quer übers Watt zu paddeln.

 

Daraus ergeben sich die weiteren fünf Leitgedanken:

 

  1. Jede bewohnte Insel sollte vom Festland aus mit dem Kajak erreichbar sein.
  2. Es sollte möglich sein, jede bewohnte Insel von dieser Insel selbst bzw. vom benachbarten Festland aus per Kajak zu umrunden.
  3. Von jeder bewohnten Insel sollte es möglich sein, per Kajak die benachbarte Insel anzufahren und zu umfahren.
  4. Die Küste sollte – ohne dass man gezwungen ist, mit dem Kajak auf die Hohe See auszuweichen – mit dem Kajak durchgehend befahrbar bleiben (bezogen auf die deutschen Nordseeküste: von der niederländischen bis zur dänischen Grenze; bezogen auf die deutsche Ostseeküste: von der dänischen Grenze bis zur polnischen Grenze).
  5. Aus nautischen Gründen bzw. aus Gründen seemännischer Sorgfalt sollte es bei der Befahrung entlang der Küste möglich sein, dass bewohnte Inseln dicht entlang der Seeseite bzw. – sofern die Gewässerbedingungen es erfordern – auch entlang der Wattseite umfahren werden dürfen, wobei sicher gestellt werden sollte, dass nach angemessener Fahrtstrecke eine Möglichkeit zum Ausstieg besteht , damit die Kanuten ihre Kräfte regenerieren bzw. den Tidenwechsel abwarten können (sog. „Trittstein-Regelung“).

 

Übertragen auf das dänische Wattenmeer leiten sich aus diesen Grundsätzen die folgenden Wünsche für ein grenzüberschreitendes Küstenkanuwandern ab:

 

a)      Die Insel Fanö sollte von Varde, Esbjerg und Ribe (Sluse) aus erreichbar sein.

b)      Die Insel Mandö (Südwest-Seite) sollte von Ribe (Sluse) aus erreichbar sein.

c)      Die Insel Römö (Seeseite) sollte von Höjer (Sluse) und Sylt aus erreichbar sein.

d)      Die Insel Fanö sollte von Mandö und Römö aus erreichbar sein.

e)      Die Insel Mandö (Südwest-Seite) sollte von Fanö und Römö aus erreichbar sein.

f)        Die Insel Römö (Seeseite) sollte von Mandö und Fanö aus erreichbar sein.

g)      Es sollte von der Insel Fanö aus möglich sein, die Fanö selbst zu umrunden.

h)      Es sollte möglich sein, von Varde aus die Varde A hinunter zu paddeln, durch die Ho Bugt, vorbei an Fanö (je nach Wetterlage entlang der See- bzw. der Wattseite), hinüber nach Ribe (Sluse), weiter nach Mandö (Südwest-Seite), hinüber nach Römö (Seeseite) und abschließend bis nach Höjer (Sluse) bzw. Sylt.

i)        Aus Gründen der Regeneration sollten je zwei Ausstiegsmöglichkeiten („Trittsteine“) auf Fanö (Seeseite) und Römö (Seeseite) und je 1 Trittstein im Südwesten von Mandö und im Südwesten des Kore Sands sowie das kurzzeitige Trockenfallen entlang der Fahrwasser mit  einer Betretungsmöglichkeit des Watts im Umkreis von 50 m erlaubt werden.

 

Wenn es der Naturschutz erfordert, ist der DKV bereit, entsprechende Routen für Küstenkanuwanderwege vorzuschlagen; denn analog zu den „Fußwanderern“, denen in den Nationalparks an Land eine Vielzahl von Wanderwege angeboten werden, um von dort aus die Natur erleben zu können, sollten den „Küstenkanuwanderern“ vergleichbare Wegführungen auf dem Wasser nicht verwehrt werden.

 

Text: Udo Beier