28.04.2006 Novellierung Befahrensverordnung Nordsee (Befahrensregelung)

 

Die „Verordnung über das Befahren der Bundeswasserstraßen in Nationalparken im Bereich der Nordsee“ (NPNordSBefV) (Stand: 12.2.92, Änderung, 15.2.95) regelt u.a. auch das Befahren mit Seekajaks im Wattenmeer der Nordsee. Kernpunkte der Verordnung sind u.a.:

 

  1. der Hinweis, Rücksicht auf die Natur zu nehmen: „Die Verkehrsteilnehmer haben sich auf den Bundeswasserstraßen in den Nationalparken so zu verhalten, dass die Tierwelt nicht geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, gestört wird.“ (§2)
  2. die sog. „3-Stunden-Regelung“: Sie sieht vor, dass in der Zone I (sog. Ruhezone) nur von 3 Std. vor Hochwasser bis 3 Std. nach Hochwasser gepaddelt werden darf, ausgenommen ist das Paddeln innerhalb eines Fahrwassers, welches in den amtlichen Seekarten eingezeichnet ist. (§4 (1))
  3. die Schaffung von Robben- und Vogelschutzgebieten (RSG bzw. VSG): Die „3-Std.-Regelung“ gilt nicht für RSG und VSG, die i.d.R. innerhalb der Zone I liegen, d.h. ein solches RSG bzw. VSG bedarf des besonderen Schutzes und darf daher innerhalb der vorgegebenen Schutzzeiten nur auf einem Fahrwasser gequert werden. (§4 (2))
  4. eine Ausnahmeregelung für Küstenkanuwanderer: Auf Antrag können die „Fahrer von Seekajaks“ auch außerhalb der „3-Std.-Regelung“ in der Zone I paddeln, „wenn überwiegende Gründe des Wohls der Allgemeinheit die Befreiung erfordern.“ Der kostenpflichtige Antrag ist jedoch 3 Wochen vorher bei der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsdirektion einzureichen (zu nennen ist dabei der Grund der Befreiung, die Fahrtroute und die Teilnehmer). §5 (3)

 

Nachdem nun zwischen 1999 und 2001 die Nationalparkgesetze der drei Küstenbundesländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein novelliert wurden, stand seit 2002 die Novellierung der Befahrensverordnung (NPNordSBefV) an. Die zuständigen Nationalparkämter führte dazu über 2 Jahre Gespräche mit den betroffenen Verbänden, so auch dem DKV und seinen Landes-Kanu-Verbänden. 2003 waren diese Gespräche abgeschlossen. Seitdem verhandelten die Verwaltungen der drei Küstenländer untereinander, wie unter Beachtung der gemeinsam getroffenen Vereinbarungen mit den betroffenen Verbänden die Befahrensordnung zu novellieren ist.

 

Am 6.02.06 wurde nun ein Papier „Gemeinsame Vorschläge der Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein zur Änderung der Verordnung über das Befahren der Bundeswasserstraßen in Nationalparken im Bereich der Nordsee“ (NPNordSBefV) verabschiedet und Mitte April an das Bundesverkehrsministerium weitergeleitet. Folgende Punkte mögen für das Küstenkanuwandern von Interesse sein:

 

  1. Wegfall der 3-Stunden-Regelung: Die „3-Std.-Regelung“ hatte sich nicht als vermittelbar und praktikabel erwiesen, sodass alle Betroffenen zu der Auffassung kam, sie wieder zu streichen.
  2. Einrichtung weiterer und größerer Schutzgebiete für Robben und Vögel (RVSG): Der Preis für den Wegfall der „3-Std.-Regelung“ war die Ausweitung von RSVG dort, wo ein besondere Schutzbedarf bestand. – Übrigens diese Schutzgebiete wurden in zähen Verhandlungen vereinbart, wobei darauf geachtet wurde, dass weder die „Naturschützer“ noch die „Naturnutzer“ übervorteilt wurden. M.E. stellen die vorgeschlagenen RVSG ein Kompromiss dar. mit dem eigentlich alle Küstenkanuwanderinnen und –wanderer leben können. Die Zeiten, dass wir Kanuten überall hinfahren und anlanden können, sind in Anbetracht der Gefährdungen von Tiere & Pflanzen einfach vorbei. Wichtig ist, das von jedem Hafen aus jede Insel bzw. jede größere Wattregion angefahren bzw. umrundet werden kann und wir von Emden bis List (inkl. Helgoland) das Wattenmeer durchpaddeln können, ohne zwischendurch Landpassagen in Kauf nehmen zu müssen, da RVSG uns den Weg versperren und am Weiterpaddeln behindern.
  3. Schutzzeitraum für RVSG: Der Schutzzeitraum erstreckt sich bis auf wenige Ausnahmen einheitlich vom 15.4.-1.10., wobei ganzjährige Sperrungen teilweise vorgesehen sind.
  4. Befahrung der RVSG: Wie bisher ist eine Befahrung der RVSG nur auf „Fahrwassern im Sinne der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung“ möglich.

In Anbetracht dessen, dass immer mehr „traditionelle Wattfahrwasser“ aus Kostengründen nicht mehr ausgetonnt werden, ist eine Regelung vorgesehen, die es erlauben soll, dass diese ehemaligen Fahrwasser weiterhin befahren werden dürfen, auch wenn sie als solche nicht mehr gekennzeichnet werden. Damit diese Wattfahrwasser weiterhin erkennbar sind, sollen sie in den amtlichen Seekarten eingetragen werden.

Weiterhin ist vorgesehen, dass „fahrzeugspezifische Interessentenfahrwasser“ eingerichtet werden können, z.B. auch sog. Küstenkanuwanderwege, die manchmal nötig sind, um größere RVSG queren zu können, da deren Umfahrung aus Sicherheitsgründen „muskelbetriebenen Fahrzeugen“ nicht ratsam ist. So haben DKV und SaU zusammen dem Landesamt für den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmehr vorgeschlagen, einen solchen Küstenkanuwanderweg westlich von Süderoogsand und Norderoogsand einzurichten, um eine Umfahrung dieser Sände (westlich von Pellworm) in Süd-Nord- bzw. Nord-Süd-Richtung zu ermöglichen. Solche Küstenkanuwanderwege können in Zukunft eingerichtet werden, „soweit dies aus naturschutzfachlichere Sicht vertretbar ist.“ Warten wir es ab, was daraus wird. Der obige „Küstenkanuwanderweg“ stieß beim NP-Landesamt und bei den Naturschützern auf Zustimmung. Wenn er nicht von uns dazu missbraucht wird, über ihn die Sände zu betreten, obwohl dies weiterhin verboten bleibt, dürften wir wohl länger etwas von diesem Küstenkanuwanderweg haben.

 

Fazit

 

Lassen wir uns überraschen, wie die vom Bundesverkehrsministerium erstellte Novelle zur Befahrensregelung lauten wird. Derzeit bieten sich aus der Sicht des Küstenkanuwandern zwei Korrekturvorschläge an:

 

1. Bzgl. der „traditionellen Wattfahrwasser“, die aus Kostengründen nicht mehr ausgezeichnet werden, ist vorgesehen, dass ihre Weiterführung der „Genehmigung (durch die Behörden und) das Einvernehmen mit den jeweiligen Nationalparkverwaltungen bedarf“. Außerdem soll diese Vorschrift nur für solche Wattfahrerwasser gelten, „die zukünftig eingestellt werden“. Bei den Gespräche mit der Nationalparkverwaltung des Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer wurde jedoch den Wassersportverbänden zugesichert und Folgendes am 30.05.03 schriftlich bestätigt: "Es bestand Einigkeit bei den Teilnehmern, dass die zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Befahrensverordnung 1992 bestehenden gekennzeichneten Fahrwasser nach SeeSchStrO weiterhin Bestand haben sollen, auch wenn von den Wasser- und Schifffahrtsämtern aus Kostengründen auf eine Kennzeichnung verzichtet wird.“

 

2. In den amtlichen Seekarten sollen nur die „traditionellen Wattfahrwasser“ dargestellt werden. Die „fahrzeugspezifischen Interessentenfahrwasser“ dagegen „werden nur in den Nachrichten für Seefahrer bekannt gemacht.“ Letzteres ist jedoch auch aus Gründen des Naturschutzes nicht vertretbar; denn wenn z.B. die Küstenkanuwanderinnen und –wanderer auf einem Küstenkanuwanderweg entlang paddeln, sollten sie sich an der Seekarte orientieren können und nicht noch eine zweite Karte/Spickzettel an Deck mitführen, aus dem sie den Verlauf des Küstenkanuwanderwegs mehr oder weniger genau entnehmen können. Übrigens, die Kennzeichnung solcher Küstenkanuwanderwege wurde schon früher in den Seekarten vorgenommen (hier: zum Trittstein Scharhörnriff). Daher spricht nichts dagegen, solche Wege auch in Zukunft zu kennzeichnen.

 

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Befahrungsregelung-Nordsee-Novelle-06.pdf

(Als Anlage zu diesem Download ist der Novellierungsvorschlag der drei Küstenbundesländer (Stand: 6.2.06) beigefügt.)