10.09.2003 Atlantik Erstbefahrung im Faltboot: Kapitän Franz Romer (Geschichte)

In der YACHT berichtet Rudolf Wagner in dem Beitrag:

"Lieber tot als feige"

darüber, dass vor 75 Jahren Kapitän Franz Romer als erster Deutscher einhand im maßgeschneiderten Klepper-Faltboot (6,40x1,00 m; zzgl. aufblasbarer Kenterschläuche längs der Außenhaut; 73 kg Eigengewicht; 450 kg Gesamtgewicht) mit dem Namen "Deutscher Sport" im Jahr 1928 über den Atlantik segelte. Er wollte "Vorbild für die deutsche Nachkriegsjugend sein, einen Grundstein legen für Tugenden wie Selbstbeherrschung und eisernen Willen."

Romer (geb. 1899) stammt aus Dettingen/Bodensee. Er gab seinen Job als Kapitän bei der Hamburg-Amerika-Linie auf. Da ihm keiner einen Zweimast-Gaffelschoner finanzierte, mit dem er Non-Stop um die Welt segeln wollte, will er auf das "allerkleinste" umsteigen und allein nach Amerika segeln. Mit seinem 6,50 m langen Faltboot startete er am 28.3.28 in Lissabon und segelte über Lanzarote und Gran Canaria nach St. Thomas (Jungferninseln / Kleine Antillen). Die Strecke Gran Canaria - St. Thomas schafft er in 58 Tagen.

R.Wagner schreibt über die Tour selber: "... mitten auf dem Atlantik kämpft Romer um sein Leben. Eine Katastrophe nach der anderen bricht über den mutigen jungen Mann herein ... erst explodiert sein Primus-Petroleumkocher, dann fällt der Dosenöffner ins Meer. Sein Hut fliegt vom Kopf. Das Trinkwasser aus den zugelöteten Dosen erbricht er. Fliegende Fischer klatschen ihm ins Gesicht. Die Sonnenglut grillt ihn. Haie greifen an. Das Zahnfleisch flutet, die Zähne wackeln. Kribbeln und Salzjucken unter dem wuchernden Bart und Kopfhaar. Eine alte Malaria schüttelt ihn in Fieberträumen .... Am 18.7. hält der jugoslawische Dampfer "Epidauro" auf ihn zu ... Der Kommandant schenkt ihm einen neuen Hut, Kocher, Konserven, Bananen und Wasser." 13 Tage später kriecht er auf allen Vieren in St. Thomas an Land.

Am 8.9.28 segelt Romer weiter nach Puerto Rico. Dann sticht er am 11.9.28 erneut in See. Sein Ziel ist zunächst Florida, dann New York. Den schon am 6.9. angekündigten Hurrikan ignoriert er. "Am Vormittag des 13.9 fegt der Wirbelsturm mit 150 Knoten über die Jungferninseln und Puerto Rico. Er hinterlässt eine Spur der Verwüstung, deckt 80 Prozent aller Häuser ab, entwurzelt Bäume, wirft Frachter auf Klippen ... Der einzige Hurrikan des Jahres 1928 wird Franz Romer zum Verhängnis."

Übrigens, Hannes Lindemann quert ebenfalls den Atlantik, und zwar zwei Mal:

Quelle: YACHT, Nr. 19/03, S.80-85 - www.yacht.de

Literatur:

H.Lindemann: Allein über den Ozean (Ed. Maritim 1979)

C.Schagen/C.Klemm: Die Magie der Ozeane, Teil 3, in: Seekajak, Nr. 72/00, S.60.ff., s. auch zu diesem Thema: Teile 1 in Nr. 66/98 und Teil 2 in Nr. 71/99