18.04.2007 60 Jahre Helgoländer „Big Bang“ (Geschichte)

 

Genau vor 60 Jahren, also am 18. April 1947, wurden von den Briten ca. 6.700 Tonnen Sprengstoff gezündet, um Helgoland unter der Wasseroberfläche verschwinden zu lassen. Da Helgoland damals aus kriegsstrategischen Gründen völlig untertunnelt war - und es eigentlich auch noch ist – stürzten hier & da ein paar Tunnel ein, was zu dem einen o. anderen Erdrutsch führte. Ansonsten gab es viel Lärm & Rauch, aber - wie jeder Helgolandfahrer bestätigen kann – hat Helgoland das alles überlebt. Die Erschütterung der größten nicht nuklearen Explosionen der Geschichte war noch im 70 km entfernten Cuxhaven zu hören und die 9 km hohe Rauchsäule war theoretisch – d.h. bei entsprechender Sicht - noch vom Brocken/Harz aus zu erahnen:

 

è Distanz (km) = 3,8429 x (√ Gegenstandshöhe (m) + √ Augenhöhe (m))

 

Nach Protesten und einer Besetzung Helgolands durch Studenten durften schließlich die ca. 2.500 Einwohner Helgolands 1952 wieder auf ihrer Heimatinsel, Deutschlands einziger Hochseeinsel, siedeln. Derzeit wohnen ca. 1.500 Leute auf der Insel, die sich um die ca. 500.000 Besucher kümmern, die jährlich per Passagierdampfer, Segelschiff, Motorschiff, Flugzeug, Surfbrett bzw. Seekajak vorbeikommen.

 

Wen es interessiert, wie wir Küstenkanuwanderinnen und –wanderer hinüber zur Insel paddeln können, möge den einen oder anderen der folgenden Beiträge über Helgolandtouren von der DKV-Homepage downloaden:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Bremerhaven-Helgoland.pdf (K.Schmidt 1929)

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Hamburg-Helgoland.pdf (H.-J.Otto 1963)

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Rund-Helgoland.pdf (U.Beier & Co. 1994)

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Blankenese-Helgoland.pdf (J.Offermann 1996)

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-St.PeterOrding-Hegloland.pdf (M.Panknin & Co. 1997)

www.zoelzer.de/ger/Chaotenfahrt.htm (H.Zölzer & Co. 1997)

www.zoelzer.de/ger/helgoland.htm (H.Zölzer & Co. 2000)

 

Wer der erste Kanute überhaupt war, der Helgoland per Kajak erreicht hat, ist mir unbekannt. Vermutlich war es Karl Schmidt (aus Bochum), der 1929 im Faltboot von Bremerhaven aus nach Helgoland paddelte. Er startete um 19 Uhr, ging um Mitternacht auf dem Feuerschiff „Bremen“ (nahe des Leuchtturms „Roter Sand) an Bord (!), setzte dann am nächsten Morgen um 9 Uhr die Fahrt fort und landete um 17.30 Uhr in Helgoland an. Zurück ging es mit dem Dampfer. (s. Kanu Sport, Nr. 43 v. 1929)

 

Ansonsten sind noch die folgenden Kanuten erwähnenswert:

 

Werner Schmiedel ist 1961 als 17-18-Jähriger allein im Aerius II (Faltboot) von Husum über St.Peter-Ording nach Helgoland gepaddelt und 2 Tage später weiter Richtung Ostfriesland nach Wangerooge. Statt mit Kompass arbeitete er mit Uhr und Sonnenstand und statt ein Zelt aufzubauen, schlief er unter seinem Zweier-Faltboot auf einer Luftmatratze. Für die nötige Wärme sorgte eine Wolldecke.

 

Heinz Zölzer soll 1962 im „Klepper T6“ (Faltboot) von Wangerooge nach Helgoland gepaddelt sein (zurück ging es per Fähre nach Bremerhaven).

 

Hans-Jörg Otto paddelte 1963 im „Kette Langeiner“ (Faltboot) bei einer 3-Etappen-Tour Hamburg – Helgoland in der Nacht von Scharhörn (welches damals noch betreten werden durfte) nach Helgoland, da er sich so wegen mangelnder Ausrüstung besser am Leuchtfeuer des Helgoländer Leuchtturms orientieren konnte. (s. Seekajak, Nr. 12/88)

 

Werner Born organisiert zusammen mit Hans-Jürgen Prigge 1981 vermutlich die erste Gruppenfahrt nach Helgoland, bei der neben 5 Kanuten auch 2 Kanutinnen teilnahmen. Er startete von Cuxhaven aus und benötigte ca. 12 Std. Zurück ging es dann mit dem Seebäderschiff nach Cuxhaven.

 

1987 paddelte die Niederländer Hendrik Kingma & Mathijs von Wangersiel aus kommend über Minseneroog nach Helgoland, welches sie im Nebel ohne GPS fanden. (s. Seekajak, Nr.9/87)

 

Michael Koop & Udo Weiterer gelang es 1989 nach erfolgreicher Ansteuerung von Helgoland tags darauf bis zum ca. 60 km entfernt liegenden Amrum weiter zu paddeln. (s. Seekajak, Nr. 20/89)

 

Udo Beier organisierte 1994 die erste ausgeschriebene Vereinsfahrt nach Helgoland. Zusammen mit Kai Ahrens, Arthur Buschardt, Wolfgang Dinter, Bernhard Hillejan, Berta Reiner & Manfred Klingmann-Reiner wurde Helgoland von Neuwerk aus angepaddelt, 2 Tage später ging es dann weiter nach St. Peter Ording. (s. Seekajak, Nr. 44/94)

 

Jens Offermann wiederholte 1996 die 63er-Tour von H.J.Otto, wobei es ihm sogar gelang, wieder zurück nach Hamburg zu paddeln. Bei der Rückfahrt von Helgoland nach Neuwerk geriet er jedoch in Nebel & Dunkelheit, sodass er erst nach 13-stündiger (!) Fahrt Neuwerk erreichte.

 

Jürgen Hoh erreichte 1996 ebenfalls im Faltboot anlässlich einer mehrwöchigen Elbefahrt von Tschechien aus kommend nach 720 km Helgoland. (s. Kanu Magazin, Nr. 1/99)

 

Matthias Panknin & Karl Wolfner meisterten 1997 sogar innerhalb von ca. 17 Std. von St.Peter-Ording aus kommend eine Retour-Tour nach Helgoland (ca. 90 km). (s. Seekajak, Nr. 100/06)

 

Heinz Zölzer paddelte 1997 mit Andreas von Wangerooge aus nach Helgoland und retour (s. Seekajak, Nr. 62/98) und 2000 mit Sven Grimpe & Ulf Sielaff von Spiekeroog aus nach Helgoland und retour.

 

Bislang hat es jedoch noch keiner geschafft, die Deutsche Bucht von Borkum aus kommend so zu queren, dass mit einem Zwischenstopp auf Helgoland nach insgesamt ca. 155 km Sylt erreicht wird.

 

Ebenfalls gelang es Arved Fuchs & Rainer Neuber nicht, 1987 Helgoland von der ca. 460 km entfernt liegenden Humbermündung (England) aus zu erreichen, da konstante östliche Winde sie in ihren Faltbooten einfach am Fortkommen hinderten. Nach 9 Tagen gaben sie – nachdem sie sich nur ca. 280 km vom Startort entfernt hatten - in Höhe der Niederlande entnervt auf. (s. Seekajak, Nr. 11/87)

 

Last and Least sollten wenigstens am Rande die vielen „Rallye-Racer“ Erwähnung finden, die es auch mal versuchen wollten und es nicht schafften, da sie allein auf ihre Kraft setzten. Wie z.B. jene drei Kanuten, die Helgoland von Altenbruch (östlich von Cuxhaven) aus Nonstop erreichen wollten, jedoch die Tide verschliefen, die Windprognose ignorierten und die Verkehrsbestimmungen missachteten. Sie starteten verspätet, fielen unterwegs unangenehm der Wasserschutzpolizei auf und mussten im Angesicht von Helgoland nach Neuwerk umkehren, als sich alles gegen sie wendete: Strom, Wind, Kondition & Magen.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/