03.01.2008 Freya Hoffmeister umrundet Neuseelands Südinsel (Geschichte)

 

Nachdem die Husumer Seekajakfahrerin Freya Hoffmeister (43) im Sommer 2007 zusammen mit Greg Stamer in Rekordzeit Island umrundet hatte (1.620 km in 33 Tagen, davon 25 Paddeltag = 65 km/Tag), gelang es ihr zum Jahreswechsel 07/08 solo in Bestzeit, nämlich in 70 Tagen, die Südinsel von Neuseeland zu umrunden. Der legendäre Neuseeländer Paul Caffyn, der u.a. Australien, Japan sowie Großbritannien umrundete, brauchte demgegenüber 125 Tage, also 55 Tage länger.

 

Freya Hoffmeister war vom 25.10.07 bis 2.1.08 unterwegs. Sie benötigte für die 2.386 km lange Strecke 47 Paddeltage. Dabei paddelte sie durchschnittlich 50 km am Tag. Ihre längste Strecke betrug 165 km, die sie als „Schlussspurt“ am Ende der Tour in 32,5 Stunden nonstop zurücklegte. Insgesamt paddelte sie an 7 Tagen zwischen 70 und 90 km. An 22 Tagen nahm sie sich wegen des Wetters eine Auszeit.

 

Gepaddelt ist sie in einem britischen Seekajak, und zwar einem EXPLORER (540x54cm; ca. 340 Liter Vol.) von Nigel Dennis. Das Boot war u.a. mit einem Skeg und tragbarer Handlenzpumpe ausgerüstet.

 

Das Skeg klemmte am Anfang häufiger, nachdem sich beim Start durch die Brandung immer wieder kleinere Steine bzw. Schlick im Skegkasten festgesetzt hatten. Freya musste daher ab & an das Skeg unterwegs auf dem Wasser per Balanceakt mit den Händen herausziehen. Als ihr das zu umständlich und „nass“ wurde – denn einmal kenterte sie dabei -, konstruierte sie sich einen „Einmal“-Umlauf-Handseilzug. Mit dem gelang es ihr auch unterwegs auf dem Wasser von der Sitzluke aus das Skeg, an dem ein Bändsel hing, welches mit dem Handseilzug verbunden war, herauszuziehen. Anschließend öffnete sie den umlaufenden Seilzug und zog ihn aus dem Skeg-Bändsel, um nicht die ganze Zeit mit einem Seil im Wasser zu paddeln.

 

Und die Bedienung der tragbaren Handlenzpumpe erwies sich als sehr anstrengend. Freya griff deshalb auf ihren Schutzhelm zurück, den sie zusätzlich als „Schöpfeimer“ einsetzte. Auf eine fest eingebaute Handlenzpumpe verzichtete sie, wie es übrigens viele Briten tun sollen: „Why, I will roll …. what else?“

 

Abgesehen von Wetterproblemen hat sie so richtige Ausrüstungsprobleme – die letztlich auf die hohe Brandung zurückzuführen war - nur an einem Tag, dem 20.12.07, bekommen und das gleich zweimal, und zwar einmal am Vormittag als sich beim Start durch die Brandung beim unfreiwilligen Rückwärtssurfen mit abschließendem Kerzen bei Grundberührung die Halteclips des Heckteil ihres dreiteiligen Seekajaks lockerten und das andere Mal am Nachmittag als ihr beim Anlanden durch die Brandung das Wingpaddel verloren ging.

 

Über die zu erwartende Wetterlage wurde sie ständig per Satellitentelefon auf dem Laufenden gehalten. Die meisten Probleme bescherten ihr trotzdem das Wetter und insbesondere die einlaufende Dünung, die sich in Strandnähe als fast unüberwindliche Brandung aufbaute und ihr das Starten und Anlanden fast unmöglich machte (siehe hierzu Fotos in ihrem Blog).

 

Die Tour war als „Zelttour“ so angelegt, dass sich Freya spätestens nach 3 Wochen Essen beschaffen konnte. Dennoch „kehrte“ sie an etwa 31 der 70 Tag des Nachts in die Zivilisation zurück, d.h. zeltete auf Campgrounds, übernachtet in Hütten, einmal sogar auf einer Yacht bzw. bei Freunden.

 

Das Zelten war leider nicht immer so bequem wie erhofft. Das lag ausschließlich an den Sandflies. Die waren doch recht unangenehme Strandbewohner. Sie war daher häufig gezwungen, nach dem Anlanden gleich das Zelt aufzubauen, um dann bis zum Start am nächsten Tag die ganze Zeit im Zelt zu verbringen. Die erste halbe Stunde war sie meist damit beschäftigt, die ins Zelt geschlüpften Sandflies erst einmal zu töten. Übrigens, bei diesen langen Aufenthalten im Zelt hätte sie sich ein etwas größeres Zelt gewünscht, d.h. das Hillebergzelt ALLAK (130x230cm Innenzeltmaße mit 105 cm Höhe) war eigentlich etwas zu klein.

 

Wer mehr über den Tourenverlauf erfahren möchte, findet dazu so mache Info in Freyas Blog: http://freyahoffmeister.blogspot.com

 

Wir können gespannt sein, was ihre nächsten Paddelpläne sind. „Freya, warum denn immer in die Ferne schweifen, auch die Nordsee und der Skagerrak bietet doch noch so manche Herausforderung?“ Z.B.

 

·         „Rund Skagerrak“ hat noch keiner angegangen!

·          Und „Rund Deutsche Bucht“ (Emden – Cuxhaven – List auf Sylt – Helgoland – Emden) ist bislang auch von keinem Kanuten, geschweige denn einer Kanutin gemeistert worden.

 

Eigentlich müsste Freya letzteres bei entsprechender Wetterlage während eines „verlängerten“ Wochenendes schaffen können. „Wetten, dass …!?

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Links:

Freyas Blog: è http://freyahoffmeister.blogspot.com

Nigel-Dennis-Seekajaks: è www.seakayakinguk.co.uk

Homepage von Freya: www.qajaqunderground.com