02.02.2011 Über den Äquator vom Senegal nach Brasilien (Geschichte)

 

„Stell Dir vor Du, paddelst über den Südatlantik und keiner merkt es!?“

 

Ja, Abenteurer sterben nicht aus. Am 26.10.10 brach Aleksander Doba (64) von Dakar (Senegal/Afrika) auf, um mit einem Kajak nach Fortaleza (Brasilien/Südamerika) zu paddeln (Luftlinie: ca. 2.700 km, gepaddelte Strecke ca. 3.500 km(?)). Aleksander Doba wäre dann der Zweite, der in einem Kajak den Atlantik überquerte, und wenn mit Segel ausgerüstete Faltboote auch zu den Kajaks zählten, der Vierte:

 

1928 schaffte Franz Romer in einem maßgeschneiderten Klepper-Faltboot (640x110 cm; 73 kg Eigengewicht und 450 kg Gesamtgewicht) in 58 Tagen die Überfahrt. Er startete am 10.6.28 von Las Palmas (Kanarischen Insel) aus nach St. Thomas (Virginislands/Karibik) (ca. 4.800 km). Zuvor war er am 28.3.28 mit seinem Faltboot von Lissabon (Portugal) über Sagres (Portugal), Arrecife (Lanzarote) und Gran Canaria nach Las Palmas (10.5.28) gesegelt. Bei der Weiterfahrt Richtung New York geriet er jedoch in einen Orkan und ist seitdem verschollen:

è www.kuestenkanuwandern.de/geschi/030910_b.html

è www.kuestenkanuwandern.de/geschi/040408_c.html

 

1956 wiederholte Hans Lindemann im Serien-Klepper-Faltboot (520x87 cm; 27 kg Eigengewicht und 300 kg Gesamtgewicht) diese Querung. Er startete am 20.10.56 von Las Palmas aus, segelte los und landete nach 72 Tagen in St. Martin (Karibik) an:

è www.kuestenkanuwandern.de/geschi/050406_a.html

è www.kuestenkanuwandern.de/geschi/060903.html

 

2001 querte der Brite Pete Bray – nachdem er ein Jahr vorher bei seinem 1. Versuch nach 2 Tagen in Seenot geriet und geborgen werden musste - in einem extra für ihn gebauten Kajüt-Kajak den Nord-Atlantik. Dieses Mal jedoch erstmals in West/Ost-Richtung. Er startete von 22.06.01 von Neufundland aus, paddelte unterstützt von Wind & Golfstrom los und landete 75 Tage später in Irland an (ca. 3.300 km):

è www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/070305.html

è www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/020119.html

 

Nun war als vierter der Pole Aleksander Doba (ca. 64.000 km im Fahrtenbuch; 1999 Ostseeumrundung – 4.300 km in 80 Tagen) – auf den Spuren des „Tretbootfahrers“ Rüdiger Nehberg (Senegal – Brasilien in 68 Tagen)– auf dem Atlantik unterwegs. Sein Ziel war es, als erster Kanute den Süd-Atlantik zu queren. Er paddelte ebenfalls in einem extra für ihn konstruierten Kajüt-Kajak (700x100 cm; Gesamtgewicht 550 kg) mit „Überrollbügel“ (= Kenterbügel), aber ohne Segel. Insgesamt hatte er Verpflegung für 100 Tage dabei.

 

Dank Wetter, Wind und Strömung auf der einen Seite und dank seiner Ausdauer und seines Durchhaltewillens auf der anderen Seite schaffte er es schließlich am 2. Februar 2011 südamerikanischen Boden zu betreten. Er landete am Strand nahe des Ortes Acaraú (nördlich von Fortaleza) an und paddelte dann mit auflaufendem Wasser über die Flussmündung bis zum Hafenort hoch.

 

Aleksander Doba wurde nichts geschenkt! Wind & Strom hatten ihn nämlich nicht immer in Richtung Brasilien, manchmal sogar rückwärts, zwischendurch auch mal im Kreis treiben lassen. Erst in den letzten Wochen kam er eigentlich erst so richtig voran. Dank des Südäquatorialstroms schaffte er einmal an einem einzigen Tag 120 km. Die letzten Tage wurden jedoch wieder zur Qual, da Wind & Strom ihn Richtung Nord-West, d.h. immer entlang der der Küste treiben ließ. Deshalb landete er auch nicht in Fortaleza, sondern weiter nordwestlich in Acaraú an.

 

Ob er die Querung schaffen wird, war bis zum Schluss nicht sicher. Kann doch immer etwas dazwischen kommen. So scheiterte der Australier Andrew McAuley, der 2007 als erster Kanute versuchte, solo von Tasmanien nach Neuseeland (Südinsel) zu paddeln, noch 80 km vor seinem Ziel:

è www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/070213.html

 

100 Tage war Aleksander Doba unterwegs. Exakt für so viele Tage hatte er Proviant dabei! Angst vorm Verhungern & Verdursten hatte er jedoch nicht; denn immer wieder sprangen Fliegende Fische in sein Boot und Regenschauer sorgten für genügend Trinkwasser. Sollte der Regen mal aussetzen, griff er auf seine handbetriebene Entsalzungsanlage zurück und pumpte … ca. 4 Std./Tag, um die tägliche Flüssigkeitsbedarf zu stillen.

 

Insgesamt soll er lt. GPS 5.384 km unterwegs gewesen sein (bei einer Luftlinienlänge knapp über 2.700 km). Wie viel Kilometer er davon paddelnderweise zurückgelegt hat, lässt sich leicht errechnen: Mit seinem 700x100-cm-Kajüt-Kajak (max. Gesamtgewicht 550 kg) konnte er ca. 3 km/h paddeln. Bei einem angenommenen 12-Std.-Tag und 100 Paddeltage käme er dann auf ungefähr 3.600 km.

 

Aleksander Doba hat eine großartige, eine schier unbegreifliche Leistung erbracht.  Erstaunlich zu was manche Menschen fähig sein können. Mal sehn, wann einer oder eine sich daran macht, den Indischen Ozean oder den Pazifik mit dem Kajak zu queren. Zumindest im Ruderboot sollen beide Ozeane schon überquert worden sein und die erste Hälfte des Pazifiks von USA nach Hawaii hat 1987 schon Ed Gillet solo in einem serienmäßigen Zweier-Kajak geschafft. Er benötigte für die ca. 3.900 km lange Strecke 63 Tage.

 

Text: Udo Beier

Links:

www.kanumagazin.de/szene/news/mit-64-jahren-allein-ueber-den-atlantik/

http://transatlantic2010.blogspot.com

www.aleksanderdoba.pl/index.php?lang=en