01.06.2012 „Fearless“ Freya: Buch über ihr Australienumrundung (Geschichte)

 

Joe Glickman hat das folgende Buch über Freya Hoffmeisters (1964*) Australienrundtour geschrieben:

 

Fearless. One Woman, One Kayak, One Continent

Freya Hoffmeisters Record-Setting Circumnavigation of Australia

Verlag FalconGuides 2012 (198 S.; ca. 13,-- Euro)

 

auf dessen Titelseite das folgende Foto von Freya zu sehen ist:

 

Foto: Most sexy Seakayaker

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/BestOfFreyaASelectionFromTheOtherAlbums#5605043245183509058

 

Der US-Amerikaner Joe Glickman ist Reiseschriftsteller und Marathon-Paddler. Er hat Freya kennen gelernt, als sie als Paddlerin in den USA „auftauchte“ und anfing, den Rest der paddelbaren Welt zu „erobern“.

 

Warum Joe Glickman den „Job“ von Freya übernahm, über diese „Australienküstenkanuwanderrundtour“ zu schreiben:

 

Zeitraum: 18. Januar bis 15. Dezember 2009

Seekajak: Epic 18X Sport (549x56 cm; ca. 369 Liter Volumen plus max. 75 kg Gepäck)

Bootsname: “Freya Shakti”

Start-/Zielort: Queenscliff/Melbourne

Paddelkilometer: 13.790 km

Tage unterwegs: 332 Tage

Paddeltage: 245 Tage (= 73,8 %)

Nachtfahrten: 13 Nächte

Paddelstunden: 2.638 Std.

Paddelkilometer pro Tag: 56,3 km/Tag

Paddelstunden pro Tag: 10:46 Std./Tag

Paddelkilometer pro Stunde/Tag: 5,2 km/h/Tag

s. auch: Kanu-Sport, Nr.1/10, S.16ff.

 

kann nur spekuliert werden. Freya kann doch nicht nur schnell viel und auf charmante Art & Weise erzählen. Auf ihren vielen Fotovorträgen im Anschluss an ihre Australien-Tour hat sie das zumindest bewiesen. Sie kann auch während ihrer Touren ausdauernd, intensiv, spannend und manchmal sehr anschaulich „bloggen“:

 

„Paddling around Australia is like eating an elephant – you take only one bite each day.”

 

Aber sie hat wohl nicht die Ausdauer & Lust, sich nach einer jeden Tour hinzusetzen und alles Revue passieren zu lassen und schriftlich festzuhalten. Zumindest kenne ich keinen Tourenbericht, den sie selber verfasst und dann in irgendeiner Kanu- oder Publikumszeitschrift veröffentlicht hat. …. Sie bat daher Joe Glickman, ihr in dieser Angelegenheit zu helfen. Und das ist gut so!!

 

Zur Person

 

Joe Glickman gelingt es nämlich mit seinem Buch, nicht bloß das zu wiederholen, was wir in Freya’s unzähligen auf Englisch verfassten Tagebucheinträgen ohnehin nachlesen können:

 

http://freyahoffmeister.com/expeditions/australia-2008/race-around-australia-trip-report/

 

sondern er schreibt auch über die Hintergründe, also wer Freya früher mal war und jetzt noch ist:

 

 

und … wie sie sich behauptete innerhalb der Surf-Ski-Szene auf Hawaii, wo die „Lady in Black“ neugierig von Hawaii-Hemden & -Hosen tragenden Surf-Ski-Champions beäugt wurde, die fast doppelt so schnell paddeln können wie Freya, aber dafür nach 4 Std. nicht mehr genug Sitzfleisch zum Weiterpaddeln haben.

 

Ihre Persönlichkeit

 

In dem Buch erfahren wir natürlich etwas über:

 

 

Foto: Wasserfall-Nymphe

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/BestOfFreyaASelectionFromTheOtherAlbums#5605043247394082194

 

zeigt sie sich als „Wasserfall-Nymphe“. Das nimmt der wohl etwas „prüde“ amerikanische Autor zum Anlass, sich eine ganze Seite darüber zu „mokieren“.

 

 

 

 

 

Aber auch etwas über:

 

 

 

 

Foto: Zuytdorp Cliffs - 200 km lang und bis zu 250 m hoch

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/FreyaPaddlingASelectionFromTheOtherAlbums#5605043251824034466

 

 

Foto: „Good Night“

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/BestOfFreyaASelectionFromTheOtherAlbums#5605043245026869362

 

 

 

 

Foto: „Küstenkanuwandern“

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/FreyaPaddlingASelectionFromTheOtherAlbums#5605043252350356338

 

 

 

Foto: „Bad Timing“

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/FreyaPaddlingASelectionFromTheOtherAlbums#5605043252944583218

 

Von diesem „Drumherum“ wird das ganze Buch geprägt. Eine Geschichte folgt der anderen. Stichwortgeber sind Freya’s Blog-Einträge und die Orte, an denen sie vorbei paddelte.

 

Geschichten & Zitate

 

Joe Glickman greift Erlebnisberichte anderer Kanuten auf, wie z.B. jenen Bericht von Paul Caffyn, der 1981 unterwegs durchs Great Barrier Reef von den Ausläufern eines Cyclon überrascht wurde und auf einer kleinen, unbewohnten, nur 1 m hohen Insel Zuflucht suchte und allein deshalb überlebte, weil er all seine Ausrüstung an dem einzigen Baum auf dieser Insel festbinden konnte. Oder die Story von der Australierin Sandy Robson, die 2006 ein Jahr lang um ihren Kontinent paddeln wollte, und zwar so weit, wie es ihr in diesem Zeitraum möglich war, aber „schon“ nach 5 Monaten entnervt & verängstigt ihre Freunde anflehte, dafür zu sorgen, dass ein Motorboot sie sofort von einer Insel holte; da sie die so unmittelbare Nähe der Krokodile nicht mehr aushielt. Nicht minder aufregend ist das, was Andrew McAuley 2004 erlebte, einen Tag bevor er den Gulf of Carpentaria queren wollte: Ein Hai rammte sein Seekajak so stark, dass es in die Luft geschleudert wurde. Dabei ging lediglich seine Steueranlage zu Bruch.

 

Er zitiert die einheimischen Dale Ponsford („Immer wenn du dich auf den Ozean hinaus traust, bist du ein Glied der Nahrungskette!“), Dean Gardiner, ein Fischer, Lebensretter und Paddellegende zugleich („She’ll die!“) und Hayden Kenny, Ironman und Marineretter („Australia is a bastard of a place. Everything wants to kill you, even the sun …“)

 

Apropos Krokodile (Crocs, Salties)

 

Er schildert die „eifersüchtigen“ Kommentare ihrer aus Südafrika stammenden hawaiianischen „Paddelmachos“, die schlichtweg leugneten, dass von den australischen Krokodilen jegliche Gefahr ausgeht, zumindest im Vergleich zu den südafrikanischen, die doch doppelt so lang und 10x so gefährlich seien!? Er bringt Fakten über Krokodile, z.B. dass sie an die 18 km/h schnell laufen, aber auch sehr geduldig warten können, da sie notfalls mit 1 Mahlzeit/Jahr auskommen. Er weist darauf hin, dass während der Aufzuchtzeit der Jungechsen die männlichen Krokodile am Eingang von Buchten „patrouillieren“ und jeden Eindringling angreifen. Und er spricht über Freya’s Mut & Gottvertrauen, wenn er ihre Schilderungen aufgreift, wie sie nicht weit weg von Krokodilen ihr Zelt aufschlägt und sich dort bis zum Sonnenaufgang verkriecht, oder wie sie in der Dunkelheit nahe der Küste plötzlich trocken fällt und auf dem Weg zurück ins Wasser sich von allerhand aufschreckendem Getier selber erschrecken lässt.

 

Dennoch war sich Freya der tödlichen Gefahr bewusst, die von diesen „Crocs“ (auch „Salties“ genannt) ausging. Sie hat deshalb möglichst Flussmündungen und Buchten gemieden und ist am liebsten entlang der der Küste weit vorgelagerten Inseln gepaddelt. Was ihr nicht schwer fiel, da das meist auch der kürzeste Weg war. Beides – zu viele Crocs und zu viele Kilometer – hat sie auch dazu veranlasst, die ca. 575 km breite „Bucht“, nämlich den Gulf of Carpentaria im Norden in 8 Tagen und 7 Nächten zu queren. Sparte sie doch dadurch knapp 1.400 km und ebenso viele Crocs-Begegnungen ein. Aber sicher fühlen konnte sie sich dort draußen natürlich auch nicht. Erwarteten sie doch weitab von der Küste nicht nur „Kaventsmänner“ in tiefdunkler Nacht, sondern auch neugierige Haie, giftige Seeschlangen, vagabundierende Crocs und noch giftiger Box Jellyfishes (Quallen).

 

Support Crew

 

Joe Glickman spricht auch jenen Punkt an, dass Freya an 49 Tagen von Land aus unterstützt wurde u.a. einige Zeit von ihrem australischen Freund. Sie brauchte dann nicht mehr mit vollem Gepäck zu paddeln. Den Gewinn an Komfort & Geselligkeit und die Versorgungs-Sicherheit wusste sie sehr zu schätzen, auch wenn das auf Kosten ihrer Freiheit ging; denn nun konnte sie nur noch dort anlanden und übernachten, wo auch ihre 1-Mann-Crew Zugang mit dem Auto hatte, und wenn dann dort gefährliche Brandung ein Anlanden verbot, kam Stress auf. Dank Satellitentelefon war sie jedoch nie völlig isoliert von der Umwelt. Und ab dem 96. Fahrtentag hatte sie täglich Kontakt mit ihrem Aussie. Die Gewissheit, dass er sie ab der Passage von Walpole aus durch die Great Australian Bight von Land aus unterstützen wollte (ab dem 256. Fahrtentag), gab ihr sicherlich eine extra Portion Power, die sie benötigte, um immer weiter voran zu paddeln.

 

Land & Leute, Freya’s Familie und die Historie kommen in Joe Glickman’s Buch ebenfalls nicht zu kurz. In Anbetracht dessen, dass es für Freya kein „Sightseeing“ around Australia, sondern ein „Race“ war (wollte sie doch schneller als der Neuseeländer Paul Caffyn Australien umrunden, der 1980/81 dafür 257 Paddeltage benötigte und insgesamt 360 Tage unterwegs war), und eingedenk dessen, dass Freya spätestens ab einem mit 5 Bft. auflandig blasendem Wind, den stets links neben ihr liegenden australischen Küstenstreifen nicht mehr im Blick hatte, da sie ihre ganze Aufmerksamkeit dem anrollenden und weiß aufschäumenden Seegang schenken musste, ist sogar Freya dieses Buch zu empfehlen. Denn mancher dieser Geschichten, Storys, Anekdoten, Kommentare und „bissigen“ Bemerkungen daheim gebliebener Paddel-Gurus sind ihr sicherlich noch nicht zu Ohren gekommen.

 

Ausblick

 

In ihrer Anfangszeit als Seakayakerin (2003ff.) hat Freya Hoffmeister an einigen meiner Einweisungsfahrten entlang des west-, ost- und nordfriesischen Wattenmeeres teilgenommen. Ich habe sie als unterhaltsame, disziplinierte, hilfsbereite, aufgeschlossene, begeisternde, kritische, ehrgeizige, kameradschaftliche und aufreizende Küstenkanuwanderin kennen gelernt, die nicht nur von den teilnehmenden Männern bewundert und geschätzt wurde. Nun, keine 6 Jahre später zählt sie sicherlich schon zu den 10 Kanuten, die die historisch bedeutsamsten Kajak-Touren auf dem Meer unternommen haben, d.h. sie steht in der ersten Reihe neben Franz Romer (Atlantiküberquerung 1928 im Faltboot mit Segel), Oskar Speck (Longdistancetour von Deutschland nach Australien 1932-1939 im Faltboot), Hannes Lindemann (Atlantiküberquerung 1956 im Faltboot mit Segel), Paul Caffyn (Australienumrundung 1981 im Seekajak), Ed Gillet (Pazifikquerung von USA nach Hawaii 1987 im Zweier-Kajak mit Drachensegel aber kaum Wind), Erhard Jübermann (Longdistancetour Uelzen – Rund Skandinavien 1985 im Seekajak), Peter Bray (Nord-Atlantiküberquerung von Neufundland nach Irland 2001 im „Kajüt“-Kajak), James Castrisson/Justin Jones (Longdistancetour von Australien nach Neuseeland 2007/08 im „Kajüt“-Zweier-Kajak), Jurek Arsoban (Süd-Atlantiküberquerung von Afrika nach Südamerika 2010/11 im „Kajüt“-Kajak mit Segel ) und nun Freya Hoffmeister (Australienumrundung 2009 im Seekajak) …………………..

 

Freut sich nun Freya  darüber? Ist sie „glücklich“? Joe Glickman scheint bemerkt zu haben, dass Freya beim Durchfahren der „Ziellinie“ am 15. 12. 2009, ihrem 332. Fahrtentag, in Queenscliff nicht groß „jubelte“ und „sich weniger zu freuen schien, als jener, der in der City Manhattans einen Parkplatz gefunden hat.“ Sie musste sogar von den Fotografen dazu aufgefordert werden, nochmals die Ziellinie zu queren, aber dieses Mal bitte mit etwas mehr Freude & Begeisterung!?

 

Foto: „Bitte recht freundlich“

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/FreyaPaddlingASelectionFromTheOtherAlbums#5605043255145094690

 

Freya bestätigt damit die Erkenntnisse der Psychologie, dass man wohl am meisten Glücksgefühle auf dem – nicht immer ganz leichten - Weg zum Ziel empfindet und dass nach dem Erreichen dieses Zieles sehr schnell wieder Normalität eintritt, … der man nur entgehen kann, wenn man sich wieder ein neues Ziel setzt und versucht, auch dieses zu erreichen. Wie der eine oder andere weiß (, hat sich Freya Hoffmeister nicht nur schon ein neues Ziel gesetzt, nämlich Südamerika in 3 Etappen zu umrunden, sondern sie ist seit ihrem Start in Buenos Aires am 30.8.11 bereits schon wieder über 192 Tage unterwegs und hat dabei knapp 5.700 Kilometer zurückgelegt (Stand: 8.3.12):

 

http://freyahoffmeister.com/expeditions/south-america/sa-trip-table/

http://freyahoffmeister.com/freyas-blog/

 

Text: U.Beier

Literatur:

Caffyn,P.: The Dreamtime Voyage (1982/1994)

Stiller,E.: Keep Australia on Your Left (2000/2002) (zusammen mit Brown,T.)

Stiller,E.:Crossing Gulf of Carpentaria (Nord-Australien)

SeaKayaker, Spring 94, S.13-16.

Gunn,M.: A Fortnight in Tropical Queensland (Australien NO)

Sea Kayaker, June 99, S.44-56.

Allen,L.: Paddling Australia's Rugged Southwest Coast Swearing at the Wind

Sea Kayaker, Dec. 2000, S.36-46

Williams.T.: Back to the Wall. Paddling West Austrialia's Treacherous Zuytdorp Cliff's.

Sea Kayaker, Febr. 03, S.34-46 - www.seakayakermag.com

è www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/020230.html

Cunningham,C. (C.C.): Australia Ahead: Freya and her Solo Circumnavigation

SeaKayaker, Febr.09, S.19-21

C.C.: Australian Odyssey: Freya Begins

SeaKayaker, April09, S.21-22

=> www.seakayakermag.com/2009/April09/feature-frieda.htm

C.C.: 2,000 Miles Down Under: Freya Continues North

SeaKayaker, June09, S.23-26

C.C.: The Great Gulf: Carpentaria

SeaKayaker, Aug.09, S.14-19

=> www.seakayakermag.com/2009/Oct09/great-gulf.htm

C.C.: Halfway

SeaKayaker, Oct.09, S.15-17

C.C.: Leaving Australia’s West Coast in her Wake

SeaKayaker, Dec.09, S.14-17

=> www.seakayakermag.com/2010/Feb10/westcoast.htm

C.C.: Expedition Down Under. Freya: The Great Australian Bight

SeaKayaker, Febr.10; S.46-50

=> www.seakayakermag.com/2010/April10/AustralianBight.htrm

C.C.: Freya Completes Circumnavigation

Sea Kayaker, April 2010, S.16-18

=> www.seakayakermag.com/2010/Jun10/freyacompletes.htm 

Glickman,J.: Black Widow: Chasing Greatness with Freya Hoffmeister

Canoe & Kayak Aug.09, S.12-13 – www.canoekayak.com

Beier,U.: Freya Hoffmeister umrundet Australien im Kajak. Freya Did it!

Kanu Sport 1/10, S.16-17

=> http://forum.kanu.de/showthread.php?t=3382

=> www.kuestenkanuwandern./revier_a/091205l.html