06.06.2012 “Freya did it” – F.H. umrundet “Südzipfel” Südamerikas (Geschichte)

 

In KANU-SPORT ist der folgende Beitrag von Udo Beier über Freya Hoffmeisters erfolgreiche Umrundung der Südspitze Südamerikas erschienen:

 

Die Husumer „Global Seakayakerin“ Freya Hoffmeister (48) hat es mal wieder geschafft, was sie sich in den Kopf gesetzt hat. Nach der Umrundung von Island (2007: 1.620 km in 25 Paddeltagen), der Südinsel von Neuseeland (2007/08: 2.386 km in 48 Paddeltagen), Australien (!) (2009: 13.790 km in 245 Paddeltagen) (s. KS 1/10) ist sie seit dem 30.08.11 wieder unterwegs. Sie will von Buenos Aires aus bis 2014 ihren zweiten Kontinent, nämlich Südamerika, im Uhrzeigersinn umrunden (ca. 24.000 km in 3 Etappen). Die erste Etappe hat sie vollbracht: Eine wahrhaft „olympische“ Leistung! Stürme, Kaventsmänner, Steilküsten, Sümpfe, Eis, Kälte und Dunkelheit konnten sie nicht davon abhalten. Am 2.05.12 landete sie in Valparaiso (Chile) an. Für die bislang zurückgelegten 7.676 km war sie 247 Tage unterwegs. Die Umrundung komplett machen möchte sie am 10. Mai. 2014, exakt zu ihrem 50sten Geburtstag! Dazu wünscht der DKV ihr stets eine Handbreit Luft unterm Kinn!

 

Gratulation Freya! Zum Kap Horn sind schon manche Seakayaker gepaddelt, aber von Buenos Aires (Argentinien) über Kap Horn nach Valparaiso (Chile) zu paddeln, das hat noch kein Mann und auch keine Frau geschafft. Dazu gehört nicht nur ein Quäntchen Glück und der nötige Respekt vor den beiden Naturgewalten Wind & Welle, sondern schon auch ein Stück Zielstrebigkeit & Durchhaltevermögen, verbunden mit einer Portion „Besessenheit & Verrücktheit“, gepaart mit fast unmenschlichem Leistungsvermögen & nahezu übermenschlicher Leidensbereitschaft und unterstützt durch mehrere High-Tech-Ausrüstungsgegenstände (gedacht ist hier z.B. an ihr Seekajak „Epic 18X Sport“, ihr Zelt „Hilleberg Staika“, ihr Satelliten-Telefon „Motorolla 9555“ und ihr UKW-Handsprechfunkgerät „ICOM M23“), sowie viele helfende Hände daheim, im World-Wide-Web, insbesondere aber auch vor Ort.

 

Fotos: „Ihr Seekajak und ihre Ausrüstung“ sowie „Finish in Valparaiso“ (s. Anlage)

 

Statistik zum Staunen

 

Nun ist sie am Ziel ihrer ersten Etappe angekommen, nämlich der an der chilenischen Pazifik-Küste liegenden Hafenstadt Valparaiso. 247 Tage war sie dafür unterwegs, wovon sie 167 Tage (= 68 %) gepaddelt ist. Insgesamt hat sie mit ihrem Seekajak ca. 7.676 km zurückgelegt, wofür sie 1.560 Stunden benötigt hat.

 

Daraus lassen sich die folgenden Durchschnittswerte ableiten:

 

Ø Paddelkilometer pro Tag: 46 km/Paddeltag (bei insgesamt 167 Tagen im Seekajak)

=> min. 3,5 km/Tag / max. 161 km/Etappe (in 32:15 Std.)

=> 64x über 50 km/Paddeltag

Ø Paddelstunden pro Tag: 9:21 Std./Paddeltag

=> min. 1:05 Std./Tag / max. 17:30 Std./Paddeltag

=> 22x über 12:00 Std./Paddeltag

=> davon: 6x über Tag und Nacht gepaddelt mit 30:45 h, 13:45 h, 32:15 h, 17:30 h,

      24:50 h + 16:25 h

Ø Paddelkilometer pro Stunde/Paddeltag: 4,9 km/h (durchschnittliche Tagesleistung)

=> min. Ø 2,8 km/h während einer 14 h-Tagesetappe / max. Ø 11,5 km/h während 5 h-Tagesetappe), sowie Ø 1,6 km/h bei einer Landportage (!)

=> 16x über Ø 6 km/h während einer Tagesetappe

=> davon: 7x über Ø 7 km/h während einer Tagesetappe

Quelle: http://freyahoffmeister.com/expeditions/south-america/sa-trip-table/

 

Freya war ihres eigenen Glückes Schmied! Ihr wurde unterwegs nichts geschenkt, aber sie wurde auch nicht vom Pech verfolgt! Sie fuhr nicht einfach ins Blaue! Wind- und Dünungsprognosen wurde nicht in Frage gestellt, nur weil es am Startort säuselte & plätscherte! Wenn sie aufs Wasser ging, hatte sie sich vorher über GOOGLE EARTH die möglichen Anlandeplätze ausgekundschaftet.

 

Wer sich dafür interessiert, wie sie sich mit jedem Paddelschlag unaufhörlich ihrem sich selbst gesteckten Ziel „Valparaiso“ näherte, konnte und kann das auf ihrem Blog verfolgen:

 

http://freyahoffmeister.com/freyas-blog/

 

Pünktlich mit jeweils einem Tag Verspätung berichtete Freya seit Ende August – quasi wie der Reporter einer Tageszeitung, der tagtäglich seine Zeilen abzuliefern hat – über das, was sie zuvor erlebt hat und wie weit sie wie schnell vorangekommen ist.

 

Höhe- & Tiefpunkte:

 

Wen das interessierte und englische Texte versteht, konnte dank ihres Blogs stets auf dem Laufenden bleiben und Freyas Highs & Lows so erleben, als ob man selbst dabei war.

 

Versumpft im Watt

 

Ihr erster großer Tiefpunkt geriet schnell in Vergessenheit. Schon am 5. Fahrtentag blieb Freya im Delta von Buenos Aires am Eingang des Salado Rio bei niedrigem Wasserstand im Watt stecken und konnte nur sehr müüüühsam den Spülsaum mit dem trockenen Land dahinter erreichen. Einen Tag später erlebt sie jedoch bereits ihren ersten Höhepunkt, als sie in knapp 12 Std. über 100 km zurücklegen konnte. Noch schneller und weiter ging es dann am 37./38. Fahrtentag, als es vom Golfo San Mathias zur Peninsula Valdez ging: Innerhalb von 32 Stunden paddelte Freya 161 Kilometer.

 

Foto: Am Spülsaum (s. Anlage)

 

Vom Winde verweht (Kap Horn)

 

Über den nächsten großen Tiefpunkt wurde schon in KS 2/12 berichtet, als sie nach einer 86-Kilometer-Tagesetappe wegen einsetzenden stürmischen Windes 1,5 km (!) vor Kap Horn abbrechen und zur Isla Deceit umkehren musste. Dort wetterte sie bei 12er Windböen 5 Tage lang (vom 120.-124. Fahrtentag) ab. Aber bei Freya folgt nach einem Tiefpunkt immer ein Höhepunkt. Das galt auch vor Kap Horn. Plötzlich besserte sich kurzeitig an ihrem 125. Fahrtentag das Wetter. Sie nutze diese Chance und startete um 5.05 Uhr früh, um ihren spektakulärsten Höhepunkt auf dieser 1. Südamerika-Etappe nicht zu verschlafen, nämlich die Querung hinüber zur Isla Hornos in nur 2 Stunden.

 

Verirrt im chilenischen Fjordland

 

Einen weiteren Tiefpunkt erlebte Freya im Chilenischen Fjordland an ihrem 172./173. Fahrtentag. Ihr elektronisches Kartenmaterial führte sie 2x in die Irre. –zig Kilometer paddelte sie doppelt und –zig Kilometer nahm der dann einzuschlagende Umweg in Anspruch. Wer da nicht verzweifelt, der kann noch mehr aushalten. Und wer sich dann nicht mehr freut, wenn er wieder auf dem rechten Kurs ist, der sitzt wohl im falschen Boot.

 

Verschanzt im Leuchtturm (Isla San Pedro)

 

Der nächste Tiefpunkt ließ nicht lange auf sich warten. Ihr „Wetterfrosch“ prognostizierte für die nächsten Tage stürmisches Wetter. Ans Paddeln war dann nicht mehr zu denken. Rechtzeitig erreichte Freya die Isla San Pedro, auf der ein Leuchtturm mit Navy-Station lag. Leider landet sie dort an, wo ein verlassener Leuchtturm stand. Sie musste sich daher noch einige Kilometer mit ihrem Gepäck über Land bis zur anderen Seite der Insel durchschlagen. Dort wurde sie schon von der Leuchtturmmannschaft erwartet, und zwar dieses Mal nicht wie üblich vom Leuchtturmwärter und seiner Familie, sondern einer Gruppe von Junggesellen, … die ihr respektvoll begegneten und sie für 6 Tage (184.-190. Fahrtentag) versorgten, sodass aus dem Tiefpunkt doch noch ein Höhepunkt wurde. Zum Dank hat Freya den Leuchtturm aufgeräumt und als „Eisverkäuferin in Führungsposition“ den Gefrierschrank so enteist, wie sie es ihren Mitarbeitern in Husum stets erklärte.

 

Fotos: Isla San Pedro (s. Anlage)

 

Orientierungslos, aber nicht ziellos!

 

Der anstrengendste Abschnitt war wohl die knapp 2 km lange Landpassage vom Meer über den Rio Negro hinüber zur Lagune San Rafael (194./195. Fahrtentag). Freya ersparte sich dadurch einen längeren Umweg draußen entlang der ausgesetzten Pazifik-Küste. Der Preis dafür war absolute Wildnis: versumpft, verwuchert, spurenlos und ohne „Zielmarken“. Zwei Tage hatte sie gebraucht, um sich mit ihrem Seekajak im Schlepp dort durchzukämpfen. Unterwegs erlebt sie jedoch einen Höhepunkt, nämlich als ihr plötzlich zwei italienische Bergsteiger mit aufblasbaren WW-Kajaks begegneten, die von der Lagune hinunter zum Meer wollten. Es sollten die einzigen Kanuwanderer sein, die ihr unterwegs auf ihrer 1. Etappe begegneten. Und am Ende gab es dann den nächsten Höhepunkt: einen Gletschersee mit allem Drum & Dran (Eisbrüche am Rand, Eisberge im türkisfarbigem Wasser, Eis im Kochtopf).

 

Foto: Unterwegs zur Lagune (s. Anlage)

 

„Nomads of The Seas“

 

Vom 204. - 207. Fahrtentag erlebt Freya einen Höhepunkt der Extra-Luxus-Klasse. Schon von Weitem entdeckte sie eine eigenartige Plattform im Wasser, über der Hubschrauber kreisten. Als sie sich näherte, entpuppte sich das Ding als das kleine Kreuzfahrtschiff „Nomads of The Seas“. Es hat Platz für 23 Gäste, die von 34 Leuten und 2 Hubschrauberpiloten samt 2 Hubschraubern betreut wurden. Z.Zt. waren nur 6 Gäste an Bord, die per Hubschrauber zu den verschiedenen Highlights geflogen wurden (z.B. Gletscherbesichtigungen, Baden in natürlichen Warmwasserpools, Rafting, Paddling, Grilling …). Ja, und ein solches Luxusgefährt durfte Freya „entern“ und dort auf Kosten des Käpt’ns 4 Tage und 3 Nächte verbringen. Zwischenzeitlich entfernte sich das Schiff über 200 km von der Stelle, wo Freya an Bord geholt wurde. Nach den 4 Tagen sollte sie der Hubschrauber wieder dorthin zurückbringen, dann ging es aber doch mit der nächsten, dieses Mal 23köpfigen Gastgruppe, per Schiff zurück; denn Freya wollte nicht damit anfangen, „per Anhalter“ Südamerika zu umrunden.

 

Foto: Das „Traum“-Schiff (s. Anlage)

 

Zwischen Kreuzseen, Kaventsmännern & „Dumpers“

 

Den nächsten, tourenentscheidenden Höhepunkt erlebte Freya am 217./218. Fahrtentag, also den ersten beiden Tagen, an denen sie begann, entlang der verbleibenden insgesamt ca. 1.150 km langen ungeschützten Pazifik-Küste bis hinauf zum Ende ihrer ersten großen Etappe zu paddeln. Was für Gewässerbedingungen würde sie hier überstehen müssen und wie viele Tage lang. Vielleicht schafft sie es bis Valparaiso schon in 20 oder erst in 35 Tagen? Das hängt davon ab,  was die chilenische Felsküste mit der anwehenden Windsee und der anrollenden Dünung macht. Nach der bei VI (= sechs) endenden „Salzwasserschwierigkeitsskala“ war es nicht unwahrscheinlich, wenn Freya spätestens dann, so bald sie starten bzw. anlanden wollte, jeweils ein Gemenge von „fischerhüttenhohen“ Grundseen, kabbelnden Kreuzseen, aufbäumenden Kaventsmännern, explodierenden „Klapotis“ und alles unter Wasser drückenden „Dumpers“, also das reinste Wellentohuwabohu durchqueren musste, und zwar nicht nur einmal, sondern – wenn sie Pech hat - jeden Tag, und das 2x, nämlich morgens und abends. Die erste Anlandung an diesem 217. Fahrtentag verlief – Neptun sei Dank! - problemlos, auch wenn draußen die Dünung bis 3-4 m hoch war. Und ebenfalls am 218.Fahrtentag kam sie gut „raus“ (aufs offene Meer) und 12 Stunden später wieder sicher „rein“ (man’s rettende Ufer), wenn auch im letzten Moment bevor die Dunkelheit einsetzte; denn 58,9 km bis zur Caleta Quedal müssen nicht nur erst einmal nonstop bei Gegenwind, Dünung und Regen zurückgelegt, sondern auch verkraftet werden. Die psychische Anspannung war enorm. Rechts - nicht weit weg von ihr - lief den ganzen Tag lang die Dünung gegen die Steilküste an und stieg dort am Fels –zig Meter empor, um mit einem großen Tosen weiß aufschäumend zu explorieren, bevor sie dann als Kreuzsee „getarnt“ wieder zurücklief und kurz vor ihr beim Zusammentreffen mit der als nächstes einlaufenden Dünung als „Klapotis“ endete. Nein, das den ganzen Tag mit anzusehen, das kostet Nerven. Aber mit dem Anlanden war der psychische Druck erst einmal gewichen. Zufriedenheit paarte sich mit Zuversicht. Was konnte jetzt noch schief gehen!? Die Gefahr, die von neugierigen Haien, bissigen Salzwasserkrokodilen, heimtückischen Seeschlangen bzw. giftigen Quallen ausging, war doch – anders als bei Rund Australien – vernachlässigbar klein. Lediglich an Land könnte es jetzt noch Probleme geben … mit Bullen (!), Pumas(!?) … und Menschen (?).

 

Träume & Brandungsschäume

 

Allmählich wurde auch diese „Dünungs-Achterbahnfahrt“ zur Routine. Freya bekam den Kopf frei und konnte von der Ankunft in Valparaiso träumen: Noch ca. 1.000 km fehlten ihr bis dorthin. In den letzten beiden Tagen war sie mit Ø 55 km vorangekommen. Hochgerechnet könnte sie in 19 Tagen in Valparaiso anlanden … und wenn sie, wie damals bei Rund Neuseeland (Süd) den letzten Tag zum 40-Stunden-Tag werden ließe und 150 km am Stück paddelte, dann könnte sie schon in 18 Tagen, also am 21. April 2012, ihre 1. Etappe von Rund Südamerika beenden … ja, wenn nicht unmittelbar nach dem Höhepunkt am 217. und 218. Fahrtentag der nächste Tiefpunkt kam. Das Wetter verschlechterte sich. Die Windprognose sagte für die nächsten Tage 6 Bft. Wind aus SW voraus (25 Knoten) und die Dünungsprognose verkündete 7 Meter hohen „Swell“. Freya wäre nicht Freya, wenn sie solche Prognosen ignorierte, nur weil die Bedingungen am Startort gerade noch akzeptabel ausschauten. Aber in 50 km Entfernung müsste es ja für sie eine ebenso akzeptable Anlandemöglichkeit geben!? Da geht sie kein Risiko ein. 4-Meter-Dünung ist ihr Limit! Für die nächsten drei Tage (219.-221. Fahrtentag) war daher „Landurlaub“ angesagt. Anders als im Fjordland konnte sie jetzt wenigstens zu Fuß die Umgebung erkunden, natürlich mit einem Bambusstock in der Hand, um die frei herumlaufenden Kühe und Pferde auf Abstand zu halten.

 

Fotoserie: Ab durch die Brandung (s.Anlage)

 

Kotzen, kämpfen, kentern, kapitulieren

 

Ja, auch der beste Seakayaker und natürlich auch die beste Seakayakerin ist dagegen nicht gefeit, seekrank zu werden, zu kentern und aussteigen zu müssen. Zumindest Freya hat das alles zusammen an einem einzigen Tag, an ihrem 222. Fahrtentag, erlebt: Sie startete Oster-Samstag eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang, so um 8.45 Uhr. Frühstücken wollte sie draußen unterwegs auf dem Wasser. Als es Zeit gewesen wäre, etwas zu essen, war sie jedoch in der 4 Meter hohen Dünung schon seekrank und somit auch appetitlos geworden. Nachdem sie über 30 km schon zurückgelegt hatte, entschloss sie sich nachmittags dazu, an der nächst möglichen über Google ausspionierten Stelle, nämlich Rada Ranu-Beach, anzulanden. Gedacht, gesucht, getan. Es galt jedoch, insgesamt fünf Brandungsketten zu überwinden. Zuvor machte sie sich dafür bereit: Life-Line und Paddelsicherungsleine lösen, Schwimmweste und Schutzhelm anziehen sowie Steuerfinne halb hochziehen. Dann wurde sie auch schon von der ersten Brecherreihe mitgenommen, quer gedrückt und … umgeschmissen. Erst der zweite Rollversuch klappte. Sie war okay, jedoch gab es Probleme mit dem Steuerblatt: Es stand auf Kurve und ließ sich nicht wieder zurückstellen. Da kam schon die nächste Brecherkette. Sie kenterte erneut und fühlte sich plötzlich zu schwach, um zu rollen! Alle ihre Rollfertigkeiten (immerhin beherrscht sie über 30 Varianten der Greenlandrolle) nutzten ihr nichts. Sie musste aussteigen und sich zu Fuß zum Spülsaum vorkämpfen… genau vor den Augen von vier zufällig vorbei kommenden Zuschauern! – „Embarrassing!“

 

24-Stunden-Einsatz

 

Über diese 2-Tagestour-am-Stück wurde schon in KS 5/12 berichtet. Freyas Gefühle sollten an diesem Tag „Achterbahn“ fahren. Der erste Tag, der 227. Fahrtentag, begann schwachwindig, wellig, regnerisch & neblig und endet mit schwachwindig, wellig, regnerisch & diesig: Erst zwang der Nebel, der über der Bahia Nihue lag, zu einem Spätstart (11.20 Uhr) und später machte die Dünung ein Anlanden unmöglich. Es blieb Freya nichts anders übrig, als die Nacht „durchzumachen“, d.h. weiter zu paddeln bis zum 127 km entfernt liegenden Fischerort Quidico. Um 19.30 Uhr ging die Sonne unter, da hatte sie 41 km „abgespult“. Der Mond ging am 228. Fahrtentag um 0.48 Uhr auf. 75 km hatte sie bis dahin auf dem „Tacho“. Bei Sonnenaufgang um 8.18 Uhr lagen noch 20 km vor ihr. Schließlich erreichte sie um 12 Uhr Quidico. Inmitten von 4-5 m hoher, aufsteilender und zum Brechen bereiter Dünung, suchte sie vergeblich nach jener geschützten Anlandestelle, die laut Google vorhanden sein müsste, gleich hinter einer größeren Felsnase. Aber die Dünung lief einfach um die Landzunge herum, um dann am Strand weiß aufschäumend zu explodieren. War der ganze 24-Stunden-Einsatz vergeblich. Was sollte sie nun 200-300 m vor ihrem Ziel tun? Quidico war doch eine Fischersiedlung, aber wo lag die Anlandestelle der Fischersleute? Vielleicht könnte sie per UKW Sprechfunk ein paar Fischer um Rat fragen? Gedacht aber noch nicht ausgeführt, da preschte schon ein kleines offenes Fischerboot besetzt mit 3 jungen „Teufelskerlen“ - oder waren es „Schutzengel“ - mit voller Fahrt und großen Luftsprüngen durch und über die Dünung auf sie zu. Die Navy hatte sie alarmiert und Freyas Ankunft angekündigt. Sofort gingen sie längsseits, nahmen erst Freya an Bord, dann ihre schweres Seekajak, was nicht viel kleiner war als das „Mutterschiff“, und motorten mit viel Fingerspitzengefühl im Gleichschritt der Dünung, sich stets zwischen zwei Brechern haltend, zurück in eine etwas geschützter gelegene Bucht. Am Strand standen an die 15 Locals, die nur darauf warteten, ihr Seekajak aus dem Wasser zu holen und hinauf ins Trockene zu tragen.

 

Übrigens, insgesamt war Freya 31 Tage  unterwegs entlang der ungeschützten knapp 1.200 km langen Pazifikküste. 21 Tage davon saß sie in ihrem Seekajak. D.h. insgesamt 42x musste sie durch die Brandung starten und durch die Brandung anlanden. Am 228. Fahrtentag erlebt sie in Quidico das erste Mal, dass sie ohne fremde Hilfe nicht an Land kam. Weitere 5x musste sie die Hilfe der Fischersleute beim Starten bzw. Anlanden in Anspruch nehmen …. und am letzten Tag, dem 247. Fahrtentag, war bei der Ankunft im Hafen von Valparaiso der Seegang so unangenehm und die Anlandemöglichkeiten so schlecht, dass sie ein letztes Mal „per Anhalter“ anlanden musste. Auch das klappte. Der Navy sei Dank!

 

Fotos: Fischerleute von Quidico und ihre Boote (s. Anlage)

 

Dies & Das

 

Das waren m.E die großen Highlights bei Freya’s Tour. Sicherlich gab es noch eine Vielzahl weiterer Höhepunkte. Zu denken ist dabei:

 

 

Fotos: Campground & Pausenplätze satt (s. Anlage)

Fotos: Landschaft & Natur pur (s. Anlage)

 

Tages-Touren-Durchschnitts-Tempo: 4,9 km/h

 

Bemerkenswert ist m.M. auch ein Punkt, der nicht bloß als ein kleines Zahlenspiel angesehen werden sollte, nämlich die Kilometer je Stunde, die Freya im Tages-Durchschnitt (inkl. Pausen) schaffte (=> 4,9 km/h/Tag im Vergleich zu 5,2 km/h/Tag bei ihrer Tour Rund Australien (2009)!

 

Wer hätte das gedacht, dass Freya bei beiden Touren im Durchschnitt eines Tages nicht mit mehr als 5 km/h unterwegs war!? Aber bedenkt man, dass sie:

 

 

dann ist diese Tourengeschwindigkeit von rund 5 km/h durchaus beachtenswert. Wenn wir Küstenkanuwanderer uns während unserer Touren auch nicht mit viel mehr als 5 km/h fortbewegen, sollten wir daher nicht an unserem Seekajak und auch nicht an uns selber zweifeln. Befinden wir uns doch in „guter Gesellschaft“.

 

Freya, was nun?

 

„Nach der Tour, ist immer auch vor der Tour!“ Zunächst einmal wird Freya wohl über ihr Satellitentelefon Kontakt mit der Heimat und ihrem dänischen Freund aufgenommen haben, um all ihre Angehörigen & Freunde zu „beruhigen“, aber auch selbst von denen „beruhigt“ zu werden – muss doch der ganze, während 8 Monaten aufgebaute Expeditionsstress abgebaut werden! Dann wird sie sicherlich vor Ort in Valparaiso ihren Start zur 2. Etappe vorbereiten, auch wenn bis dahin noch 4-5 Monate vergehen werden. Erst danach kommt sie zurück nach Europa, um schließlich nach dem Ende der „Speise-Eissaison“ (besitzt sie doch in Husum zwei Eisdielen) wieder zurück nach Chile zu fliegen. Ob Freya Hoffmeister bei dieser 2. Etappe von Valparaiso (Chile) über Panama nach Georgetown (Guyana) wieder so erfolgreich vorankommen wird? Wir wünschen es ihr! Aber wir hätten auch Verständnis dafür, wenn sie nach dem Motto: „Was genug ist, ist genug!“ nicht mehr die 2. Etappe anträte; denn diese ihre „Erstbefahrung“ der Südhälfte Südamerikas ist eine Spitzenleistung sonder Gleichen. Das muss einer oder eine erst einmal nachmachen!?

 

Vor etwa 80 Jahren bekamen ein paar Bergsteiger für die Erstbesteigung der Eiger Nordwand olympisches Metall. Schade, dass sich daraus nicht die Tradition entwickelt hat, außerordentliche Leistungen von Extremsportlern als olympische Leistungen anzuerkennen, auch wenn sie keiner olympische Disziplin zuzuordnen sind! Freya Hoffmeister hätte sicherlich im Rahmen des Kanusports dieses Jahr eine solche Olympia-Medaille h.c. verdient!? Vielleicht nimmt das der DKV zum Anlass, jährlich nicht bloß seine „schnellsten“ Wettkampfsportler zu ehren, sondern auch jeweils die drei „zähesten“ Extremsportler im Rahmen des „Kanu-Freizeitsports“!?

 

 

Anhang: Fotos zur Auswahl von Freya über Freya:

 

Fotos: Finish Valparaiso

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5738657115483302306 (Navy-Empfangskomitee)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5738657057618617682 (Siegerpose)

 

Foto: Selbstporträt

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage3Argentina3#5680903705338870866 (Selbstporträt)

 

Foto: Ihr Seekajak

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/BestOfFreyaASelectionFromTheOtherAlbums#5605043245565207554 („Kopfgeburt“)

 

Fotos: Isla San Pedro

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722743208119594434 (Wetterwechsel: 6 Bft.)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722741751244368658 (statt 0 Bft.!)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722743693269921058 (Das Bachelor-Camp vom Leuchtturm San Pedro)

 

Foto: Unterwegs zur Lagune San Rafael

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722792326834553458 (Lieber schlecht gepaddelt als gut über Land transportiert)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722794228825296386 (Unterwegs über Land)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722760698012263890 (Unterwegs übers Wasser)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722793119466955778 (inkl. Regenschutz)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722773095776577794 (Gletscherzunge an der Lagune San Rafael)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5725662329277794962 (Rocks ohne Whiskey

 

Foto: Das „Traum“-Schiff

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722786499158577170 („Nomads of the Seas“)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722777901054833282 (2 Hubschrauber für 23 Gäste)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722786078295707906 (schneller, trockener, komfortabler aber lauter)

 

Fotos: Campground & Pausenplätze satt

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage1Argentina1#5651846802310863586 (Im endlosen Watt vor Buenos Aires)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage3Argentina3#5684662308175427746 (Mondlandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage1Argentina1#5663779913318224018 (Dünenlandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722770835596025314 (Gletscherlandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage2Argentina2#5669021268648211826 (Felsenlandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722775896943769570 (Stillleben mit Zelt, Boot, Gras, Bäumen, Sand und Wasser)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722736004467722546 (Kieslandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722773762569528274 (Anlandestelle zu Albträumen)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722776873771706242 (Fjordlandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722774304616739474 (Skandinavische Idylle)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722744598561313138 (Wackersteinlandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5731648012195083170 (Küstenkanuwanderers Stillleben)

 

Fotos: Landschaft & Natur pur

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage5Chile2#5703927337772438962 (Gletscherlandschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722746006789049986 (1 Felsen, -zig Bäume)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722745883164203650 (Wasserfall)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722751743631854178 (Seelöwen)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722758481141065026 (Versunkene Wälder)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5738256675932541890 (Vogelinseln)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5733501311419155378 (Felsen mit Baum)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5731644543568360258 (4 Felsen, 1 Baum)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722755860913145874 (Vergänglichkeit)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage6Chile3#5722768711805477746 (Wer quakt denn da?)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage2Argentina2#5663790558995514818 (Seeelefant)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage2Argentina2#5675968650331696498 (Delfin)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5731644543568360258 (Felsengarten von Punta Puga)

 

Foto: Die Fischersleute von Quidico und ihre Boote:

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5731651806541274258 (Im Hafen von Quidico)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5731651784083975650 (Transportgemeinschaft)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection1Stage7Chile4#5732438455149716034 (Transportgemeinschaft)

 

Fotoserie: Ab durch die Brandung nur mit Hilfe Dritter möglich (z.B. Neuseeland)

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/FreyaPaddlingASelectionFromTheOtherAlbums#5605043251759197010 (So sieht Starthilfe aus: 4 Fotos in Folge)

 

Quelle: KANU-SPORT, Nr. 6/12, S.16-19 – www.kanu.de

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