21.10.2012 Freya kann nun Chile „abhaken“ (Geschichte)

 

Freya Hoffmeister (48) hat an ihrem 304. Fahrtentag die „Umfahrung“ Chile’s abgeschlossen:

 

è http://freyahoffmeister.com/freyas-blog/

 

Bekanntlich ist sie am 30.08.11 von Buenos Aires (Argentinien) aus zu ihrer 1. Etappe rund Süd-Amerika gestartet. Nach 114 Tagen und 3.665 km entlang der argentinischen Küste überpaddelte sie am 21.12.11 bei Puerto Williams die Grenze zu Chile, erreichte am Neujahrstag, ihrem 125. Fahrtentag, das Kap Horn, die Südspitze von Chile:

 

è www.kuestenkanuwandern.de/geschi/120101.html

 

und paddelte dann – mehr oder weniger durch Inseln geschützt - entlang der pazifischen Küste Chiles bis hoch nach Puerto Montt und dann weiter immer der Brandungsseite entlang bis nach Valparaiso, wo sie nach 7.676 km am 02.05.12, ihrem 247. Fahrttag, eintraf.

 

Nach einem „Sommer-Urlaub“ in Deutschland startete Freya am 25.08.12 von Valparaiso aus zu ihrer 2. Etappe rund Süd-Amerika. Dieses Mal paddelte sie nicht solo, sondern zusammen mit ihrem dänischen Freund Peter Unold, der sie bis Weihnachten begleiten will. Sitzen tun beide jeweils in einem schwedischen Einer-Seekajak von POINT 65° N. Das ca. 550 cm lange und ca. 57 cm breite Kajak (Gesamtvolumen: ca. 390 Liter) stellt eine Sonderanfertigung dar und soll später unter der Modellbezeichnung „Freya“ in Serie gehen. Übrigens, während ihrer 1. Etappe paddelte sie noch in einem „18X Sport“ (549x56 cm; ca. 360 Liter Vol.) des us-amerikanischen Herstellers EPIC.

 

57 Tage brauchten beide, bis sie ca. 20 km hinter Arica am 20.10.12 Chile verließen, um Peru zu betreten. Es geschah an Freya’s 304. Fahrtentag.

 

Freya ist damit wohl die erste Paddlerin, die die gesamte Küste Chile’s abgepaddelt ist. Insgesamt hat sie für die ca. 5.900 km 191 Fahrtentage bzw. 132 Paddeltage benötigt. Damit hat sie durchschnittlich an ihren Paddeltagen jeweils 45 km gepaddelt (mit einmal maximal 161 km nonstop). 3096 km bzw. 64 Paddeltage davon führten entlang der ungeschützten chilenischen Pazifikküste:

 

è www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/120407.html

è www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/120413.html

 

einer Küste, von der alle meine Paddelfreunde, die dort schon einmal als Auto-Touristen vorbei fuhren, behaupten, dass sie nicht „paddelbar“ sei!?

 

Freya wäre nun nicht Freya, wenn sie selber nicht auf den US-Amerikaner Ed Gillet verwies, der zum einen 1984 ebenfalls entlang der chilenischen Küste paddelte, wohl nicht vom Kap Horn aus, aber immerhin von Punta Arena, und dann weiter die pazifische Küste hoch bis nach Panama schaffte, und der zum anderen 1987 von Kalifornien nach Hawaii paddelte (ca. 3.800 km in 64 Tagen):

 

è http://www.canoekayak.com/touring-kayak/gillet/

 

… und ich wäre keine ACCer, wenn ich nicht auf meine beiden Vereinskameraden Christoph Beyer & Petra Basch verwies, die 1992/93 ein knappes halbes Jahr in Einer-Seekajaks von Puerto Mont hinunter zum Kap Horn und dann zurück bis Puerto Williams paddelten, und zwar beide jeweils in einem „Habel“ (530x60 cm; ca. 360 Liter Vol. von PIETSCH & HANSEN.

 

Lassen wir uns überraschen, wie Freya & Peter vorankommen werden. Z.Zt. näheren sie sich „langsam aber sicher“ mit etwa 5 km/h und etwa 50 km/Tag dem Äquator. Es scheint so, dass sie nichts mehr aufhalten kann. Dennoch hat die chilenische Presse seit Beginn ihrer 2. Etappe kaum mehr Notiz von ihr genommen. Liegt das wohl daran, dass die „Woman in Black“ nicht mehr solo durch die chilenische Brandung surft?

 

Lasst uns hoffen, dass Freya & Peter auch die ca. 2.200 km lange Küstenpassage von Peru überleben werden. Bislang hatte jeder Paddeltag ein „Happy End“. Lebensbedrohlich ist es wohl höchstens vor Kap Horn gewesen. Nach den Berichten von Ed Gillet scheint bei einer solchen Tour die größte Gefahr vom Menschen auszugehen. Zumindest wurde er mal in Peru vom Land aus beschossen („Friendly Fire“?). Einmal geriet er sogar dort während der Übungszeit in ein militärisches Schießgebiet. Später wurde er in Kolumbien von Drogenhändler plötzlich gekapert, an Land gebracht, durchsucht, für eine Nacht gefangen gehalten und dann – genau so plötzlich - samt Gepäck wieder freigelassen. Nun, Freya hat sicherlich auch noch von anderen Vorkommnissen gehört und selbst – zumindest bei ihrer Australienumrundung (2009) – noch Bedrohlicheres erlebt (zu denken ist hier an ihre Begegnungen mit Crocs & Sharks). Für sie ist das anscheinend kein Grund, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen und daheim am Rezept einer neuen Eiskremkreation zu tüfteln (z.B. Geschmacksrichtung Anden-Beere)! Wenn alles so abläuft wie bisher, wird sie wohl zusammen mit Peter in 2 Monaten auch Peru „abgehakt“ haben, d.h. kurz vor Weihnachten werden sie mit etwas Fleiß & Glück die noch über 2.000 km entfernt liegende Grenze nach Ekuador überpaddeln.

 

Ja, ja, die „Verrückten“ sterben nicht aus!? … aber ist es nicht so, dass man zu jeder besonderen Leistung eines Menschen mindestens einen anderen Menschen finden kann, der diese Leistung für „verrückt“ erklärt?! – Genug der Worte. Das muss reichen, sonst  werde ich noch für „verrückt“ erklärt, dass ich hier schon wieder über Freya & Friend berichte.

 

Text: U.Beier