31.10.2012 Freya: 10.000 km unterwegs und noch kein bisschen müde (Geschichte)

 

Freya Hoffmeister hat die ersten 10.000 km rund Südamerika hinter sich gebracht. Ca. 14.000 km stehen ihr noch bevor:

 

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Ohne den „Sommerurlaub“, den sie vom 3.5.-24.8.12 in Deutschland verbrachte, ist sie nun schon 315 Tage auf Tour. 217 Tage (genauer: 2.009 Stunden) davon erlebte sie auf dem Wasser. Daraus ergibt sich, dass sie bislang im Durchschnitt je Paddeltag 9.15 Std. unterwegs war und dabei durchschnittlich 46 km gepaddelt ist, und zwar mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h (inkl. Pausen).

 

Sind nun 10.000 Paddelkilometer erwähnenswert? Aus meiner Sicht schon, habe ich doch für meine letzten 10.000 km knapp 10 Jahre benötigt. Andere möge das anders sehen. Z.B. kenne ich den Hamburger Kanuten Jürgen Bollensen, der in seinem ersten Rentnerjahr gleich an die 12.000 km gepaddelt ist. Da gibt es auch einen Clubkameraden von mir, Christian Hoffmeister, der im letzten Jahr die 111.111 Paddelkilometer voll gemacht hat. Für solche Leute ist das nichts Besonderes, obwohl es doch schon ein Unterschied ist, ob man stets mit dem Strom flussabwärts paddelt immer am sicheren Ufer entlang oder frau bei Wind & Welle immer entlang der Küste kämpft, egal in welche Richtung die Tide gerade mal strömt! Nicht zu vergessen sind die vielen Nächte in der „Pampa“; denn Freya macht ja eine Gepäckfahrt. Die meiste Zeit zeltet sie – seit Beginn der 2. Etappe vor 98 Tagen zusammen mit ihrem dänischen Freund Peter Unold - unmittelbar hinter dem Spülsaum:

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection2Stage9Chile6AntofagastaArica#5799101413543848322 (Caleta Atala / Chile)

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection2Stage10PeruAricaLima#5803326019007632082 (Caleta Yerba Buena / Peru)

 

Was uns da Freya vorpaddelt, ist ein komplexes Produkt aus „Erlebnishunger“, Leistungsfähigkeit, Ausdauer und Zähigkeit bis zur „Selbstaufopferung“ gepaart mit Ehrgeiz, Organisationstalent und einer außerordentlichen Portion Seemannschaft. Natürlich setzt das alles ein beträchtliches Plus auf dem persönlichen Zeit- und Finanzkonto voraus, obwohl die wirklich unfassbaren und unbeschreiblichen Leistungen von Paddlern erbracht wurden, die in den schlechten Zeiten zwischen den beiden Weltkriegen das „Weite“ gesucht hatten. Zu denken ist hier beispielhaft an Oskar Speck, der 1932 in Deutschland mit dem Faltboot startete und 1939 in Australien anlandete. Meines Wissens bekam Oskar von KLEPPER das nötige Bootsmaterial gesponsert. Freya wird es wahrscheinlich etwas besser gehen. Ob sie aber insgesamt auf einen Stundenlohn kommt, der an den Mindestlohn von Gebäudereinigern heranreicht, möchte ich bezweifeln.

 

Text: U.Beier