09.11.2012 Freya Hoffmeister: Mut erzeugt Unmut!? (Geschichte)

 

Im KANU-FORUM äußert sich Robert Kartler kritisch über Freya Hoffmeisters Expeditionstouren. Ihn stört dabei, wie unkritisch von mir als DKV-Referent für Küstenkanuwandern über sie berichtet wird:

http://forum.kanu.de/showpost.php?p=27126&postcount=13 (8.11.12)

Robert Kartler kritisiert meine Südamerika-Berichterstattung mit einem Beispiel (è sharks & crocs), die er Freyas Australienumrundung entnommen hat?

 

Ist ihm kein Beispiel aus ihrer Südamerikaumrundung eingefallen? Und ist ihm gar nicht aufgefallen, dass ich zumindest bezüglich Freyas Australienumrundung die von ihm geforderte Zurückhaltung ausgeübt hatte? Während ihrer 332-tägigen Tour hatte ich nur ein einziges Mal – nämlich nach Abschluss der Tour – im KANU-FORUM kurz & knapp, d.h. 1-seitig (!), unter ferner liefen als Posting #9 darüber berichtet:

 

http://forum.kanu.de/showpost.php?p=13556&postcount=9 (16.12.09)

 

und nochmals anlässlich der Besprechung „ihres“ Buches:

 

„Fearless. One Woman, One Kayak, One Continent.

Freya Hoffmeisters’ Record-Setting Circumnavigation of Australia”

(2012, 198 S., ca. 13,- Euro)

 

Die Buchbesprechung fiel jedoch schon etwas umfangreicher (7 Seiten) aus:

 

http://forum.kanu.de/showthread.php?t=6930 (5.08.12)

 

Ich habe dort aber nicht nur „Schmeichelhaftes“ über Freyas Persönlichkeit berichtet, wenn auch meine Kommentare über ihre Qualitäten als Leistungssportlerin überwogen, wie z.B. ihre Kaltblütigkeit, Furchtlosigkeit, Nehmerqualitäten, Besonnenheit, Ungeduld, Leidensfähigkeit und ihr Gottvertrauen. Zudem habe ich dort auf die Zitate einiger mehr oder weniger kompetenten Australier deutlich hingewiesen, z.B.:

Ich selber habe nicht daran geglaubt, dass Freya die vielen Begegnungen auf dem Wasser mit Haien, Krokodilen und Quallen bzw. auf dem Land mit Krokodilen, Spinnen und Schlangen auf Dauer überleben würde. Trotzdem wäre ich nicht auf die Idee gekommen, in diesem Zusammenhang Freya „BLÖDHEIT“ vorzuwerfen.

Insbesondere beim Sport lauern lauter Gefahren. Zu denken ist hier an die vielen Unfälle z.B. beim Geräteturnen, Fahrradfahren, Alpinskifahren, Klettern, Fallschirmspringen, Gleitschirmfliegen, Drachenfliegen, Wellenreiten, Kitesurfen, Reiten; Schwimmen, Tauchen, Winterpaddeln, Wildwasserpaddeln, Wandern in den Bergen (=> Felsrutsch, Stolpern), Skitourengehen (=> Lawinen). Aber sind deswegen die Leute „blöd“, die diese Sportarten ausüben?

 

Indirekt hatte ich auf Robert Kartlers Posting #5 schon in meinem Posting #8 dazu Stellung bezogen. Dort hatte ich meinen Bericht „Freya kann nun Chile ’abhaken’“ mit den folgenden Sätzen abgeschlossen:

Mehr möchte ich heute am liebsten nicht dazu sagen, außer dass wir doch ein wenig toleranter & geduldiger mit unseren Mitmenschen & Mitpaddlern umgehen sollten:

Freya betreibt seit ca. 2007 Expeditionsküstenkanuwandern. Dabei hat sie an die 30.000 Kilometer im Seekajak zurückgelegt, und zwar unfallfrei! Dass Sie sich in Australien freiwillig - zumindest aus unserer unmaßgeblichen Sicht - in Lebensgefahr begeben hat, mag für den einen oder anderen ein Grund sein, ihr nicht zuzujubeln, aber das dürfte kein Grund sein, sie für „blöd“ zu erklären. Unsere deutsche Sprache ist doch so wortreich, dass man seine Kritik auch präziser formulieren könnte!?

 

Mich wundert eigentlich nicht, dass Robert Kartler meine Berichterstattung über Freya’s Südamerikatour mit Hinweisen kritisiert, die – mehr oder weniger berechtigt - ihre Australienumrundung betreffen; denn an ihrer nunmehr 10.306 km dauernden Südamerika-Expedition ist bislang aus der Sicht „Guter Seemannschaft“ nichts auszusetzen.

 

Freya hat sich während der bisherigen 323 Expeditionstagen sehr umsichtig & besonnen verhalten und ist Gefahren – soweit wie möglich – aus dem Weg gegangen … und sollte sie mal dennoch sich – aus unserer Sicht – in Lebensgefahr befunden haben, hat sie stets das beste aus der gefährlichen Situation gemacht.

 

Sie hat sich aber bislang nicht nur mit Erfolg entlang der südamerikanischen Küste von Argentinien über Chile bis Peru durchgekämpft:

 

https://www.google.com/fusiontables/...z=4&t=3&l=col2 (Tourenübersicht)

 

sondern sie hat auch nachträglich so darüber berichtet, dass wir Küstenkanuwanderer eine Menge davon lernen können. Um genau das zu vermitteln, habe ich hier im KANU-FORUM etwas häufiger als üblich über Freya gepostet, z.B.:

 

http://forum.kanu.de/showpost.php?p=26812&postcount=2

 

Dennoch: Auch ich bin immer noch skeptisch, ob Freya ihre Südamerikaumrundung überleben wird. Ihre beiden Hauptgefahren gehen von der Brandung und von „Kriminellen“ aus. Auf „Kriminelle“ ist sie bislang nicht gestoßen. Und die „Brandung“ hat sie bis jetzt stets gemeistert, auch wenn sie dabei immer mal wieder Gewässerbedingungen erlebt hat, die wir „Wochenendküstenkanuwanderer“ mit „Grenze der Befahrbarkeit“ (è Salzwasserschwierigkeitsgrad VI) einstufen würden. Trotzdem möchte ich ihr nicht empfehlen, Südamerika stattdessen in ihrem 3-Achser-Wohnmobil zu umfahren; denn das ist gewiss nicht weniger gefährlich, lediglich die Gefahren sind andere.

 

P.S.: Freya sitzt seit 2 Tagen mit ihrem dänischen Freund Peter Unold in einer Bucht nahe Puerto Caballas (Peru) fest:

 

http://maps.google.com/?q=-14.9405,-75.4964

 

Die Gewässerbedingungen erlauben keinen Start. Lest Euch mal ihre beiden Tagesberichte durch. So handelt und schreibt keine, die ihr Leben leichtsinnig aufs Spiel setzt oder die „blöd“ ist:

 

http://freyahoffmeister.com/2012/11/...-2012-day-322/

http://freyahoffmeister.com/2012/11/...-2012-day-323/

 

Text: U.Beier