31.01.2013 Freya Hoffmeister überquert den Äquator (378. Fahrtentag) (Geschichte)

 

Freya Hoffmeisters Weihnachtsurlaub in Husum ist vorbei. Seit dem 9. Januar 2013 sitzt sie erneut in ihrem schwedischen Seekajak, jetzt wieder solo, also ohne den Dänen Peter Unold, der sie für 110 Fahrtentage (25.08.-12.12.12 = 4.093 km) begleitet hatte.

 

Ihr steht nun die zweite Hälfte ihrer ca. 22.000 km langen Südamerikaumrundung bevor. Lassen wir uns überraschen, wie sie vorankommen wird. In Anbetracht dessen, was sie alles in der Vergangenheit geleistet hat, wie viel Kaps sie umpaddelt, wie viel Stürme sie überlebt, wie viel Brecher sie überwunden und last not least wie viel Leute sie dazu überredet hat, sie zu unterstützen, spricht eigentlich alles dafür, dass sie am 10. Mai 2014, ihrem 50sten Geburtstag, dort wieder anlanden wird, wo sie am 30. August 2011 gestartet war, nämlich in Buenos Aires (Argentinien).

 

Argentinien hat sie in 113 Fahrtentagen abgehakt (30.08.-20.12.11 = 3.665 km), Chile in 190 Fahrtentagen (21.12.11-2.05.12 – (Sommerurlaub) - 25.08.-19.10.12 = 5.889 km) und Peru in 59 Fahrtentagen (20.10.-12.12.12 – (Weihnachtsurlaub) - 9.01.13-13.01.13 = 2.431 km). Nun paddelt sie seit dem 14. Januar 2013 entlang der Küste von Ecuador.

 

Der südlichste Punkt ihrer Umrundung war Kap Horn (55,96°S / 67,22°W), das sie am 1. Januar 2012 an ihrem 125. Fahrtentag erreichte (Kilometerstand: 3.854), der westlichste Punkt war Punta Balcones (Faro Negritos) (4,67°S / 81,31°W) nahe der Caleta San Pablo, den sie am 9. Januar 2013 an ihrem 358. Fahrtentag erreichte (Kilometerstand: 11.826). Ein weiterer bemerkenswerter Punkt ist sicherlich die Überquerung des Äquators kurz vor dem Ort Pedernales (0,00000° / 80,11935°W). Das ist ihr nach 378 Fahrtentagen am 29. Januar 2013 bei Kilometer 12.560 gelungen! Wer Freya, die über 30 verschiedenen Eskimo-Rollen beherrscht, kennt, würde sich nicht darüber wundern, wenn sie mangels Begleitung selber die eigene Äquatortaufe vornähme, in dem sie einmal um die Längsachse ihres Seekajaks rollt. Die Wassertemperaturen von ca. 26° C, die Lufttemperaturen von über 30° C und der nullte Breitengrad sprechen zumindest dafür.

 

Aber die Passage hinüber zur Nordhalbkugel verlief doch etwas anders:

 

http://freyahoffmeister.com/2013/02/01/tue-2901-2013-day-378/

 

Erstens war die Querung des Äquators völlig unspektakulär. Nirgendwo „sah“ sie ihn. Weder gab es auf dem Wasser eine Äquator-Tonne, noch am nahen Küstenstreifen ein entsprechendes Hinweisschild. Lediglich ihr GPS-Gerät deutete mit der Breitengradangabe von 00,00000° an, dass sie für einen Moment über den Äquator trieb. Es bestand für sie also kein Grund, sich selber sofort und auf der Stelle „kielzuholen“.

 

Zweitens hatte sie ja noch Zeit, bis zum Breitengrad 00,49999° N die „Äquatortaufe“ nachzuholen. Dafür sorgte zumindest „Neptun“; denn das Anlanden am Ende ihres 378. Fahrtentages am Strand von Pedernales misslang wie schon lange nicht mehr: Irgendwie hatte sie die Wucht der einlaufenden Dünung völlig unterschätzt. Der erste Brecher, der von hinten auf sie zu kam, schmiss sie sofort um und schleuderte sie aus der Sitzluke ihres Seekajaks heraus. Die Option, nach der Kenterung unter Wasser im Kajak sitzend den Durchlauf des Brechers abzuwarten und dann wieder hochzurollen, war ihr nun mit diesem „Rausschmiss“ genommen. Im Wasser mehr tauchend als schwimmend überrollte sie der nächste Brecher … dann der übernächste … und der überübernächste … usw. usf. Ansonsten verlief alles recht glimpflich. Ihre Mütze fand sie am Spülsaum wieder. Lediglich ihr Schal und ein nicht gesicherter Wassersack waren bei dieser ersten Kenterung diesseits des Äquators verloren gegangen. Und ihr Seekajak? Nun, es trieb schneller als sie an den Strand. Außerdem gab es – oh wie peinlich - Zuschauer, zum Glück nur zwei … und die sicherten ihr Seekajak, während sie allein an den Strand robbte.

 

Nicht unerwähnt bleiben sollte der 16. Januar 2013. An diesem Tag, den Freya in Puerto Bolivar (Ecuador) verbrachte, „feierte“ sie den „1. Geburtstag“ ihrer Südamerikaumrundung; denn ohne Einbeziehung der Tage, in denen sie sich auf „Urlaub“ in Husum befand, ist sie nämlich exakt zu diesem Zeitpunkt 365 Fahrtentage unterwegs. Während dieser Zeit war sie insgesamt 252 Tage auf dem Wasser (= 69 %) und legte dabei 12.069 km zurück. Das ist eine Kilometerleistung, die sich der eine oder andere „Extrem-Wanderpaddler“ merken sollte, sofern er darauf aus ist, einmal in seinem Leben möglichst die meisten Kilometer in einem Jahr in seinem Landeskanuverband zu paddeln. Viel mehr als 12 Tausend Kilometer/Jahr sind wahrscheinlich nicht zu machen. Dennoch kenne ich einen Kanuten im Hamburger Kanu-Verband, nämlich Jürgen Bollensen, der vor Jahren in seinem ersten Rentnerjahr über 12.000 km/Jahr schaffte … und da gibt es doch noch tatsächlich jene Husumer Küstenkanuwanderin F.H., die im Jahr 2009 innerhalb von 245 Paddeltagen insgesamt 13.790 km zurücklegte, und zwar anlässlich ihrer 332 Tage dauernden Umrundung von Australien.

 

Noch ca. 1.400 km dann steht Freya schon das nächste Highlight bevor, die Querung Mittelamerikas per Seekajak. Als Gewässer dafür in Frage kommt nur der 82 km lange Panamakanal. Noch hat sie nicht die Genehmigung dafür erhalten!? – Wetten, dass sie auch diese Hürde schaffen wird! Spätestens Mitte März werden wird es wissen! Lt. WIKIPEDIA durfte dieser Kanal immerhin schon durchschwommen werden, und zwar von Richard Halliburton. Er schaffte es in 8 Tagen und zahlte damals, nämlich 1928, für diese Passage 36 US-Cent. Derzeit liegt der Preis je Passagier/Bett bei 134 US-Dollar. Da die zugelassene Höchstgeschwindigkeit bei 11 km/h liegt, dürfte Freya eigentlich gar nicht viel langsamer vorankommen als die Container- bzw. Kreuzfahrtschiffe, die im Durchschnitt 15 Std. für die Durchfahrung des Panamakanals (inkl. ihrer 3 Schleusen) benötigen.

 

Jetzt gilt es jedoch erste Mal, dort heile anzukommen, d.h. Ecuador und Kolumbien hinter sich zu lassen. Wenn sie dort scheitern sollte, wird es sicherlich nicht an den Naturgewalten (è „Brecher“) liegen; denn Freya hat im Laufe ihrer Jahre gelernt, wie sie damit umzugehen hat. Sie sitzt kritische Gewässerbedingungen einfach aus, d.h. sie wartet, bis eine Verbesserung der Gewässerschwierigkeiten eintritt … und paddelt erst dann wieder weiter. Leider hat sie ab Ecuador auch noch mit einer weiteren „Gewalt“ zu rechnen, und zwar einer Gewalt, die direkt vom Menschen ausgehen kann … aber nicht muss (è „Verbrecher“)! Nur wenige Tage nachdem sie entlang der Küste von Ecuador gepaddelt war, machte sich die Marine Sorgen um ihre persönliche Sicherheit; denn ihre Route führte durch ein Gebiet (Umgebung der Isla Puna (Guyanquil)), in welchem Piraten ihr Unwesen trieben. I.d.R. nahmen sie den einheimischen Fischern ihren Fang weg oder gar den Außenborder, aber vielleicht sind sie ja auch neugierig, was eine „Küstenkanuwanderin“ so alles an Bord hat. Ab dann paddelte Freya einige Tage lang im Begleitschutz eines Marinebootes und übernachten tat sie meist auch auf einem Gelände, das der Marine gehörte … und wenn sie mal solch ein Gelände nicht erreichte, waren vielfach ihre „Bewacher“ in der Nähe.

 

Am 17.01.12, ihrem 366. Fahrtentag, passierte es dann doch. Ein Marineboot eskortierte sie

 

https://picasaweb.google.com/112133179186774955122/SouthAmericaSection2Stage11PeruEcuadorLimaEsmeraldas#5837103251327373346

 

Nach 20 km wurde es von einem anderen Marineboot abgelöst. Nach weiteren 16 km verabschiedeten sich ihre Bewacher mit dem Hinweis, dass im Moment keine Gefahr mehr bestände. … und schon tauchte bald darauf plötzlich ein offenes Fischerboot am Horizont auf mit drei Einheimischen an Bord, die weder nach Fischer noch nach Touristen aussahen. Sie kamen längsseits und stellten ein paar Fragen. Freya winkte, grüßte, lächelte und paddelte weiter. Dann kamen sie wieder längsseits, fragten, ob sie keine Angst von „Piratos“ hätte. Freya lachte, zuckte mit ihren Schulten, verwies auf ihre mangelhaften Spanischkenntnisse und paddelte weiter, ohne sich nochmals umzuschauen. Ob diese Burschen mit ihren um die Köpfe gewickelten T-Shirts echte „Piratos“ waren, konnte sie zum Glück nicht feststellen. Vielleicht passte sie einfach nur nicht in ihr „Beuteschema“!?

 

Übrigens, in Kolumbien soll es noch gefährlicher für sie werden. Aber keine Angst! Ihr ist schon von der dortigen Marine zugesichert worden, dass man sie eskortieren würde.

 

Text: Udo Beier

Link: http://freyahoffmeister.com/freyas-blog/