30.08.2013 Nordseequerung (Shetland – Norwegen) die Zweite! (Geschichte)

 

Schon einmal am 16. Juli 2011 versuchten die drei Briten Ollie Hicks, Patrick Winterton und Mick Berwick in Einer-Seekajaks (è „Cetus HV“ von P&H und „Menai“ von ROCKPOOL) nonstopp von Shetland nach Bergen (Norwegen) zu paddeln. Für die ca. 388 km lange Strecke setzten sie bei einer angenommenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 5 km/h  4 Tage und 3 Nächte an.

 

Der Tourenverlauf entspricht übrigens der Route, die im 2. Weltkrieg norwegische Fischer fuhren, um heimlich Waffen bzw. Agenten von Großbritannien nach Norwegen zu transportieren (sog. „Shetlandbus“). Da die Briten im Allgemeinen nur ungern zugeben, aus purem Ehrgeiz solche und ähnlich anstrengende, abenteuerliche bzw. riskante Unternehmungen zu realisieren, suchen sie i.d.R. nach einem sekundären Grund (z.B. Spendensammlung für einen wohltätigen Zweck, Erinnerung an eine Umweltgefahr bzw. historisches Ereignis), mit dem sie dann versuchen, den primären Grund (nämlich den anderen mal so richtig zu zeigen, wie leistungsfähig sie sind) in den Hintergrund zu rücken.

 

Heftiger Gegenwind und Kälte zwangen jedoch die Drei nach 50 km zur Umkehr und zum Abbruch ihres an den „Shetlandbus“ erinnernden Vorhabens. Siehe hierzu:

 

www.kuestenkanuwandern.de/geschi/110718.html

 

Zwei Jahr später versuchten Ollie Hicks und Patrick Winterton erneut, den wohl letzten noch nicht mit Kajaks befahrenen Abschnitt einer Umrundung der Nordsee zu schaffen:

 

www.kayaksonshetlandbus.org/Pages/tracking.html

 

Als Kajak wählten sie dieses Mal einen Seekajak-Zweier des britischen Herstellers KIRTON aus, der ca. 80 kg Ausrüstung zu transportieren hatte. Sie planten ebenfalls 4 Tage & 3 Nächte unterwegs zu sein, nahmen jedoch vorsichtshalber Verpflegung für 7 Tage mit. Unterwegs wollten sie alle 20 Minuten etwas trinken, jede Stunde sollte etwas gegessen werden und alle 4 Stunden sollte für 20 Minuten geschlafen werden.

 

Am 17.7.13 ging es dann schließlich um 5 Uhr los. Unterwegs erlebten sie 18 Stunden lang einen bis zu 6 Bft. wehenden Wind aus West, bis zu 4 Meter hohen Seegang, viel Nebel und erst wieder Sonnenschein, als sie die norwegische Küste erreichten.

 

Auf Grund des Rückenwindes konnte mit Segelunterstützung gepaddelt werden. Nach 62 Stunden hatten sie Norwegen erreicht, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,3 km/h entspricht. Während der Starkwindphase kamen sie sogar auf 7,8 km/h (140 km in 18 Std.) und beim Surfen auf einem ca. 4 m hohen Kaventsmann zeigte ihr GPS sogar einmal eine Spitzengeschwindigkeit von 37 km/h an.

 

Ja, das ist eine respektable Leistung, insbesondere in Anbetracht dessen, dass einer der beiden Briten fast die ganze Zeit unter der Seekrankheit litt!

 

Text: Udo Beier

Link: www.kayaksonshetlandbus.org