28.09.2013 Freya Hoffmeister: Einer ihrer typischen „Arbeitstage“

                     (516. Fahrtentag) (Geschichte)

 

Freya Hoffmeister ist nun im Rahmen ihrer 3. Etappe rund Südamerika schon wieder 41 Tage entlang der Küste von Venezuela unterwegs. Während dieser Zeit hat sie an 30 Tagen gepaddelt (= 73 %), und zwar insgesamt 1.135 km, durchschnittlich also knapp 38 km/Tag. Caracas, die Hauptstadt Venezuelas, hat sie vor einer Woche hinter sich gelassen. Ihr nächstes großes Ziel ist Georgetown (Guayana). Bis dahin sind es noch knapp 1.000 km. Die müssen aber erst einmal gepaddelt werden; denn die Karibik mag ja ein ideales Urlaubsrevier sein, jedoch nur dann, wenn man abends ein klimatisiertes Hotelzimmer ohne Mücken, Ameisen und Krabben, aber mit Süßwasserdusche aufsuchen kann.

 

Für Freya bedeutet diese Umrundung harte Arbeit, die im Schnitt etwa alle 4 Tage durch einen „freien“ Tag unterbrochen wird. Aber ein solcher Tag dient nur bedingt der Regeneration. Vielmehr muss sie dann ihre Lebensmittelbestände wieder aufstocken, ihre Homepage aktualisieren, Behördengänge erledigen bzw. Kontakte mit Journalisten knüpfen. Nur wenn Starkwind sie zwingt, an Land zu bleiben, hat sie mal die Möglichkeit sich auszuruhen.

 

Ja, und wie sieht solch ein „Arbeitstag“ bei Freya aus? Ihr 516. Fahrtentag ist m.E. ein Tag, der recht typisch für sie ist:

 

Die Nacht über ist es heiß wie in einer Sauna. Wenn die Sonne aufgeht, nehmen die Temperaturen aber noch weiter zu. Deshalb steht Freya häufig schon vor Sonnenaufgang auf, baut ihr Zelt ab und verstaut die Ausrüstung in ihrem Seekajak.

 

Kein Mensch lässt sich um diese Zeit blicken, lediglich unzählig Krabben huschen kreuz und quer über den Sand. Kurz vor 6 Uhr startet sie. Der Himmel ist mit dunklen Wolken verhangen, aus denen Blitze zucken. Der Regen bleibt jedoch dieses Mal aus. Allmählich nimmt der Wind zu und bläst schließlich mit bis zu 20 Knoten (5 Bft.) von vorn. Freya paddelt durch, macht nur kurze Pausen unterwegs auf dem Wasser. Am Nachmittag schläft der Wind wieder ein, sodass es ihr sinnvoll erscheint, an diesem Tag möglichst lange auf dem Wasser unterwegs zu sein. So um 17 Uhr, also nach 11 Stunden, kommt sie an einem einsamen Strand vorbei und landet an. Eine Stunde später setzt dann die Dämmerung ein.

 

Insgesamt 49 km hat sie an diesem Tag geschafft. Aber der Arbeitstag ist noch nicht vorbei. Zunächst schützt sie sich, nachdem sie den Schweiß und das Spritzwasser des Tages von ihrem Körper gewaschen hat, gegen die Mücken und Ameisen, d.h. trotz drückender Hitze wird jedes Stück Haut unter Kleidung versteckt. Lediglich über den Kopf wird ein Netz gestülpt. Dann wird für das Zelt ein sicherer und möglichst unauffälliger Platz gesucht und dort das Zelt aufgebaut. Anschließend wird das Gepäck im Zelt verstaut. Dann krabbelt sie selber ins 230x130 cm große und 1,05 m hohe Innenzelt, schließt die Reißverschlüsse, verstopft jedes noch so kleine Loch am Ende des Reißverschlusses und geht im Innenzelt auf Mücken- und Ameisenjagd, bevor sie sich in ihrer „Saunahütte“ wieder etwas entkleidet, kocht, ihren Blog aktualisiert:

 

http://freyahoffmeister.com/2013/09/28/wed-2509-2013-day-516/

 

und über Google-Earth nach möglichen Anlandeplätzen für den nächsten Tag Ausschau hält:

 

http://freyahoffmeister.com/expeditions/south-america/sa-map-of-daily-legs/

 

Text: Udo Beier