14.10.2013   Freya Hoffmeister: Zwischenspurt rüber nach Trinidad

                       (530. - 532. Fahrtentag) (Geschichte)

 

Freya Hoffmeister kann wohl Venezuela noch nicht abhaken (ca. 280 km der insgesamt ca. 2.000 km langen Küste fehlen ihr dazu), aber für die nächsten Tage hat sie erst einmal Abschied von Venezuela genommen und ist hinüber zur benachbarten Karibikinsel Trinidad gepaddelt. Sie hofft, sich dort von den Strapazen entlang der venezuelanischen Küste zu erholen. Hat sie doch seit dem 16.8.13, dem Beginn ihrer Tour ab der venzuelanisch-kolumbianischen Grenze, in 57 Fahrtentage (= 43 Paddeltage) ca. 1.700 km zurückgelegt. Übrigens, die vor der Küste Venezuelas liegende und einst von Kolumbus entdeckte Insel Trinidad bildet zusammen mit der benachbarten Insel Tobago einen eigenständigen Staat, nämlich „Trinidad und Tobago“.

 

6 Plagen

 

Freya hat fast alle Plagen erlebt, die beim Küstenkanuwandern in Äquatornähe erlebt werden können:

 

 

Demgegenüber sorgte jene Schildkröte, die um Mitternacht herum genau an Freyas Zelt ihre Eier ablegen wollte, für entsprechend positive Abwechslung, auch wenn dabei ein Teil ihrer Außenzeltapsis zerrissen wurde.

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/5929555362189985601?banner=pwa&gpsrc=pwrd1#photos/112133179186774955122/albums/5929555362189985601/5933950579618765250?pid=5933950579618765250&oid=112133179186774955122

 

Die venezuelanische Küste ist kurzweilig. Strände und Felshänge bestimmen das Landschaftsbild. Vorgelagerte Inseln sorgen ab und an dafür, dass Freya auf ihrer linken Seite nicht immer nur Wasser zu sehen bekommt. Leider vermüllt – wie fast überall auf der Welt – auch in Venezuela die Küste. Und an die einfachen Lebensverhältnisse der Küstenbewohner, die abseits der Großstädte leben, muss sie sich immer wieder neu gewöhnen.

 

Bislang ist sie stets freundlich begrüßt worden, auf dem Lande und auch in den Städten. Insgesamt 20x wurde sie in den größeren Städten von Einheimischen eingeladen, bei ihnen zu übernachten und sich in klimatisierten Räumen zu regenerieren. Wer weiß, ob Freya die Plackerei ihrer Paddelei sonst so problemlos überstanden hätte.

 

Unter Gleichgesinnten

 

Z.Zt. genießt sie in Trinidad schon seit 3 Tagen die Gastfreundschaft paddelbegeisterter Inselbewohner … und zwar nicht alleine. Wie der Zufall es will, werden dort auch zwei „paddelsüchtige“ Kanadier beherbergt, nämlich Graham & Russell Henry, die ihre Paddelexpedition in Belém (Brasilien) begannen und über die karibische Inselkette weiter bis nach Florida (USA) paddeln wollen. Die Begegnung mit diesen beiden 20jährigen Burschen tat Freya gut, nicht nur weil sie von ihnen eine Menge an Informationen über die noch vor ihr liegende Küste erhalten konnte, sondern auch weil sie Gelegenheit hatte, sich endlich mal mit Gleichgesinnten zu unterhalten.

 

Zwischenspurt in 3 Tagesetappen

 

Die letzten drei Tage bis Trinidad waren für Freya recht stressig. Einheimische in Rio Caribe machten Freya darauf aufmerksam, dass die nächsten knapp 200 km entlang der Halbinsel Paria bis Trinidad ein sehr unsicheres Gebiet, quasi ein „No-Go-Area“ sei. Die Nähe zur Insel Trinidad lockt wohl allerhand Leute, als Schmuggler unterwegs zu sein. In Kolumbien stand ja Freya unter dem Schutz der Marine bzw. der Coastguard. Leider waren die entsprechenden venezuelanischen Behörden nicht bereit, sie auf diesem kritischen Küstenabschnitt zu begleiten. Also musste Freya sehen, wie sie alleine vorankommt und überlebt. In 3 Tagen wollte sie möglichst in Trinidad sein.

 

Am ersten Tag ging sie schon um 4:45 Uhr aufs Wasser. Es war stockdunkel. Um möglichst nicht gesehen zu werden, paddelte sie 5 km weit draußen vor der Küste, auch wenn dort Gegenwind & Gegenstrom stärker waren als dicht unter Land. Schon früh am Nachtmittag landete sie in der Nähe eines Dorfes an, welches ihr als „letztes good Village vor Trinidad“ empfohlen wurde. 36 km hatte sie zurückgelegt.

 

Die nächste Tagesetappe startet sie dann noch am selben Tag, nämlich nachts um 22.50 Uhr. Sie endete am nächsten Tag nach 70 km um 16.15 Uhr. Während des Tages begegnete sie immer wieder Fischern in ihren Booten. Nachts waren dann wohl die unzähligen Schmuggler unterwegs, die alle Richtung Trinidad und retour motorten. Übernachten tat sie in einer kleinen, kaum einsichtigen Bucht. Dennoch wurde sie von Einheimischen entdeckt, aber zum Glück während der Nacht in Ruhe gelassen, lediglich die oben erwähnte Schildkröte sorgte für unvergessliche Momente.

 

Die 3. und letzte Tagesetappe begann Freya dann wieder im Dunklen, nämlich um 5.05 Uhr. Erst 50 Minuten nach Mitternacht landete sie nach 83 Kilometern und 19:45 Stunden Paddelei in Trinidad an. Der Weg dorthin war nicht minder aufregend als am zweiten Tag. Die Angst, überfallen zu werden, trieb Freya voran Richtung Trinidad. Leute, die sich ihr näherten, beäugte sie mit großem Misstrauen, so auch jene harmlosen & hilfsbereiten Fischersleuten, die ihr bloß den Weg zeigen wollten durch die Gezeitenstromkabbelungen an der Meerenge des Gulf of Paria hinüber zur ca. 12 km entfernt liegenden Insel Trinidad. Zum Glück tauchte dann plötzlich in der Dunkelheit eine Gruppe von Delphinen auf, die sie bei der Querung hinüber nach Trinidad begleitete. Sie sorgte für die nötige Ablenkung und trug so auch zur Beruhigung bei; denn wo erlebt man schon Delphine des Nachts auf dem Meer, die bei ihren Sprüngen das Wasser nicht nur hoch aufspritzen, sondern – dank des Meeresleuchten – auch hell aufblitzen lassen!?

 

Text: Udo Beier

Link:

http://freyahoffmeister.com/2013/10/13/wed-0910-2013-day-530/

http://freyahoffmeister.com/2013/10/13/thu-1010-2013-day-531/

http://freyahoffmeister.com/2013/10/13/fri-1110-2013-day-533/