01.11.2013   Freya Hoffmeister: Nun hat sie auch Venezuela abgehakt!

                       (549. Fahrtentag) (Geschichte)

 

Freya Hoffmeister hat ihre 3. Etappe rund Südamerika im Westen von Venezuela an der Grenze zu Kolumbien am 16. August 2013 begonnen. Am 29. Oktober 2013 überpaddelte sie nun im Osten von Venezuela die Grenze zu Guyana. 74 Tage hat sie für den insgesamt 2.140 km langen Küstenabschnitt von Venezuela (inkl. der Insel Trinidad) benötigt. 54 Tage davon saß sie in ihrem Seekajak. Rein rechnerisch kommt sie durchschnittlich bei einen 9:25 Std./Tag auf 39,6 km/Tag, die sie mit 4,2 km/h zurücklegte.

 

Die venezuelanische Küste ist kurzweilig gewesen. Strände und Felshänge bestimmten das Landschaftsbild. Vorgelagerte Inseln sorgten ab und an dafür, dass Freya auf ihrer linken Seite nicht immer nur Wasser zu sehen bekam. Leider waren die klimatischen Bedingungen nicht optimal. Die Luft war unerträglich heiß und feucht. Sie animierte einen dazu, an Land alle Bekleidung abzulegen … wenn da nicht die Mücken und Ameisen wären, die einen zwangen, sich stets voll bekleidet an Land zu bewegen und möglichst im Zelt aufzuhalten. Jede Bewegung führte zu einem Schweißausbruch. Und das Wasser war badewannenwarm. Da sorgte auch das Eskimotieren für keine Abkühlung. Leider vermüllt – wie fast überall auf der Welt – auch in Venezuela die Küste. Und an die einfachen Lebensverhältnisse der Küstenbewohner, die abseits der Großstädte leben, muss sie sich immer wieder neu gewöhnen.

 

Ihre Tour entlang der Küste war vielfach kräftezehrend und demotivierend. Auf dem Wasser wurde sie fast unablässig von Wind, Welle und Strömung gequält. Betrat sie aber Land, dann warteten schon eine schier unerträgliche Hitze & Schwüle und blutsaugende Flug- & Krabbeltiere auf sie. Zum Glück fand Freya immer mal wieder gastfreundliche Einheimische, die ihr für ein, zwei Tage & Nächte einen klimatisierten Raum anboten. Wer weiß, ob Freya sonst die Plackerei ihrer Paddelei so problemlos überstanden hätte?!

 

Ab nach Guyana

 

Übrigens, die Passage von Venezuela hinüber nach Guyana war mal wieder extra stressig & hart. An die 90 km Flachwasser galt es zu überpaddeln. Flachwasser so weit das Auge reichte, total verschlickt … und in der Dunkelheit der Nacht nur mit dem Paddel fühlbar! Keine Anlandemöglichkeiten weit und breit! Da musste sie nun durch, gegen einen 5er Wind und teilweise auch gegen den Strom!

 

Ihren 549. Fahrtentag begann Freya um 5.40 Uhr. Sie ging in der Morgendämmerung aufs Wasser. Erst am nächsten Tag konnte sie morgens um 8.30 Uhr am Punta Guaini (Guyana) wieder Land betreten. Danach dachte sie nur noch an eines: Zelt aufbauen und dann schlafen, schlafen und weiter schlafen. Die Angst, einen der Jaguare zu begegnen, vor denen sie gewarnt wurde, verdrängte sie bald. Hatte sie doch genug zu tun mit der Müdigkeit, den Mücken, der Hitze (sie ist tagsüber im Zelt noch unerträglicher als nachts) und ihrem Zelt (einmal musste sie es versetzen, da Gefahr bestand, dass die Brandung es wegspült).

 

Warum nur?

 

Ja, warum tut sich Freya das alles an … Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr? Das ist doch verrückt, was sie da macht? Nun, sind nicht alle von uns etwas verrückt, die sich aus der Masse der Kanuten hervortun … zumindest aus der Sicht jener, die sich nicht hervortun? Der Gelegenheitspaddler mokiert sich über den Wanderfahrer, der - gerade mal - die Bedingungen des Wanderfahrerabzeichens erfüllt. Der Wanderfahrer schüttelt den Kopf über den WW-Fahrer, der erst ab 4er Bedingungen auf den Bach geht. Der WW-Fahrer runzelt die Stirn über jene Küstenkanuwanderer, die nicht bloß entlang der Küste paddeln, sondern hinaus aufs Meer fahren, bis sie hinterm Horizont verschwunden sind. Der Küstenkanuwanderer spottet über jene seiner Mitpaddler, die auch noch bei Kaltwasserbedingungen unterwegs sind. Der Kaltwasserpaddler bringt kein Verständnis für Freya auf, die sich nun schon seit 550 Tagen abmüht, Südamerika zu umrunden. Und Freya, gibt’s auch für sie Verrückte? Was hält sie etwa von diesen Atlantikquerern wie Franz Romer, Hannes Lindemann, Pete Bray und Aleksander Doba und dem Pazifikquerer Ed Gillet? Ich wunderte mich nicht, wenn sie mir darauf Folgendes antworten würde: „Udo, wenn ich solch eine Querung als nächstes plante, nun ja, dann würde mich mein dänischer Freund sicherlich endgültig für verrückt erklären!“

 

Text: Udo Beier

Link: http://freyahoffmeister.com/2013/10/31/mon-2810-2013-day-549/