09.11.2013 Freya Hoffmeister: ausgelaugt und abgebremst

                     (560. Fahrtentag) (Geschichte)

 

Freya Hoffmeister ist nun endlich am 8.11.13, ihrem 560. Fahrtentag, dort angekommen, wo sie schon Anfang Mai 2013 anlanden wollte, nämlich in Georgetown (Guyana). Aufgrund der Strapazen, die sie überstanden hat, nimmt sie sich erst einmal eine „Auszeit“ und fliegt zurück in ihre Heimatstadt Husum. Anfang Januar will sie wieder nach Georgetown zurückkehren und sich dann die ihr noch verbliebenen ca. 7.800 km bis Buenos Aires (Argentinien) vornehmen. Anfänglich begleitet wird sie dabei zum zweiten Mal von ihrem dänischen Freund Peter Unold.

 

Freya ist  nun schon insgesamt 17.781 km in ihrem Seekajak entlang der südamerikanischen Küste unterwegs. 560 Tage hat sie dafür gebraucht, 394 Tage davon verbrachte sie auf dem Wasser. Summa summarum sind das durchschnittlich 45 km/Paddeltag, die mit durchschnittlich 5,3 km/h zurückgelegt wurden. Zwischendurch nahm sie bislang dreimal Urlaub vom Paddeln.

 

Am 16.8.13 startete Freya an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela ihre 3. Etappe rund Südamerika. 85 Tage war sie seitdem unterwegs und legte dabei in 64 Paddeltagen 2.481 km zurück (è Ø 39 km/Paddeltag; Ø 4,1 km/h). Während dieser Zeit hat sie die Karibische See, Venezuela inkl. Trinidad hinter sich gelassen. Und von Guyana fehlen ihr nur noch 170 km bis zur Grenze von Suriname.

 

Demotiviert & angezählt?

 

Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, auch wenn sie bei Freya Spuren hinterlassen hat. Zumindest scheint sie etwas ausgelaugt zu sein. Da passt es ihr gut, ihren für etwas später geplanten Weihnachtsurlaub schon jetzt zu nehmen.

 

Was ist das auch für ein Leben, vielfach schon vor Beginn der Morgendämmerung zu starten und kurz vor der Abenddämmerung erst wieder anzulanden. Wo bleibt da der ach so motivierende „Spaßfaktor“? Tag für Tag paddelt sie auf dem Wasser und kämpft gegen Wind, Welle, Strömung & Flachwasser an. Und die restliche Zeit verbringt sie bei Saunatemperaturen an Land im Zelt, weil sie draußen von den Mücken zerstochen wird. Spaziergänge oder gar Wanderungen lässt die zugewachsene Landschaft und lassen die Mücken nur selten zu, ganz zu schweigen ein (Sonnen-)Baden an der verschlickten Atlantikküste.

 

In Anbetracht der einseitigen Bewegung, nämlich tagsüber Paddeln und sonst Sitzen & Liegen in einem nur 1,05 m hohem und 1,30 m breitem Zelt, ist es kein Wunder, dass Freya nicht mehr nur mit Hautproblemen, sondern plötzlich nun auch mit Sitzproblemen zu kämpfen hat. Es ist zu hoffen, dass sie die Auszeit in ihrer Heimatstadt Husum auch dazu nutzen wird, sich von einem Physiotherapeuten zur Stärkung der unteren Wirbelsäule die richtigen Gymnastik- & Dehnübungen zeigen zu lassen. Ansonsten könnte es durchaus passieren, dass sie mit ihrer Idee, Südamerika zu umrunden, noch „kurz“ vor ihrem Ziel scheitert, und zwar nicht weil sie von den Naturgewalten besiegt wird oder gar von ein paar „zwielichtigen Gestalten“, sondern von ihrem eigenen Körper!?

 

Ende gut, alles gut!

 

Den gefährlichsten Moment ihrer Südamerikaumrundung erlebte Freya am 27.12.11, ihrem Fahrtentag # 120. Sie musste damals bei mindestens 8 Bft. Wind nur 1,1 Kilometer vor Kap Horn umkehren und in einer Felslandschaft „notlanden“:

 

www.kuestenkanuwandern.de/revier_a/120101.html

 

Gleich an zweiter Stelle steht jedoch jenes Missgeschick, das ihr am 8.11.13, ihrem letzten Fahrtentag in diesem Jahr auf dem Mahaica River im Hafen von Georgetown passierte, nur wenige Meter bevor sie an Land gehen wollte. Eine Mischung aus:

 

 

führte jedenfalls dazu, dass sie während der Suche nach einem geeigneten Anlandeplatz die Stärke der auslaufenden Flussströmung ignorierte, beim Einfädeln in ein Kehrwasser nicht genügend Abstand zu den an einem Anleger liegenden Schiffen hielt und so vom Strom auf diese Schiffe getrieben wurde. Helfer warfen ihr zum Glück sofort ein Seil zu und befreiten sie aus dieser katastrophalen Lage, die auch mit dem totalen Bootsverlust oder gar mit dem Ertrinkungstod hätte enden können. So aber blieben nur ein paar Schrammen an ihrem Seekajak und ein paar blaue Flecken an ihren Oberschenkeln zurück.

 

Text: Udo Beier

Link: http://freyahoffmeister.com/2013/11/09/fri-0811-2013-day-560/