15.04.2014 Freya Hoffmeister: Immer weiter in südöstliche Richtung (635.-655. Fahrtentag) (Belem – Sao Luis) (Geschichte)

 

Auch „gute“ Nachrichten können mal „Gute Nachrichten“ sein! Oder?

 

Nun, bei Freya Hoffmeister passiert im Moment nicht viel, außer dass sie quasi „fahrplanmäßig“ voran paddelt und sich allmählich ihrem nächsten großen Etappenziel „Fortaleza“ (liegt im Osten von Brasilien) nähert:

 

http://freyahoffmeister.com/freyas-blog/

 

Aber warum sollte das kein Grund sein, über sie zu berichten? Sind denn immer nur „schlechte“ Nachrichten „Gute Nachrichten“?

 

Nach ihrer 15-tägigen Querung der Amazonasmündung (2.-16.03.14) benötigte sie noch 2 Tage bis Belem, wo sie erst einmal für 5 Tage pausierte. Anschließend nahm sie die 23-tägige Etappe Belem – Sao Luis in Angriff.

 

Am interessantesten scheinen davon wohl die 20 Tage zwischen dem 25.03. und 13.04.14 gewesen zu sein, zumindest aus der „Vogelperspektive“! Denn zu dieser Zeit paddelte Freya einem Küstenstreifen entlang, der nicht hätte zerfurchter sein können. Es handelte sich dabei um eine Art „Fördelandschaft“, bei der eine „Förde“ sofort der nächsten folgt, und zwar insgesamt 40 „Förden“ auf einer Strecke von ca. 500 km, für die Freya aber ca. 650 km paddeln musste, um diese Region hinter sich zu lassen.

 

Eine solche „Förde“ ist mindestens 15 km lang sowie mindestens 5 km breit und unterscheidet sich von einem richtigen Fjord dadurch:

 

 

Leider sah wohl Freya aus ihrer „Kanutenperspektive“ nur das Ufer mit seinen Grün-, Watt- bzw. Sandflächen, nicht aber den traumhaft zerfurchten Landschaftscharakter. Mich erinnert das etwas an die mit Inseln übersäte Landschaft der Kornaten (Kroatien), die ebenfalls aus der Vogelperspektive atemberaubender aussieht, als wenn wir 80 cm über Meereshöhe dort entlang paddeln. – Wer nicht versteht, was ich damit meine, der möge mal über Google Earth den Ort „Belem“ (Brasilien) eingeben und dann den Küstenstreifen östlich von Belem bis Sao Luis „abfliegen“ oder die folgenden Links anklicken und den Maßstab verändern:

 

https://maps.google.com/?q=-00.9959,-46.3967 (Biwakplatz: Kartenansicht 2./3.04.14)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002907488229216162?banner=pwa&pid=6002907488229216162&oid=112133179186774955122 (Biwakplatz: Fotoansicht 2./3.04.14)

 

https://maps.google.com/?q=-01.1461,-45.8246 (Biwakplatz: Kartenansicht 5./6.04.14)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002907829982958770?banner=pwa&pid=6002907829982958770&oid=112133179186774955122 (Biwakplatz: Fotoansicht 5./6.04.14)

 

Bevor Freya zu dieser einmaligen Atlantikküstenpassage aufbrach, ließ sie jedoch einzelne Ausrüstungsgegenstände in Belem zurück, wie z.B. ihre Hängematte und ihren Anker, da sie bei ihren Recherchen erfuhr, dass es ab Belem wieder akzeptablere Zeltmöglichkeiten geben wird.

 

Zurückzuführen ist das auf den in dieser Region stetig wehenden Südost-Passatwind, der wiederum den in Nordwest-Richtung strömenden Süd-Äquatorialstrom erzeugt. Beides trägt dazu bei, dass all die Sedimente, die den über 5.000 km langen Amazonas hinunter treiben und in den Atlantik gespült werden, sofort Richtung Nordwest abtreiben und auf hunderten von Kilometern die Küste nordöstlich der Amazonasmündung verschlicken lassen. Demgegenüber wird die Küste südöstlich der Amazonasmündung von Strömung und Wind regelrecht von allen Schwebstoffen „befreit“, sodass sich seeseitig sogar Sandflächen bilden können, die umso größer werden, je weiter sie entfernt vom Amazonas liegen.

 

Leider konnte Freya erst nachträglich über ihre „Förde-Eindrücke“ berichten, weil wohl ihr Laptop ob der klimatischen Verhältnisse immer wieder „streikte“ bzw. ihr der nötige Internetanschluss fehlte. So blieb ihr während dieser Küstenpassage nichts anderes übrigen, als über ihr Satellitentelefon mit der „Außenwelt“ zu kommunizieren und die Fans ihres Blogs täglich mit einem 2-Zeiler zufrieden zu stellen, in dem sie ihren Standort, ihre Paddelstrecke (Zeit und km) und ein, zwei Eindrücke stichwortartig zum Besten gab. Immerhin hat sie während ihrer 20-tägigen „Förde“-Tour täglich zwischen 11,0 und 48,5 km und durchschnittlich 37 km zurückgelegt, und zwar bei Gegen- bis Seitenwind (bis 5 Bft.) sowie ein- und auslaufendem Gezeitenstrom (bis 4-6 m Tidenhub). Gepaddelt ist sie überwiegend innerhalb der Förde, und zwar die 4-6 Stunden während der Hochwasserphase. Sie nahm es dabei in Kauf, nur mit Mühe und Hilfe einheimischer Fischersleute die Übergänge, d.h. die Kanäle von einer Förde zur nächsten zu finden und ab & an mal trocken zu fallen, statt draußen gegen Wind, Strom und Brandung anzukämpfen:

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002908580493372802?banner=pwa&pid=6002908580493372802&oid=112133179186774955122 (Wattlandschaft)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002904552778491794?banner=pwa&pid=6002904552778491794&oid=112133179186774955122 (Mangroven-Küste)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002904698983910946?banner=pwa&pid=6002904698983910946&oid=112133179186774955122 (Brandungszone)

 

Übernachtet hat sie vielfach in der Nähe von Fischersiedlungen, deren recht offene Holzhütten grundsätzlich auf Stelzen stehen, um bei Springtide bzw. Sturmflut nicht geflutet zu werden. Manchmal durfte sie sogar ihr Zelt in solchen Stelzenhütten aufbauen:

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002906732854884978?banner=pwa&pid=6002906732854884978&oid=112133179186774955122 (Biwakieren auf brasilianisch II)

 

Am 15.04.14 erreichte Freya schließlich Sao Luis … und wieder schaffte sie es, dass Einheimische ihr eine klimatisierte und mückenfreie Unterkunft inkl. Dusche anboten. Die hatte sie nach dieser 23-tägigen Etappe auch bitter nötig, zumal ihr nun der „Endspurt“ ihrer 3. Etappe bevorstand: das ca. 700 km entfernt liegende Fortaleza. D.h. mindestens bis Mitte Mai wird sie wohl noch paddeln „müssen“, um danach ihren wohlverdienten Heimaturlaub antreten zu können! Aber vielleicht paddelt sie auch noch weiter bis in den Juni hinein; denn danach beginnt in diesem Küstenabschnitt die windige Zeit, die bis in den September hinein wesentlich die Gewässerschwierigkeiten prägen sollen.

 

Text: Udo Beier