28.04.2014 Freya Hoffmeister: ausgebremst, ausgezählt, ausgebrannt (668. Fahrtentag) (Geschichte)

 

Freya Hoffmeisters 666. Fahrtentag war ein Tag zu viel. Warum? Es war einfach an der Zeit, dass sie sich mal wieder eine „Auszeit“ nehmen musste …. um sich in ihrer Heimat, in Husum, von den Strapazen ihrer seit August 2011 andauernden Südamerikaumrundung zu erholen!

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/5992861850877915121/5992867447643204610?banner=pwa&pid=5992867447643204610&oid=112133179186774955122 („Selfie“)

 

Geplant hatte sie sowieso, ihre 3. Etappe, die sie am 16.08.13, an ihrem 476. Fahrtentag an der kolumbianisch-venezuelanischen Grenze startete, Anfang Mai zu beenden. Ihr angepeiltes Etappenziel war jedoch Fortaleza (im Nordosten von Brasilien). Aber ein ganzer Cocktail an Hindernissen, Schwierigkeiten, Widrigkeiten & Unannehmlichkeiten führte ganz plötzlich dazu, sofort und nicht erst in ein, zwei Wochen diese Etappe zu beenden. Der plötzliche Wandel hatte mehrere Ursachen:

 

 

…. und das alles seit dem 10.01.14, als sie in Georgetown nach einem verlängerten Weihnachtsurlaub die zweite Hälfte ihrer 3. Etappe in Angriff nahm.

 

Gewalttouren

 

Wir Daheimgebliebenen mögen uns das einmal vorstellen. Während viele von uns in diesem Jahr die ersten Paddelschläge in der neuen Paddelsaison gemacht haben, da hat Freya schon drei gewaltige Küstentouren hinter sich gebracht, die unterschiedlicher & anspruchsvoller nicht hätten sein können und die jede für sich aus der Sicht des Bergsteigens sicherlich mit einer „Achttausenderbesteigung“ vergleichbar ist.

 

Begonnen hatte es gleich am 10.01.14 in Georgetown mit der 48 Tage dauernden Befahrung einer ca. 1.400 km langen Wattfläche, bei der überwiegend die Gezeiten bestimmen, wann zu starten bzw. anzulanden ist … und nicht die Sonne! Zum Vergleich: Das west-, ost- und nordfriesische Wattenmeer zwischen DenHelder (NL) bis Esbjerg (DK) ist gerade mal ca. 500 km lang und hat dabei den Vorteil, durch unzählige, vor der Küste liegende Inseln & Halligen, die vielfältige Anlandemöglichkeiten bieten, aufgelockert zu werden.

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/5992861850877915121/5992861857752243010?banner=pwa&pid=5992861857752243010&oid=112133179186774955122 (Küstenkanuwanderstillleben) (20.02.14)

 

Nach einer nur 4-tägigen Pause ging es dann am 2.03.14 gleich weiter, um das ca. 270 km breite Amazonas-Delta zu durchqueren. 15 Tage brauchte sie dafür und legte dabei insgesamt ca. 510 km zurück; denn aufgrund der Strömungsverhältnisse musste Freya zunächst einige hunderte Kilometer hinein in die Flussmündung und auf der anderen Seite ebenso viele Kilometer wieder hinaus paddeln.

 

https://maps.google.com/?q=01.0024,-49.9168 (Kartenübersicht: Amazonas-Delta) (4.03.14)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/5992861850877915121/5992965902174069778?banner=pwa&pid=5992965902174069778&oid=112133179186774955122 (Flutwellen-Startposition) (4.03.14)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/5992861850877915121/5992984049355336002?banner=pwa&pid=5992984049355336002&oid=112133179186774955122 („Konkurrenz“) (6.03.14)

 

9 Tage später kam der nächste Höhepunkt, die Odyssee durch eine sich über ca. 500 km erstreckende „Fördelandschaft“, einem Küstenabschnitt, bei dem sich etwa 40 flache Fjorde dicht aneinander reihen. Freya startete am 25.03.14 und war 21 Tage unterwegs. Insgesamt legte sie ca. 610 km zurück, da sie vielfach in die einzelnen Förden hinein paddeln und über Wattkanäle hinüber zur nächsten Förde queren musste.

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002906732854884978?banner=pwa&pid=6002906732854884978&oid=112133179186774955122 (Biwakieren auf brasilianisch) (1.04.14)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6002903376594203601/6002907600759898802?banner=pwa&pid=6002907600759898802&oid=112133179186774955122 („Auf gute Nachbarschaft“) (4.04.14)

 

https://maps.google.com/?q=-01.1945,-46.0192 (dazugehörender Kartenausschnitt) (4.04.14)

 

Und nun lagen „nur noch“ 600 km zwischen ihr und Fortaleza. Nicht viel für eine Freya Hoffmeister, aber auch kein „Klax“ für eine, die vorher fast ununterbrochen in 106 Tagen an die 3.000 km gepaddelt ist; denn zwischen ihr und Fortaleza liegen nicht nur nahezu 600 km zusammenhängender Sandstrand, sondern auch ein davor sich auftürmender, für uns Normalpaddler fast nicht überwindbarer ca. 600 km langer Brandungsgürtel, der höchstens zum Spielen einlädt, nicht aber um mit einem beladenen Seekajak für weitere mindestens 20 Tage Strecke zu paddeln!

 

Rückzug

 

Am 25.04.14, ihrem 666. Fahrtentag, ist Freya erstmals ca. 15 km entlang dieser endlosen Brandungskette gepaddelt, vorbei an eintönigen Sandflächen, gegen 5 Bft. Wind, gegen den Strom, inmitten zeitweise 2-3 m hoher Brecher, und das im Zeitlupentempo von immer wieder nicht mehr als 1-2 km/h. Das gab Freya den Rest und raubte ihr ganz plötzlich sämtliche Motivation, im Endstadium ihrer 3. Etappe auch nur noch einen einzigen Tag weiter dort entlang der Brandung zu paddeln.

 

https://maps.google.com/?q=-02.3384,-43.3133 (Letzter Übernachtungsplatz: Kartenübersicht) (25.04.14)

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6009116721060493633/6009117133646994946?banner=pwa&pid=6009117133646994946&oid=112133179186774955122 (Letzter Übernachtungsplatz: Foto) (25.04.14)

 

Ihr Plan u.U. noch etwas weiter bis Anfang Juni zu paddeln, um die weniger windige Zeit im Mai zu nutzen, gab sie daher auf. Stattdessen trat sie nach einem Pausentag an ihrem 668. Fahrtentag – das erste Mal in ihrer „Long-Distance-Sea-Kayaker-Karriere“ - den Rückzug an und nahm Kurs auf den ca. 50 km im brasilianischen Hinterland, an einem „Wattfluss“ liegenden Ort Humberto de Campos:

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6009116721060493633/6009117347907387266?banner=pwa&pid=6009117347907387266&oid=112133179186774955122 (Endstation Humberto de Campos) (27.04.14)

 

Dort wurde sie dann von Bekannten aus Sao Luis, von wo sie aus 5 Tage vorher gestartet war, in Empfang genommen und samt ihrer Ausrüstung nach Sao Luis gebracht. …. und in 5 weiteren Tagen wird sie sicherlich rechtzeitig zu ihrem 50. Geburtstag daheim in Husum sein und … dort nicht nur das deutsche Klima genießen.

 

…. und dann?

 

Während ihrer 1. Etappe paddelte Freya von Buenoes Aires (Argentinien) bis nach Valparaiso (Chile). Sie legte dabei in 247 Tagen insgesamt 7.676 km zurück (30.08.11-2.05.12).

 

Die 2. Etappe ging von Valparaiso (Chile) bis an die kolumbianisch-venzuelanische Grenze. Sie paddelte in 228 Tagen insgesamt 7.736 km (25.08.12-6.0513).

 

Anlässlich der 3. Etappe ab Grenze Kolumbien/Venezuela bis Humberto de Campos (Sao Luis/Brasilien) überwandte Freya 5.500 km in 193 Fahrtentagen (16.08.13-27.04.14).

 

Bis Buenos Aires sind es nun noch mal ca. 5.600 km. Bei einer Paddelleistung von durchschnittlich 40 km/Tag und 25% Ruhezeiten (wg. Schlechtwetter, Regeneration, Organisation), wird Freya Hoffmeister während ihrer 4. und letzten Etappe sicherlich noch 186 Fahrtentage benötigen, um ihre Umrundung von Südamerika abzuschließen. Sollte sie diese Etappe Mitte Oktober 2014 antreten, ist mit ihrer Ankunft in Buenos Aires nicht vor April/Mai 2015 zu rechnen!?

 

Text: Udo Beier