31.08.2014 Helgoland: A Never Ending Kayaker-Dream!? (Geschichte)

 

Für manchen deutschen Küstenkanuwanderer übt Helgoland schon eine gewisse Faszination aus. Der Bochumer Karl Schmidt war wohl der Erste, der dieser Faszination erlag und hinüber nach Helgoland paddelte, und zwar 1929 als 23-jähriger mit einem Faltboot von Bremerhaven aus … mit einer „Zwischenübernachtung“ auf dem Feuerschiff „Bremen“:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Bremerhaven-Helgoland.pdf

 

… und Anneliese Sparbier vom ETV Hamburg war wohl die Erste, der es mit 24 Jahren nach mehrmaligen Versuchen im Jahr 1934 am Ende der Paddelsaison mit ihrem Faltboot gelang, von Hamburg nach Helgoland zu paddeln (ca. 175 km). Anneliese brauchte 5 Tage, um von Hamburg nach Glückstadt, dann weiter nach Mardorf und schließlich über Scharhörn nach Helgoland zu kommen. Die Querung hinüber von Scharhörn aus erfolgte in der Nacht bei 6 Bft. Wind (!?), da sie sich so am Feuer des knapp hinter dem Horizont liegenden Helgoländer Leuchtturms orientieren konnte.

 

Später versuchten es erfolgreich u.a. Werner Schmiedel (1959/60 von St. Peter-Ording), der „alte“ Zölzer (1962 von Wangerooge) und Hans-Jörg Otto (1963 von Hamburg) … natürlich alle noch per Faltboot. Übrigens, der damals 22 Jahre junge Otto paddelte – wie schon Anneliese Sparbier – die letzte 43 km lange Teilstrecke von Scharhörn nach Helgoland ebenfalls während der Dunkelheit:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Hamburg-Helgoland.pdf

 

Der Bremer Werner Born organisierte zusammen mit dem Hamburger Hans-Jürgen Prigge 1981 wohl die erste Gruppenfahrt von Cuxhaven nach Helgoland, an der neben 5 Kanuten auch 2 Kanutinnen teilnahmen. Gestartet wurde von Cuxhaven aus. Ca. 12 Stunden waren sie unterwegs, da das sie begleitende und absichernde Segelboot bei dem schwachen Wind nicht vorankam. Zurück ging es dann – wie bei den meisten Helgolandpaddlern damals – mit dem Seebäderschiff!

 

1987 paddelte der Niederländer Hendrik Kingma mit seinem Freund Mathijs von Wangersiel aus kommend über Minseneroog nach Helgoland, welches sie im Nebel – damals noch ohne GPS – dank des Tipps eines zufällig vorbeikommenden Seglers „trafen“ (s. Seekajak, Nr. 9/87, S.43-44).

 

Und 1989 paddelten die Bremer Michael Koop & Udo Weiterer von Neuwerk nach Helgoland und dann tags darauf weiter zum ca. 60 km entfernt liegenden Amrum (s. Seekajak, Nr. 20/89, S.46-49).

 

1994 schrieb ich für die Salzwasserunion e.V., dessen Mitglied ich damals war, eine 1-wöchige Gruppenrundfahrt aus, die in Spieka-Neufeld begann und über Neuwerk nach Helgoland führte. Nach einem Tag Pause ging es dann weiter nach St.Peter-Ording und anschließend über Büsum sowie Neuwerk wieder zurück nach Spieka-Neufeld. Insgesamt legten wir in 6 Paddeltagen knapp 300 km zurück:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Rund-Helgoland.pdf

 

Begleitet wurde ich von 5 Kanuten und 1 Kanutin: Kai Ahrens (Hamburg), Arthur Buschardt (Berlin), Wolfgang Dinter (Berlin), Bernhard Hillejan (Köln), Manfred & Berta Klingmann-Reiner (Heidelberg) . Navigiert wurde mit GPS-Unterstützung. Gepaddelt wurde in Einer-Seekajaks und einem Zweier-Seekajak.

 

Besonders erwähnenswert sind jedoch auch die folgenden Kanuten:

 

Jens Offermann, der 1996 von Hamburg über Cuxhaven nach Helgoland paddelte und wieder retour. Bei der Rückfahrt von Helgoland nach Neuwerk geriet er jedoch in Nebel & Dunkelheit, sodass er statt nach den üblichen ca. 7 Stunden erst nach 13-stündiger (!) Fahrt Neuwerk erreichte:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-Blankenese-Helgoland.pdf

 

Der Franke Jürgen Hoh, der ebenfalls 1996 – jedoch im Faltboot – anlässlich einer mehrwöchigen Elbefahrt von Tschechien aus kommend bis nach Neuwerk paddelte und sich dann aufgrund der guten Wetterlage kurzfristig dazu entschloss, ohne Seekarte gleich weiter zum ca. 43 km entfernt liegenden Helgoland zu paddeln. Insgesamt legte er bei dieser Tour über 700 km zurück (s. Kanu-Magazin, Nr. 1/99, S.26-30).

 

Aus sportlicher Sicht besonders hervorzuheben sind der Schleswig-Holsteiner Matthias Panknin (4-facher „Helgoländer“) und der Bremer Karl Wolfner. Sie schafften wohl als erste Kanuten am 31.5./1.6.1997 innerhalb von ca. 17 Stunden von St. Peter-Ording aus kommend nach Helgoland und sofort retour zu paddeln (ca. 100 km):

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Tour-St.PeterOrding-Helgoland.pdf

 

Entschlossen zu dieser „Retour-Tour“ hatten die beiden sich jedoch erst kurz vor Helgoland, nachdem die Wetterprognose für den nächsten Tag 5-6 Bft. Wind aus Nord-Ost prognostizierte! Um 8.00 Uhr legten sie am Strand von St. Peter-Ording ab. 7:30 Stunden später landeten sind um 15.30 Uhr auf der Hauptinsel von Helgoland an. Nach einer nur 30-minütigen Pause ging es dann wieder zurück. 1 Stunde nach Mitternacht liefen sie plötzlich nach 9 Stunden im Stockdunklen auf Grund. Geschafft; denn es war der Strand von St. Peter-Ording! Gepaddelte wurde in Seekajaks, und zwar in einem „Calypso“ (mit Steuer) (von Northshore) bzw. im „Pintail“ (mit Skeg) (von Valley). Matthias trug ein Funktionshemd (inkl. Trockenanzug unter Deck) und Karl einen Neo. Navigiert wurde nach Seekarte, Kompass, GPS und Landsicht.

 

In der Zwischenzeit wird Helgoland jährlich des Öfteren von Küstenkanuwanderern angefahren. Nicht alle kommen an, aber bislang ist jeder von denen wieder heile ans Festland zurückgekehrt. Erwähnen möchte ich z.B. jene drei „Rallye-Racer“, die es auch mal versuchen wollten und es nicht schafften, da sie allein auf ihre Kraft setzten. Sie wollten von Altenbruch (noch östlich von Cuxhaven) aus Helgoland Non-Stopp erreichen, verschliefen jedoch die Tide, ignorierten die Windprognose und missachteten die Verkehrsbestimmungen auf der Unterelbe. D.h. sie starteten verspätet, fielen unterwegs unangenehmen der Wasserschutzpolizei auf und mussten schließlich Helgoland voraus nach Neuwerk umkehren, als sich alles gegen sie wendete: Strom, Wind, Kondition & Magen.

 

Übrigens, 2014, also 17 Jahre nach der „Gewaltretour-Tour“ von Matthias & Karl versuchten sich mal wieder zwei vom ACC-Hamburg an Deutschlands einziger Hochseeinseln: Manfred Draumann & Dushan Gardlo, beide Jahrgang 1959 und beide Drachenbootfahrer, die erst seit 2013 auch Gefallen am Kajakfahren fanden. Sie wollten es endlich am 18.7.14 wissen. Nachdem Manfred 2 Tage vorher seinen ersten Helgolandversuch abbrach, da sein Kumpel relativ früh seekrank wurde, war nun sein zweiter Kumpel, nämlich Dushan, von der Partie.

 

Der Wind stimmte an diesem Tag und die Gezeitendaten natürlich auch:

 

tatsächlicher Wind vor Helgoland: 3-4 Bft. (8-12 Knoten) aus NO,

         später rückdrehend auf NNO

 

Hochwasser St. Peter-Ording: ca. 6.21 Uhr und ca. 18.33 Uhr

Niedrigwasser Helgoland: 11.38 Uhr

 

Richtung Helgoland ablaufender Strom: ca. 7.29 – 12.31 Uhr*

(* = von ca. 2:30 h nach HW Helgoland (früh) bis ca. 4:45 h vor HW Helgoland (spät))

Richtung St. Peter-Ording auflaufender Strom: ca. 12.46 – 17.16 Uhr**

(** = von ca. 4:30 h vor HW Helgoland (spät) bis ca. HW Helgoland (spät))

 

Gepaddelt wurde in Skeg-Seekajaks, und zwar einem „Scorpio“ (PE) (von P&H) und einem „Biskaya“ (MV) (von Lettmann). Manfred trug einen Trockenanzug und kam damit gut zurecht. Dushan begnügte sich auf der Hinfahrt mit einem langärmeligen Funktionshemd (darüber selbstverständlich eine Schwimmweste); auf der Rückfahrt zog er sich jedoch noch eine Windjacke über, da es ein wenig kalt wurde. Navigiert wurde ebenfalls nach Seekarte, Kompass, GPS und Landsicht.

 

Gestartet wurde vom Nordstrand von St. Peter-Ording um 05:50 Uhr. 5:30 Stunden später, also um 11.20 Uhr landeten sie im ca. 49 km entfernt liegenden Hafen von Helgoland an. Da die Windprognose für den nächsten Tag nicht optimal war und die beiden sich noch stark fühlten, machten sie nur 10 Minuten Pause und stellten sich dann der Herausforderung, d.h. sie paddelten anschließend sofort wieder zurück an St. Peter-Ording, wo sie um 17.15 Uhr, also nach 7:45 Stunden, auf den Strand aufliefen. Insgesamt benötigen sie für diese Retour-Tour 11:45 Stunden.

 

In Anbetracht dessen, dass beide mit vollem Übernachtungsgepäck unterwegs waren - denn zu dieser Retour-Fahrt hatten sie sich erst vor Helgoland entschlossen – müsste es bei optimalen Windverhältnissen doch möglich sein, in noch kürzerer Zeit die Strecke Festland – Helgoland – Festland zurückzulegen. Zumindest Manfred träumt nun davon, während es Dushan erst einmal reicht; denn auf der Rücktour hat er doch etwas an seiner Hochseetauglichkeit gezweifelt!?

 

Text: Udo Beier