12.11.2014 Business as usual: Freya bei der „Arbeit“ (Geschichte)

 

(669. – 686. Fahrtentag) (25.10.-11.11.14): Es geht voran mit Freya. Aber ihr wird auch bei ihrer Entgegen-dem-Uhrzeigersinn-Tour von Recife „zurück“ bis Humberto des Campos nichts geschenkt. Das Nordost-Ende Brasiliens hatte sie von Recife aus kommend nach ca. 390 km am 2.11.14 umrundet. Ab nun kamen Wind & Strom aus achterlicher bis raumer Richtung. Trotzdem muss sie jeden Kilometer Paddelschlag für Paddelschlag erkämpfen. Am 11.11.14 erreichte sie nach weiteren ca. 390 km Fortalezza, jenen Ort wo sie am liebsten ihre 3. Etappe rund Südamerika beendet hätte. Nun stehen ihr noch ca. 650 km bis Humberto des Campos bevor. Ob sie das durchhält? Ist doch ihr eigentliches Ziel Buenos Aires!

 

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Foto: „Gute“ Aussichten!? (Recife) (25.11)

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Foto: Am Strand von Praia de Carapibus (26.11.)

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Foto: Am Strand nahe Redonda (6.11)

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Foto: Am Strand von Barro Vermelho (9.11.)

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Foto: Fischer bei der Arbeit (Ponta do Mel) (5.11)

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Tourenstatistik

 

Start: Recife in Richtung NO zur Nordost-Ende Brasiliens bei seitlichem bis raumen Wind und leichtem Gegenstrom (ca. 391 km):

25.10.14: Tagesetappe: 40 km; Paddelzeit: 8.50-15.40 Uhr (Zeltübernachtung)

26.10.14: 45 km/Tag - 5.10-14.25 Uhr (Zeltübernachtung)

27.10.14: 55 km/Tag - 5.00-15.35 Uhr (Zeltübernachtung)

28.10.14: 40 km/Tag - 5.00-12.45 Uhr (Tiefseekenterung) (Zeltübernachtung)

29.10.14: 50 km/Tag – 4.50-15.10 Uhr (Startprobleme inkl. Kenterungen) (Zeltübernachtung)

30.10.14: Ruhetag (Zeltübernachtung)

31.10.14: 54 km/Tag – 4.45-14.50 Uhr (Anlanden in Natal) (Yachtclub/Zeltübernachtung)

01.11.14: 49 km/Tag – 4.55-13.35 Uhr (Zeltübernachtung)

02.11.14: 58 km/Tag – 5.00-14.15 Uhr (NO-Ende Brasiliens umrundet) (Zeltübernachtung)

 

Weiterfahrt in Richtung NW nach Fortalezza bei achterlichem bis raumen Wind/Strom ca. 391 km):

03.11.14: 63 km/Tag – 04.45 – 14.40 Uhr (Seegangsprobleme) (Zeltübernachtung)

04.11.14: 37 km/Tag / 04.45 – 11.25 Uhr (Zeltübernachtung)

05.11.14: 44 km/Tag / 04.40 – 12.40 Uhr (Zeltübernachtung)

06.11.14: 14 km/Tag / 05.00 – 07.30 Uhr (Zeltübernachtung)

07.11.14: 33 km/Tag / 04.50 – 11.14 Uhr (Zeltübernachtung)

08.11.14: 49 km/Tag / 05.05 – 13.25 Uhr (Zeltübernachtung)

09.11.14: 45 km/Tag / 06.55 – 14.30 Uhr (Startprobleme) (Zeltübernachtung)

10.11.14: 56 km/Tag / 05.00 – 14.45 Uhr(Zeltübernachtung)

11.11.14: 56 km/Tag / 04.50 – 13.55 Uhr (Anlanden in Fortalezza) (Yachtclub)

 

Weiterfahrt in Richtung NW nach Humberto des Campos (Sao Luis) (ca. 650 km):

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Typisch für ihren alltäglichen Paddeltag ist – abgesehen von ein paar Ausreißern - der frühe Start (zwischen 4.45 und 5.05 Uhr) und das frühe Anlanden (zwischen 11.14 und 14.30 Uhr). D.h. nun nicht, dass Freya eine „Frühaufsteherin“ ist (mit Sonnenaufgang derzeit: um 5 Uhr). Vielmehr muss sie ihre tägliche „Arbeitszeit“ so legen, dass die Gewässerbedingungen stimmen … und die stimmen in dieser Region meist nur, solange der „thermisch bedingte Seewind“ noch seine volle Kraft entfaltet hat (so ab Mittag). Außerdem kann meist nur während der „Ebbphase“, d.h. wenn das Wasser abläuft, gepaddelt werden. Spätestens 2 Stunden nach Niedrigwasser muss sie wieder Anlanden, und zwar weil mit auflaufendem Wasser der Seegang (Tidenhub ca. 2,40 m) immer mächtiger wird. Fällt dann in die „Flutphase“ auch noch der „Seewind“, ist der dabei entstehende steile & brechende Seegang nicht mehr über Stunden beherrschbar.

 

Problem Nr. 1: Starten durch die Brandung

 

Wie berichtet wurde, hatte Freya schon am 28. und 29.10.14 große Probleme, durch die Brandung hinaus aufs offene Meer zu starten. Was hier allein zählt, ist die richtige Auswahl des Startortes und das Timing:

 

1)    Wer gute Startbedingungen haben möchte, sollte nur an Stränden anlanden, die hinter vorgelagerten Landzungen (Landschutz) liegen; denn dort ist nicht nur mit Wind- sondern auch mit Wellenschutz zu rechnen, was sich als eine Garantie dafür erweisen kann, am nächsten Tag problemlos starten zu können.

2)    Zudem sollte zum Starten keine steilen Strände ausgesucht werden; denn je steiler ein Strand ist, desto stärker steilen die Wellen auf und desto höher können sie brechen. Besonders kritisch ist es, wenn sich vor einem Strand nur ein, zwei Brecher bilden können (sog. „Dumper“). Bei ihnen entlädt sich dann die ganze Wucht des anrollenden Seegangs, die sich sonst auf viele hintereinander einlaufende Brecher verteilt.

3)    Ideal sind solche Strandpartien, wo die Brecherzone außerhalb liegt, also nicht unmittelbar auf den Strand trifft, sondern ihm dank eines Riffs bzw. sonstigen Untiefen vorgelagert ist; denn dann ist es möglich, sich in Ruhe, d.h. unbehelligt von den Brechern, ins Seekajak zu setzen, um anschließend mit genügend Schwung durch die vor einem liegende Brandungszone zu paddeln.

4)    Gibt es trotz 1)-3) mit der Brandung Schwierigkeiten, sollte nur während der „Ebbphase“ gestartet werden, nicht aber während der „Flutphase“. Spätestens 2 Stunden vor Hochwasser rollen nämlich die Brecher mit solch einer Macht an, dass an ein Durchkommen ohne fremde Hilfe nicht immer möglich ist.

5)    Schließlich sollte dann durch die Brecherzone gepaddelt werden, wenn die Brecher nicht ganz so hoch einlaufen (=> nicht nur jede 7. Welle ist meist etwas höher, sondern auch jede 7. Welle ist meist etwas kleiner), wobei es ratsam ist, genau zu jenem Zeitpunkt durch einen Brecher zu paddeln, nachdem er sich aufgesteilt hat und gebrochen ist; denn ein auslaufender Brecher hat meist nicht mehr die Wucht, wie einer, der gerade bricht.

6)    Insbesondere wenn die Brecher den Strand hochspülen ist es hilfreich, wenn eine an Land stehende Personen „Starthilfe“ leisten kann

 

Der 9.11.14 war mal wieder für Freya ein besonders aufregender Tag:

 

http://freyahoffmeister.com/2014/11/09/sun-0911-2014-day-684/

 

Um 4.40 Uhr stand sie auf (Sonnenaufgang: 5.10 Uhr). Dann wurde alles eingepackt und ohne Frühstück gestartet. Es war kurz vor Hochwasser. Eigentlich noch zu früh, aber sie wollte es versuchen, um nicht mittags vom „Seewind“ vor sich hergetrieben zu werden.

 

Der tägliche „Nass-Start“:

 

 

klappte dieses Mal jedoch nicht auf Anhieb; denn die Brecher rollten recht gleichmäßig auf den Strand. Phasen, bei denen die Brecher weniger hoch angerollt kamen bzw. völlig „eingeschlafen“ waren, gab es – im Gegensatz zur Pazifik-Brandung - überhaupt nicht. Die Folge:

 

 

Text: Udo Beier