28.11.214 Freya Hoffmeister: Retour-Tour abgeschlossen (Geschichte)

 

Schlussendlich hat Freya Hoffmeister es doch noch geschafft!?

 

Foto: Selfie

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Erinnern wir uns. Am 20.10.14 war es soweit. Freya kehrte aus ihrem Heimaturlaub zurück und wollte ihre 4. und letzte (!?) Etappe rund Südamerika genau dort starten, wo sie am 27.04.14 ihre 3. Etappe beendet hatte, nämlich auf der Brandungsseite nahe Travosa (Humberto de Campos / Sao Louis / Nord-Ost-Küste Brasiliens). Von dort aus wollte sie über Fortalezza bis zum Nord-Ost-Ende Brasiliens und dann weiter über Natale nach Recife paddeln (ca. 1.400 km), bevor es dann endgültig Richtung Süd-West bis nach Buenos Aires (ca. 4.000 km) gehen sollte.

 

Aber die Gewässerbedingungen in der Nähe von Travosa waren so hart und die Windprognose so schlecht, dass sich Freya entschloss, auf dem Landweg, quasi „per Anhalter“, die Strecke bis Recife zurückzulegen. Ca. 1.400 Paddelkilometer hätten ihr jedoch dann gefehlt, um die Umrundung Südamerikas komplett zu machen. Freya nahm das anfangs in Kauf. Doch dann auf der Autofahrt ca. 1.000 km quer durchs Land hinüber nach Recife entschied sie sich dazu, diese Strecke doch noch zu paddeln, und zwar retour, also in umgekehrter Richtung …. dafür aber überwiegend mit dem Wind und mit der Strömung statt gegenan!

 

4. Etappe: 669. – 700. Fahrtentag

 

Gedacht, geplant, ausgeführt! Am 25.10.14 startete Freya in Recife, um nun den ca. 1.400 km langen Abschnitt entgegen dem Uhrzeigersinn zu runden:

 

 

Jetzt fehlten Freya nur noch ca. 130 km bis zu jenem Strandabschnitt nahe Travosa, wo sie ihre 3. Etappe beendet hatte. Aber es ging nichts mehr. Der Wind nahm zu und wehte beständig mit 6-7 Bft. (27 Knoten). Entsprechend schwierig wurden die vor Ort herrschenden Gewässerbedingungen.

 

Schüsselstelle

 

Schon am 24.11.14, ihrem 699. Fahrtentag, hatte sie auf der Strecke von Pedra do Sal bis zur Isla da Cabeca de Porco mit dem Wind – auch wenn er von achtern kam – und dem dazugehörigen Seegang zu kämpfen:

 

Freyas Blog: http://freyahoffmeister.com/2014/11/26/mon-2411-2014-day-699/

Kartenskizze: è GoogleEarth > Tutoia

 

Foto: Gewässerbedingungen vor Pedra do Sal

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Foto: Übernachtungsgelegenheit bei Pedra do Sal – schattig aber unromantisch

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Sie legte wohl innerhalb von 11 Std. 57,4 km zurück, aber diese zählten wohl zu ihren härtesten Kilometern. 3x kenterte sie. Das erste Mal geschah es noch draußen vor der Küste auf einer ca. 12 km langen Brandungspassage, als ein Kaventsmann sie umschiss. Aber die Rolle klappte sofort. Daraufhin suchte sie den Küstenstreifen auf in der Hoffnung, dass es möglich war, zwischen Strand und Brandungszone genügend tiefes Wasser zum Paddeln zu finden. Aber auch dort erwischten sie zwei „vagabundierende“ Brecher, also Brecher, die die davor liegenden Untiefen „überrollten“ und endgültig erst am Strand brachen. Beide Male kenterte sie, wurde ins Flache getrieben und musste aussteigen. Ab dann begann eine ca. 20 km lange Quälerei. Freya hangelte sich, mal paddelnd, mal treidelnd, mal über den Strand ziehend von einer Flachwasserstelle zur nächsten:

 

Foto: Lieber treideln statt stranden

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Die dicht rechts neben ihr hoch aufbäumenden und anschließend mit lautem Getöse brechenden Wellen machten ihr deutlich, dass das Vorankommen draußen in der Brandung nicht weniger qualvoll sein würde. Endlich nach ca. 36 km erreichte sie ein bei Niedrigwasser trockenfallendes Gebiet, bestehend aus über neun Mangroven-Inseln. Dort flüchtete sie ca. 23 km hinein und dort übernachtete sie auch … auf einer kleinen, nur wenig Quadratmeter großer Fläche, die vom Hochwasser gerade so verschont wurde.

 

Foto: Auf der Suche nach einer Zeltmöglichkeit -Mangroven bis über den Horizont hinaus

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Wie geht es nun weiter?

 

Freya verfügt über einen starken Willen und ihr „Ehrgeiz“ scheint schier grenzenlos zu sein. Aber Freya ist letztlich so vernünftig, dass sie – Ehrgeiz hin, Ehrgeiz her – nicht bereit ist, ihr Leben aufs Spiel zu setzen. Das hat sie bislang jeden Tag bewiesen …. denn sonst wäre sie schon längst Opfer ihres eigenen Ehrgeizes geworden. Gelegenheiten dafür gab es ja zuhauf! Bislang konnte sie aber stets die auf sie zukommenden Gefahren umpaddeln, aussitzen oder sonst wie austricksen. Vielfach war sie auch auf die Hilfe Dritter angewiesen, z.B. einheimische Fischersleute, die sie bei der Querung der pazifischen Brandungszone halfen, oder die Leute von der Coast Guard bzw. Navy, die ihr ab und an eine sichere Übernachtungsmöglichkeit boten. Dieses Mal ist es das erste Mal, dass Freya Gefahren nur entkommen kann, indem sie sie „umfährt“, also den Landweg nutzt. Die Folge: Am Ende ihrer Südamerikaumrundung werden ihr wohl ca. 130 km Küstenabschnitt fehlen.

 

Ist das weiter schlimm? Nun, ich sehe das als den Preis an, den Freya bereitwillig zahlt, weil sie vernünftig ist! …. oder ist sie nach:

 

 

einfach nur müde & ausgebrannt und will schlussendlich diesen von Sturm & Brandung geprägten Küstenabschnitt Brasiliens hinter sich lassen, um die nächsten und letzten 4.000 km bis nach Buenos Aires in Angriff zu nehmen?

 

Das ist verständlich, zumal Freya seit dem 15.03.13, als sie an ihrem 423. Fahrtentag erstmals nach Überwindung des Panama-Kanals ihr Seekajak in die karibische See einsetzte und seitdem fast nur noch gegen den Wind und gegen die Strömung paddelte, von der Schlusspassage entlang der Süd-Ost-Küste Brasiliens träumt; denn erst zwischen Recife und Buenos Aires kann sie wieder mit Wind & Strömung von achtern rechnen! Es ist zu hoffen, dass das Wetter ihr wohl gesonnen sein wird!

 

Windprognose: Süd-Ost-Küste Brasiliens (Recife – Rio de Janeiro

http://www.windfinder.com/weather-maps/forecast/#5/-15.835/-34.585

 

Text: Udo Beier

 

Weitere Fotos von Freya:

„Transportgemeinschaft“ (22.11.14)

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6009116721060493633/6086339849297153330?banner=pwa&pid=6086339849297153330&oid=112133179186774955122

 

„Privatquartier“ (22.11.14)

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6009116721060493633/6086340047990984818?banner=pwa&pid=6086340047990984818&oid=112133179186774955122

 

Wie auf den Seychellen? (23.11.14)

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6009116721060493633/6086340042400295650?banner=pwa&pid=6086340042400295650&oid=112133179186774955122