15.03.2015 Freya Hoffmeister: der Count Down läuft! (Geschichte)

 

Nach 807 endlosen Fahrtentagen rund Südamerika ist es endlich soweit: Freya Hoffmeister setzt ab Farol de Santa Marta (Brasilien) zum Endspurt an:

 

Foto: Freya unterwegs (1.2.15)

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Ganze 1.317 km trennen sie nur noch von Buenos Aires, dem Start/Ziel-Ort ihrer Umrundung von Südamerika. In 50 Fahrtentagen (Stand: 13.3.15) will sie auch diese ihre zweite Kontinentalumrundung erfolgreich zum Abschluss bringen. Der Count-Down läuft! D.h. am 2. Mai 2015 will sie dort anlanden, wo sie am 30. August 2011 gestartet ist. …. Und am 9.5.15 plant sie, wieder in Deutschland zu sein, um in Augsburg bei der Verleihung des „World Paddle Award 2015“ als Sportswoman des Jahres“ dabei zu sein; denn Freya Hoffmeister ist zusammen mit Jessica Fox und Lisa Carrington in die engere Auswahl gekommen:

 

World Paddle Award 2015:

http://freyahoffmeister.com/2015/02/02/2014-world-paddle-awards-finalists-announced/

 

Fast alles spricht dafür, dass Freya auch diese relativ „wenigen“ Kilometer in vorgegebener Zeit schaffen wird. Seit dem 3.12.14 paddelt sie ja nun schon entlang der Südostküste Brasiliens Richtung Buenos Aires. Insgesamt hat sie seit ihrem Start in Recife in 101 Fahrtentagen (davon 25 Ruhetage) 3.409 km zurückgelegt. Summa summarum hat sie in den 76 Tagen, während denen sie unterwegs war, Ø 44,8 km/Tag gepaddelt. Die ihr jetzt noch bis Buenos Aires fehlenden 1.317 km müsste sie folglich in 29 Tagen schaffen können. In Anbetracht dessen, dass sie durchschnittlich alle 4 Tage einen Ruhetag einlegt, wird sie aber neben den anzusetzenden 29 Paddeltagen noch zusätzlich mindestens 7 Ruhetage benötigen. Daraus folgt, dass – wenn nichts dazwischen kommt – Freya eigentlich schon in 36 Tagen – also am 18. April 2015 - in Buenos Aires anlanden müsste.

 

Entweder: endlos eintönige Sandstrandküstenpassage

 

Wenn nun Freya für diese letzte Passage 14 Tage länger ansetzt, hat das jedoch einen Grund: Ab Santa Marta verläuft nämlich der Küstenstreifen schnurstracks bis zum Horizont und viele Male weiter darüber hinaus. Insgesamt muss sie die nächsten ca. 760 km entlang eines nicht enden wollenden eintönigen Sandstrandes paddeln, der ihr keinen Schutz bieten kann, wenn meterhohe Dünung angerollt kommt und eine Brandungszone entstehen lässt, die mit einem mit Tourengepäck beladenen Seekajak nicht kontrolliert durchpaddelt werden kann.

 

Google Earth: Küstenpassage ab Santa Marta (ab 14.3.15)

https://www.google.com/maps/@-28.6425142,-49.032399,31551m/data=!3m1!1e3

 

Welche Gefahren von solch einer Dünung ausgehen können, kennt Freya zur Genüge. Fast die gesamte Pazifikküste Südamerikas (2012/13) entlang sowie die letzten 134 Fahrtentage (seit Okt. 2014) entlang der Nordost und Südostküste Brasiliens richtete sie ihre Tagesetappenplanung in erster Linie an den Brandungsbedingungen aus. Diese Brandungspassagen unterschieden sich jedoch wesentlich von denen, die nun Freya seit Santa Marta bevorstehen werden, dadurch, dass sich bislang tagtäglich stets einige kleinere Küstenbereiche anboten (z.B. vorgelagerte Riffe, Halbinseln, Kaps, Flussmündungen, Inseln), die beim Anlanden bzw. beim Starten am nächsten Tag nicht so sehr der Brandung ausgesetzt waren. Nach solch geschützten Stellen wird aber Freya auf den nächsten ca. 760 km vergeblich Ausschau halten.

 

Oder: abwechslungsreiche Binnenseepassagen

 

Nun übernachtete Freya schon 5 Nächte bei Einheimischen und wartete darauf, dass der Wind sich legt oder dreht, zumindest die Dünung nicht mehr an die Küste rollt, mit viel Macht gegen die am südlichsten gelegene Felsenküste von Brasilien donnert und sich dabei mit Gischtfahnen verabschiedet, die manchmal weit bis in die Stadt von Santa Marta wehen:

 

Foto: Kaventsmänner vor Santa Marta (11.3.15)

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Foto: Die Aussichten für die nächste ca. 760 km lange Strandpassage (11.3.15)

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Foto: Schutzpatronin aller Fischer …. und „Longdistanceseakayakerinnen (11.3.15)

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Aber Freya hat schon einen Plan, wie sie diese Brandungspassage meistern könnte; denn frühestens nach 60 km eintönigem Strandpaddeln kann sie u.U. über die Mündung des Rio Ararangua in lagunenartige Strandseen ausweichen, die dicht hinter der Küste liegen. Wenn das nicht klappen sollte, da die Verbindungen zwischen den Strandseen sich nicht als paddelbar erweisen, könnte Freya spätestens nach weiteren 240 km eintöniger Strandpaddelei auf den ca. 280 km langen Lago dos Patos überwechseln, ein großer See, der ebenfalls nur wenige Kilometer hinter der Küste liegt, bevor er schließlich ins Meer mündet. Und nur 40 km weiter südwestlich liegt der Grenzsee zu Uruguay, nämlich die ca. 190 km lange Laguna Merín. Wenn also die Dünung allzu mächtige Brecher Richtung Strand schickt, bietet sich folglich für Freya die Möglichkeit an, mindestens auf diese beiden Gewässer im Inland auszuweichen. Dafür müsste sie jedoch jemanden finden, der sie ca. 30 km über Land zum Lago transportiert und anschließend die 40 km zur Laguna, sowie nochmals ca. 25 km zurück von der Laguna an die Küste des Südatlantiks. Aber wie ich Freya kenne, wird sie sicherlich einen paddelbegeisterten Brasilianer überreden können, ihr diesen Gefallen zu tun, anderenfalls müsste sie einen Bootswagen auftreiben, um diese Landportagen zu Fuß zu überwinden. Vielleicht hat sie aber auch Glück und der Wind legt sich …. und die Dünung auch. Dann kann sie gemäß der Devise „Augen zu und durch“ einfach drauflos paddeln, denn ein hunderte von Kilometern langer Sandstrand, an den ein paar kleinere Brandungswellen plätschern, sieht zumindest von der Seeseite nicht sehr abwechslungsreich aus. Einzige Abwechslung bietet dann wohl nur noch der täglich wechselnde „wilde“ Campground:

 

Foto: Die kleinste „Halbinsel“ entlang der brasilianischen Südostküste (7.3.15)

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Foto: Wie auf Norderney … nur mit Bergen (8.3.15)

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6124937452866387761/6124718057785874402?banner=pwa&pid=6124718057785874402&oid=112133179186774955122

 

Übrigens, Freya hat in letzter Zeit schon Erfahrungen in Sachen Inlandspassagenpaddeln gemacht; denn vom 21. – 25.2.15 wich sie ebenfalls auf strandseeartige Gewässer bzw. gezeitenabhängige Flussniedrungen aus, nämlich auf den Mar Pequeno und den Ariri Canasseia. Insgesamt paddelte sie dabei 145 km mehr oder weniger parallel zur Küste. Freya genoss damals die Abwechslung, die ihr diese Binnengewässer mit Atlantikanschluss boten. Aber als sie sich danach erneut dem offene Meer näherte, da freute sie sich jedoch schon darauf, endlich wieder im Seegang Strecke paddeln zu dürfen.

 

Google Earth: Binnenlandpassage (21.-25.2.15)

https://www.google.com/maps/@-25.3183283,-48.2543126,126313m/data=!3m1!1e3

 

Foto: Binnenlandcamp Iguape mit Wasserlilien (22.2.15)

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6115316315554698945/6121222571400251106?banner=pwa&pid=6121222571400251106&oid=112133179186774955122

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6115316315554698945/6121221335222434098?banner=pwa&pid=6121221335222434098&oid=112133179186774955122

 

Foto: Auf der Binnenlandinsel Ilha Comprida (23.2.15)

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6103907712383027009/6110957379980668066?banner=pwa&pid=6110957379980668066&oid=112133179186774955122

 

Foto: Binnen-Stillleben (25.2.15)

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/6115316315554698945/6121227026076381890?banner=pwa&pid=6121227026076381890&oid=112133179186774955122

 

Link: http://freyahoffmeister.com/freyas-blog/

 

Text: Udo Beier