05.08.2003 Sehnenscheidenentzündung: 10 Punkte (Gesundheit)

Beim Kanusport ist das Handgelenk mit Sehnen und Unterarmmuskulatur nach der Schulter die meistbeanspruchte Region. Durch Drehen und Halten des Paddels wird insbesondere die Drehhand stark belastet.
Insbesondere Sehnenscheidenentzündungen zählen zu jenen Verletzungen, die immer wieder bei längeren Küstenkanuwanderungen auftreten.
Folgendes dürfte dabei Relevanz besitzen:

Ursachen:

Für Sehnenscheidenentzündungen ist in der Regel ein ganzes Ursachenbündel verantwortlich: kalte Witterung, schlechte Gewässerbedingungen, verkrampfter Paddelstil, schlechte Paddeltechnik; fehlende Paddelpraxis, falsches Paddel (zu schwer; zu dicker und runder, statt ovaler Schaft, zu starke Drehung), falsche Handkälteschutz (Neoprenhandschuhe statt Paddelpfötchen), fehlende Erholungsphasen, Winterpause.

Auslöser ist aber auch häufig Paddeln bei anhaltend schwierigen Gewässerbedingungen (hier: kaltes Wasser, kalte Luft, böiger Wind, kabbeliger Seegang) bzw. lang andauernden Tour mit relativ hohem Tempo, d.h. wenn alle Aufmerksamkeit dem Mithalten mit der Fahrtengruppe gewidmet wird und nicht der eigenen Paddelführung.

Krankheitsbild:

Bei stark ausgeprägtem Krankheitsbild verspürt die aufgelegte Hand ein Reiben & Knarren.

Abhilfe:

In der Zugphase soll der Schaft in den Fingergliedern, in der Druckphase in den Schwielen der Hand liegen. Niemals greift die Hand mit der ganzen Handfläche zu. Das führt zu Verkrampfungen und provoziert Fehlstellung im Handgelenk und erhöht damit die Gefahr der Überlastungen.

Erreicht werden kann das durch Paddelpfötchen bzw. (abgeschnittene) Neo-Ärmel, nicht jedoch durch z.B. dickere Handschuhe, da es durch den Widerstand des Materials zu einer zusätzlichen Beanspruchung der Unterarme führen kann.

Es sind also immer wieder Pausen einzulegen, in denen man nicht nur trinken, sondern auch seine Arme und Handgelenke lockern sollte. Das gilt insbesondere immer dann, wenn z.B. Ellenbogen, Unterarm bzw. Handgelenk anfangen, etwas zu schmerzen.

Außerdem sollte man stereotype Bewegungsabläufe vermeiden, d.h. des Öfteren unterwegs seinen Paddelstil ändern, d.h. mal etwas steiler, mal etwas flacher und immer wieder ganz bewusst mit stark geöffneter Druckhand paddeln.

Notfalls ist auch auf ein ganz anderes Paddel umzusteigen (z.B. anders gedreht, nicht gedreht, mit Knick-Schaft).

Bandagen und sogar Ruhigstellung/Schonung beugen einer weiteren Beanspruchung vor.

Weiteres Paddeln kann nur eine wesentlich längere Ausfallzeit bescheren.

Wer empfänglich für Sehnenscheidenentzündung ist, sollte seinen Paddelstil durch einen Trainer analysieren lassen.

Gegebenenfalls sollte man sich von seinem Arzt beraten lassen, ob es empfehlenswert ist, entzündungshemmende Medikamente (sog. Antiphlogistika, wie z.B. Acetylsalicylsäure, Diclofenac) einzunehmen.

Quellen:

A.Bauer/S.Schulte: Handbuch für Kanusport. Training und Freizeit (2003), S.86ff.,S.199ff.

M.Kohlfahl (Hrsg.): Medizin auf See. Erste Hilfe - Weitere Behandlung - Diagnose (1995), S.265.

B.Petracic/H.Böttcher: Kanusport. Medizinische Grundlagen, Belastungen und Verletzungen (2001), S.67ff.

A.Rosenberg/St.Schröder: Sportverletzungen - richtig erkennen - gezielt handeln - aktiv vorbeugen (Broschüre 1993).