03.01.2003 Wind-, Water- & Wetchill (Gesundheit)

 

Was „Windchill“ ist, dürfte eigentlich jedem Küstenkanuwanderer bekannt sein, nämlich die Verstärkung der Kältewirkung durch Wind. Das hat zur Folge, dass z.B. bei 5 Bft. Wind eine Lufttemperatur von +10° C wie 0° C empfunden wird.

 

Was „Waterchill“ bedeutet, kann man sich dann auch vorstellen, nämlich der Auskühlungseffekt des Wassers beim Eintauchen bzw. Schwimmen. Aus diesem Grund soll +27° C warmes Wasser denselben Wärmeverlust verursachen wie – Windstille vorausgesetzt - +6° C kalte Luft. Erst Wassertemperaturen von über +32° C sollen unproblematisch sein, da die Wärmeproduktion des Körpers den Wärmeverlust ausgleichen kann. Und Wassertemperaturen von unter +25° C sollen jenen Temperaturbereich darstellen, ab dem es langfristig kritisch werden kann.

 

Ein Mensch soll im Wasser unter gleichen Temperaturbedingungen 25x schneller auskühlen, bei Wind 10x schneller und – so der Sportmediziner W.Vogt lt. Hamburger Abendblatt v. 3.1.04 - bei feuchter, nasser Bekleidung 14x schneller (sog. „Wetchill“).

 

Deshalb ist es wichtig, dass man sich unterwegs nicht nur gegen Wind, sondern auch gegen Feuchtigkeit und im Notfall auch gegen Wasser schützt. Während des Paddelns reicht es aus diesem Grund nicht aus, wenn man nur eine einfache Regenjacke, d.h. eine wind-, wasser- und luftdichte Jacke trägt. Sie schützt einem wohl vor dem Wind & Regen, aber kann nicht die durch Schwitzen verursachte feuchte Luft nach außen ableiten, sodass die Innenbekleidung allmählich immer feuchter wird.

 

Es sollte sich daher schon um eine Jacke aus atmungsaktivem Material handeln. Je atmungsaktiver das Material ist, desto langsamer wird die Innenbekleidung feucht. Ganz trocken bleibt man jedoch auch nicht in solchen „High-Tech“-Jacken; denn sie können nur die Feuchtigkeit abtransportieren, die beim „Wärmestau“ entsteht, nicht jedoch jene, die bei intensiver körperlicher Anstrengung als flüssiger Schweiß anfällt. Außerdem fangen solche Jacken erst dann an zu funktionieren, wenn eine entsprechende Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außentemperatur vorliegt, die laut Medienberichten mindestens ca. 20° C betragen sollen. D.h. bei einer Körpertemperatur von +37° C sollte es draußen nicht wärmer als +17° C sein.

 

Feuchte Innenbekleidung lässt sich folglich bei sportlicher Betätigung nicht ganz vermeiden. Trägt man jedoch sog. „Funktionsunterwäsche“, hat man gegebenenfalls aber die Chance, dass man von der Feuchte kaum noch etwas mitbekommt, da diese im Gegensatz z.B. zu Baumwollunterbekleidung weitgehend an die darüber liegenden Bekleidungsschichten abgeleitet wird. Solche Funktionsunterwäsche hätte dabei noch den angenehmen Vorteil, dass sie relativ schnell trocknet. Eine Mittagspause bei Sonne und leichtem Wind kann da schon zum Trocknen reichen.

 

Die Bekleidung kann aber nicht nur durch Regen & Spritzwasser sowie Schweiß feucht werden, sondern auch dadurch, dass man mit den Arm oder Körper kurzseitig ins Wasser eintaucht. Die Innenbekleidung sorgt dann dafür, dass das Wasser immer weiter ins Innere vordringt. Echte Paddeljacken, die mit straffe Arm- und Halsmanschetten ausgerüstet sind, können einen solchen Wassereinbruch erschweren. Neopren-Bündchen sind dabei recht leistungsfähig und sehr robust. Latexmanschetten sind am wirksamsten, wenn auch die Abdichtung an den Handgelenken wegen der beim Paddeln immer wieder hervorstehenden Sehnen nicht 100%ig funktioniert. Außerdem ist das Latexmaterial etwas empfindlich, sodass die Manschetten auch bei entsprechender Pflege mit Talkumpuder alle 2-3 Jahre ausgetauscht werden muss, da sie allmählich verspröden und rissig werden.

 

Übrigens, die Verhinderung des Wassereinbruchs über den Spritzdeckenschacht – z.B. wenn eine Welle das Seekajak überspült und einen kurzzeitig bis zum Hals unter Wasser setzt – erfordert zumindest eine Paddeljacke mit einem Taillenabschluss aus Latex in Verbindung mit einer Neoprenspritzdecke. Ein solche Jacke – sofern sie zusätzlich über Arm- und Halsmanschetten aus Latex verfügt – schützt einem auch vor Nässe bei einer Kenterung, sofern … man anschließend nicht aussteigen muss, sondern hoch rollen kann.

 

Muss man jedoch nach einer Kenterung aussteigen, stellt ein atmungsaktiver Trockenanzug mit Latexfüßlingen und entsprechend dicker Unterbekleidung den effizientesten Schutz gegen kaltes Wasser dar. Er erhöht die Überlebenschancen um fast das 7-fache, während ein ca. 4,8 mm dicker Neo nur etwa das 3,8-fache schafft.

 

Weiteren Schutz gegen Wind, Feuchtigkeit und Wasser liefert entsprechende Kopfbekleidung (z.B. Mütze, Südwester, Neokopfhaube), Handbekleidung (z.B. Handschuhe, Paddelpfötchen) und teilweise auch Fußbekleidung (z.B. Neo-Schuhe, wasserdichte Socken).

 

Text: Udo Beier

 

Link: Großgewässer-Gefahr Nr. 1: Unterkühlung:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Gefahr-Unterkühlung.pdf

Link: Trockenanzüge - Kauf-, Trage- und Pflegeempfehlungen:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Trockenanzug.pdf