25.04.2007 12 Schritte zur Reanimation (Gesundheit)

 

In KANU MAGAZIN stellt Dr. med. Horst Hohn in dem Beitrag:

 

„Retten + Reloaded – Neue Reanimationsrichtlinien“

 

insgesamt 12 Schritte der Reanimation von im Wasser verunglückten Personen vor:

 

  1. Rettung organisieren:

Der Verunglückte ist an Land zu bringen und sein Zustand ist festzustellen.

Er wird gelagert (trocken, gerade und auf dem Rücken).

Danach ist notfalls die „Rettungskette“ zu initiieren (z.B. Notruf per Handy bzw. Boten).

Eigenschutz hat Vorrang!

Die Bergung des Materials steht an letzter Stelle.

 

  1. Bewusstsein vorhanden? Situationsgerecht helfen:

Der Verunglückte ist anzusprechen: „Hallo! Kannst du mich hören?“

Durch vorsichtiges Rütteln an der Schulter wird notfalls sein Bewusstsein überprüft.

Der Verunglückte ist möglichst wenig zu bewegen, insbesondere bei Unterkühlung können bei zu viel Bewegung zusätzliche Kreislaufprobleme entstehen (sog. „Bergetod“).

Die weitere Auskühlung des Verunglückten ist zu verhindern (hier: Windschutz, Rettungsdecke).

Nach Verletzungen forschen (wenn möglich durch Befragung).

Ist eine Person abkömmlich, hat diese die „Rettungskette“ in Gang zu setzen.

 

  1. Bewusstsein nicht vorhanden? Um Hilfe rufen:

Sind nur 2 Helfer vor Ort, gibt es Probleme mit dem Notruf; denn u.U. werden am Unglücksort beide benötigt.

Sind vor Ort mehrere Helfer, bietet es sich an, dass einer die Leitung der Rettungsaktion übernimmt.

„Je nach Kompetenz und Absprache kann die Leitung natürlich im Laufe der Rettung wechseln, aber sie sollte klar sein und respektiert werden.“

 

  1. Atemwege frei machen:

Vorsichtiges Neigen des Kopfes nach hinten und gleichzeitiges Anheben und Vorziehen des Kinns.

Sichtbare Fremdkörper werden entfernt (z.B. Gebiss).

Eine ausführliche Begutachtung des Mundraumes ist unnötig.

Wasser aus den Atemwegen darf nicht entfernt werden (z.B. durch Umdrehen und „Ausleeren“).

 

  1. Atemkontrolle ja, Pulskontrolle nein:

Max. 10 Sekunden Atemkontrolle durch Fühlen, Sehen und Hören (z.B. Atemgeräusche, Heben/Senken des Brustkorbs, Luftstrom).

Die früher übliche Pulskontrolle entfällt, da zu zeitaufwändig und fehlerhaft.

 

  1. Notruf absetzen:

Spätestens jetzt ist der Notruf abzusetzen.

Ein nicht-atmender Verunglückter darf jedoch nicht allein gelassen werden.

Bei fehlendem Handyempfang ist auf eine Erhebung zu laufen (z.B. Berg, Düne).

Befinden wir uns an Land, sollte die Tel.-Nr. 112 gewählt werden.

Hinweis: Befinden wir uns in Deutschland auf dem Meer, wählen wir die Tel.-Nr. 124124 (Seenotleitung MRCC Bremen). Notfalls können wir im Ausland auf dem Meer auch über Tel.-Nr. 0049(0)421-536870 die deutsche Seenotleitstelle erreichen, die dann den Notruf weiterleiten wird.

 

  1. Atmung okay, aber bewusstlos? Stabile Seitenlage herstellen!

In die stabile Seitenlage drehen, damit die Atemwege freigehalten werden und Erbrochenes, Blut etc ablaufen kann.

 

  1. Nicht ansprechbar, keine normale Atmung vorhanden? Reanimation!

Beginn der „Herz-Lungen-Wiederbelebung“ („Cardio-Pulmonale Reanimation“ (CPR).

Die Herzdruckmassage wird dabei höher gewichtet als die Atemspende.

 

  1. Entfernen der Schwimmweste:

In keinem Fall darf versucht werden, die Weste im Ganzen abzustreifen, da die Verletzungsgefahr zu groß ist. D.h. die Schwimmweste ist mit Hilfe eines Messers an den Flanken und Schultern aufzutrennen.

 

  1. Die Atemspende:

Damit die Atemwege frei sind: Kopf nach hinten neigen, Kinn nach hinten vorne anheben.

2x für 1 Sekunde Atemspende geben, und zwar so, dass der Brustkorb des Verunglückten sich sichtbar hebt. Dann 1 Sekunde warten, bevor mit der 2. Atemspende begonnen wird.

Empfohlen wird eine Mund-zu-Mund-Beatmung.

Eine Atemmaske erleichtert die Beatmung, was jedoch vorher zu üben ist.

Sollte eine Beatmung nicht möglich sein, ist die Herzdruckmassage alleine auszuführen (denn das Blut verfügt über einen großen Sauerstoffvorrat).

 

  1. Aufsuchen des Druckpunktes:

Der Ballen einer Hand wird in die Mitte des Brustkorbs platziert, der Ballen der anderen Hand wird auf die Druckhand gelegt und los geht’s.

 

  1. Gut Druck!

Die Arme liegen senkrecht über dem Druckpunkt und sind gestreckt.

Die Bewegung kommt aus Hüfte (und Oberkörper).

Die Finger der Druckhand sind abzuspreizen, damit sie nicht abrutscht.

Das Verhältnis von „Drücken“ und „Beatmen“ beträgt 30 zu 2, unabhängig davon ob CPR allein oder zu zweit durchgeführt wird.

Und zwar sollte in 18 Sekunden 30x gedrückt werden.

Bei der „Zweihelfer-Methode“ sollte die letzten 10x Drücken laut mitgezählt werden, damit der 2. Helfer seinen Atemeinsatz nicht verpasst:

„Beim letzten Druck muss die Beatmung so einsetzen, dass die Einblasphase in die Entlastung des Brustkorbs fällt und umgekehrt.“

 

Der 4-seitige Beitrag ist anschaulich geschrieben, reichhaltig bebildert und gibt den neuesten Stand wieder, der Ende 2005 von der „European Resuscitation Council“ (ERC) verabschiedet wurde. Er sollte zur Pflichtlektüre einer jeden Fahrtenleitung gehören.

 

Als Extra bietet KANU MAGAZIN in Kooperation mit dem Schwimmwestenhersteller Langer eine „Notfallkarte“ an, in der über ein Ablaufdiagramm erläutert wird, wie beim Ertrinkungsfall vorzugehen ist. Es empfiehlt sich, diese „Notfallkarte“ wasserdicht zu einzulaminieren (z.B. beim Copyshop) und aufs Kartendeck seines Kajaks zu kleben.

 

Quelle: KANU MAGAZIN, Nr. 3/07, S.74-77 – www.kanumagazin.de

Bezug der Notfallkarte: Anfordern mit 55 Cent frankiertem Brief-Rückumschlag bei:

KANU-Redaktion, Mittlerer Lech 44, 86150 Augsburg

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/CPR.pdf bzw. www.erc.edu