09.01.2014 Kaltwasserprobleme (Gesundheit)

 

„SPIEGEL TV WISSEN“ hat die folgende 50-minütige Dokumentation produziert:

 

„Körper am Limit E01: Tiefe“

è http://www.youtube.com/watch?v=pMOPSWjydoE

 

Zwischen den Sendeminuten 5:20 und 10:30 Min. wird der Einfluss kalten Wassers auf die Atmung einer leicht bekleideten Person demonstriert.

 

Bei einer Wassertemperatur von +12° C wird eine schlanke, männliche Testperson, die auf einem Stuhl sitzt, langsam, aber zügig bis zum Hals ins Wasser gelassen. Ihr Ruhepuls von 50 Schläge/Minute steigt wohl vor lauter Aufregung – kurz bevor sie ins Wasser getaucht wird – auf 100 Schläge/Minute an, danach aber – nachdem das Wasser bis zum Hals reicht – auf 140 Schläge/Minute. Das ist ein Anzeichen dafür, dass der Körper einen erhöhten Sauerstoffbedarf hat, der bei der Testperson dazu führt, dass er die Anweisung, ab dem Eintauchen ins Wasser die Luft anzuhalten, nur 12 Sekunden lang befolgen kann. Anschließend setzt eine unkontrollierte Atmung ein mit 4-5 Liter Luft je Atemzug. Befände sich die Testperson unter Wasser, würde sie entsprechend viel Liter Wasser einatmen, wobei anzumerken ist, dass das Einatmen schon von 1,5 Liter Wasser tödlich wirkt.

 

Bei der Besprechung dieser Testergebnisse wird angemerkt, dass leicht bekleidete Personen bei solchen Testbedingungen durchschnittlich nur 6 Sekunden die Luft anhalten können. Übrigens, eine britische Untersuchung von 1994 kam zu ähnlichen Ergebnissen. Damals wurde ein Leistungsschwimmer (olympische Silbermedaille), bekleidet nur mit Badehose, gebeten, beim Eintauchen ins +10° C kalte Wasser die Luft anzuhalten. Er schaffte es 10 Sekunden lang!

 

Für uns Kanuten bedeutet diese Erkenntnisse, dass wir nach einer Kenterung ins kalte Wasser sofort unter Atemnot leiden, quasi uns in der 50. Sekunde befinden, wenn wir es sonst schaffen, 60 Sekunden die Luft anzuhalten. Diese Zeit reicht ungünstigstenfalls gerade noch aus, die Spritzdecke kontrolliert zu öffnen und auszusteigen. Günstigenfalls schaffen wir es u.U., einen Rollversuch zu starten, der uns jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit misslingt, da wird die Rolle zu unkonzentriert und folglich fehlerhaft ausführen. Nach kurzer Zeit endet jedoch dieser Zeitraum äußerster Erregung. Dann haben wir uns an das kalte Wasser gewöhnt und wir können wieder kontrollierter Atmen bzw. die Luft anhalten!

 

Diese Situation ist in der Praxis jedoch noch negativer zu beurteilen:

 

 

Als positiv ist jedoch anzusehen:

 

 

Neben dieser Richtgröße, dass wir ohne entsprechenden Kälteschutz nach einer Kenterung bei +10° C Wassertemperatur

 

 

gibt es noch zwei weitere Richtgrößen zum Problemkreis „Nutzzeit“ und „Überlebenszeit“, nämlich:

 

Wer ohne entsprechenden Kälteschutz bei + 10° C Wassertemperatur kentert:

 

 

Text: Udo Beier

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Gefahr-Unterkuehlung.pdf