02.12.2001 Kegelrobbe (Natur)

Sie werfen zwar, doch sie kegeln nicht! Ihren Namen hat die Kegelrobbe wegen ihres langen, kegelförmigen Kopfes bekommen, der ihr im englischen auch den Namen "horsehead" einbrachte. In den meisten anderen Ländern heißt sie "Graue Robbe", obwohl sie durchaus ein geflecktes Fell hat. Die Männchen sind dunkel mit hellen Flecken, die Weibchen hell mit dunklen Flecken.

Im Wattenmeer gibt es derzeit zwei kleine Kolonien der Kegelrobbe, eine auf den Sänden zwischen Vlieland und Terschelling, eine andere zwischen Sylt und Amrum. Einzelexemplare werden auch anderswo angetroffen, doch Jungtiere kommen nur an diesen beiden Orten zur Welt. In britischen, isländischen und neufundländischen Gewässern ist die Art noch häufig, während die Ostseepopulation infolge der hohen Belastung mit Chlorkohlenwasserstoffen auf unter 1 % der Ursprungszahl zusammengebrochen und vom Aussterben bedroht ist.

In steinzeitlichen Abfällen sind in Nordfriesland viele Knochen der Kegelrobbe gefunden worden, sodass zu vermuten ist, dass die Art ehemals so häufig wie der Seehund war.

Wie lebt die Kegelrobbe? Wie die meisten Robben lebt die Art überwiegend von Fischen. Sie benötigt etwa 10 kg Nahrung täglich. Kegelrobben können bis zu 20 Minuten lang und bis zu 140 Meter tief tauchen. Bei Niedrigwasser rasten die Tiere auf Sandbänken oder Felsen, bei Hochwasser gehen sie auf die Jagd.

Die Paarung erfolgt kurz nach der Wurfsaison. Nach einer 11monatigen Tragzeit werden die Jungen ab Dezember an absolut ungestörten, möglichst hochwassersicheren Plätzen geboren. Das Fehlen derartiger Wurfplätze dürfte der Hauptgrund für die Seltenheit der Art im Wattenmeer sein. Die weiß bepelzten Jungen liegen stundenlang alleine am Strand, ehe das Muttertier zum Säugen zurückkehrt. Nach 4-6 Wochen werden die Jungen entwöhnt, bekommen ein dunkles Fell und werden selbständig.

Hätten Sie gedacht, dass ...

... männliche Kegelrobben bis zu 2,5 m lang und 320 kg schwer werden können?

... die Robbenmilch etwa 50 % Fett enthält, sodass die Jungen pro Tag bis zu 1,8 kg zunehmen?

... das flauschig weiche "Lanugofell" der Jungen bei vielen Robbenarten vorkommt und möglicherweise als Tarnung auf dem Packeis dient?

... Kegelrobben mit etwa 5 Jahren geschlechtsreif werden und ca. 30 Jahre leben? Sie haben kaum Feinde außer dem Menschen.

... es auf einsamen Felsinseln Schottlands große Robbenkolonien gibt, in den manche Jungtiere bis zu 80 m hoch über dem Meeresspiegel liegen?

... die Jungtiere während der Säugezeit hauptsächlich in die Breite wachsen, weil sie eine wärmende Fettschicht brauchen, die zugleich eine Reserve ist, bis sie erfolgreich Fische fangen können?

... kurzzeitige Strandsperrungen rund um rastende Jungtiere sich als geeignetes Schutzinstrument erwiesen haben, um den alljährlich 6 - 12 jungen Kegelrobben Nordfrieslands eine halbwegs friedvolle Kindheit zu sichern?

... sich ein Jungtier vor dem Orkan Anatol im Dezember 1999 auf den Wittdüner Fähranleger (Amrum) rettete und dort täglich, über drei Wochen lang, auf den Hafenanlagen vom Muttertier gesäugt wurde?

Text: Dipl.-Biol. Rainer Borcherding, Norderstr. 1, 25813 Husum (Tel. 04841/87919)

Quelle: WATTREPORT AKTUELL, Nr. 01/98 u. 04/00

www.schutzstation-wattenmeer.de