24.02.2002 Fingertang (Natur)

An der Wattenmeerküste wachsen die großen Tange nicht, die man jetzt im Winter mitunter angespült am Strand findet. Sie stammen aus dem Helgoländer Felswatt oder von den Küsten Englands und Frankreichs, wo sie festen Untergrund finden, auf dem sie sich mit ihren Haftkrallen festhalten können.

Eine häufige Art ist der bis 2 m lange Fingertang. Er besteht aus einer wurzelartigen Haftkralle, einem meist 10 cm langen Stiel und einem bis zu 50 cm breiten Blatt, das fingerförmig in Längsrichtung geschlitzt ist. Das Blatt, das den Großteil des Algenkörpers (Thallus) bildet, hat mit dem Blatt der Landpflanzen wenig gemeinsam. Es wächst im Spätwinter aus dem Stiel hervor und wird im Lauf des Sommers von den Wellen in lange Streifen zerschlitzt.

Von dem ähnlichen Palmtang unterscheidet der Fingertang sich in der Form des Stieles: Beim Palmtang ist er lang, rau, fest und im Querschnitt rund, beim Fingertang ist er kurz, glatt, biegsam und imQuerschnitt oval.

Wo ist der Fingertang zu finden?

Das Verbreitungsgebiet reicht im Norden von Kanada und Grönland bis Spitzbergen, im Süden von den Kanaren bis in die westliche Ostsee. Der Fingertang wächst bestandsbildend knapp unterhalb der Gezeitenzone, wo er noch viel Licht bekommt, aber allenfalls kurz trockenfällt. Seine Unterwasserwälder sind ein artenreicher Lebensraum und wichtig für Jungfische.

Die Fortpflanzung erfolgt wie bei anderen Braunalgen über einen Generationswechsel: der große Tang bildet ungeschlechtliche Schwärmerzellen, die sich festsetzen und zu unscheinbaren Zellfäden heranwachsen. Diese sind getrenntgeschlechtlich, bilden Keimzellen, und aus diesen wächst neuer Tang hervor. Ein Schleimüberzeug schützt die ganze Alge vor mechanischen Schäden durch Wellen und vor Bewuchs durch andere Algen oder Kleintiere.

Hätten Sie gedacht, dass ...

... der wissenschaftliche Name "Laminaria digitata" übersetzt einfach "gefingertes Blatt" bedeutet?

... der asiatische Fingertang "Haidai" in China wohl schon 2.700 v. Chr. gegessen wurde? Heute produziert und verspest China 2,5 Mio. Tonnen jährlich.

... der Jodgehalt des Tanges gegen Schilddrüsenerkrankungen schützt?

... in Japan der dort "Kombu" genannte Tang in Suppen, Salaten und Tees Verwendung findet und süß, salzig oder geröstet gegessen wird?

... in Großbritannien und Irland jahrhundertelang der angespülte Tang auf unwirtliche Felsinseln geschleppt wurde, um dort Ackerland zu erzeugen?

... ab etwa 1700 in Irland und Schottland aus verbranntem Tang Soda zur Erzeugung von Seife und für die Glasherstellung gewonnen wurde?

... bei der Verbrennung des Tangs - z.B. 400.000 t in Schottland im jahr 1800 - so manches Torfmoor als Brennstoff verheizt wurde?

... Alginate aus dem Fingertang in Wandfarben als Stabilisator, in Lebensmitteln als Emulgator und in Filmen als Trägersubstanz verwendet werden?

Text: Dipl.-Biol. Rainer Borcherding, Husum

Quelle: WATTREPORT, Nr. 02/02 - www.schutzstation-wattenmeer.de

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