22.03.2002 Silbermöwe (Larus argentatus) (Natur)

Die silbrige Färbung der Flügeldecken hat dieser auffälligen Möwe zu ihrem Namen verholfen. Wohl jeder Nordseebesucher kennt diese Großmöwe mit dem kräftigen gelben Schnabel, den gelben Raubvogelaugen und den rosa Füßen. Ihre Schwingenspitzen sind schwarz mit weißen Flecken; die auf dem Rücken sichtbaren Deckfedern der Hand -und Armschwingen sind hellgrau, und der ganze Rest des Gefieders ist strahlend weiß.

Silbermöwen sind ganzjährig an der Küste anzutreffen, wobei ihre Zahlen jetzt im März nach dem ,,Winterloch" wieder beginnen anzusteigen. Ein internationales Winterquartier für Silbermöwen sind die Müllkippen der deutschen Großstädte. Hier wurden schon beringte Exemplare aus Spanien, Schweden, Russland und der Ukraine entdeckt!

Silbermöwen werden erst mit 4 Jahren geschlechtsreif und tragen bis dahin ein grau-braun geflecktes Jugendkleid, wobei die Jungen so groß sind wie Altvögel. Die Unterscheidung junger Silbermöwen von anderen jungen Großmöwen gelingt nur Fachleuten.

Wie lebt die Silbermöwe?

Die Art ist von Nordnorwegen bis Nordspanien an den Küsten verbreitet und häufig. Als Multitalent können die Vögel sich auf See von Fischabfällen, im Wattenmeer von Krabben oder Muscheln, in Küstenorten von Keksen und landeinwärts auf Müllkippen ernähren. Die Art folgt besonders häufig Krabbenkuttern und schnappt den über Bord gegebenen Beifang.

Silbermöwen brüten kolonieweise in Dünen, vor allem in West- und Ostfriesland, wo 80 % der 80.000 Paare umfassenden Wattenmeerpopulation nisten. Der Bestand ist seit einigen Jahren etwas rückläufig, weil die konkurrenzstärkere Heringsmöwe zunimmt.

Silbermöwen sind recht brutplatztreu und können über 30 Jahre alt werden. Die Partner erkennen sich am Ruf, selbst im Gekreisch einer 10.000 Brutpaare umfassenden Kolonie!

Hätten Sie gedacht, dass...

... die Silbermöwe im Englischen ,,Heringsmöwe" heißt, während unsere Heringsmöwe dort ,,Kleinere Schwarzrückenmöwe" genannt wird?

... im Herbst 330.000 Silbermöwen im Watt rasten?

... der rote Fleck am Schnabel ein ,,Futterknopf" für die Küken ist, bei dessen Berührung die Altvögel mitgebrachtes Futter aus dem Kropf auswürgen?

... es in den 70er Jahren viele erfolglose Versuche gab, die Silbermöwenkolonien durch Störung der Brut zu dezimieren, weil man andere Seevögel vor Kükenraub durch die Möwen schützen wollte?

... der Eier- und Kükenraub bei dieser Art nicht nur andere Seevögel trifft, sondern gerade innerartlich in den Kolonien die Vermehrungsrate senkt?

... Silbermöweneier früher oft gegessen wurden, dann als salmonellenverseucht galten und heute nicht mehr gesammelt werden dürfen?

... der dänische Ornithologe Edde Fritze um 1970 Möwen beringte, indem er sich in Müllsäcke kleidete, sich mit einer Tüte Brot auf eine Müllkippe setzte und dann in einer Wolke zankender Möwen ein Tier nach dem anderen ergriff und beringte?

Text: Rainer Borcherding

Quelle: WATTREPORT, Nr. 03/02 - www.schutzstation-wattenmeer.de

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