28.03.2002 Sandregenpfeifer (Natur)

Irgendwo im Dünensand oder auf einer Kiesfläche kann man jetzt im Frühjahr einen kleinen grau-weißen Vogel aufscheuchen, der erst bei Betrachtung mit dem Fernglas seine hübsche Färbung erkennen lässt.

Der Sandregenpfeifer trägt über Stirn und Augen sowie rund um den Hals je einen schwarzen Ring mit weißem Zwischenfeld. Der Schnabel ist leuchtend gelb mit schwarzer Spitze, und auch die Beine sind gelb-orange. Damit unterscheidet die Art sich vom Flussregenpfeifer des Binnenlandes, bei dem der Schnabel schwarz ist und das Auge einen gelben Hautring trägt. Sandregenpfeifer fallen in der Balzzeit durch ihre Reviermarkierungsflüge auf. Mit einem auf- und abschwellenden sehr melodischen Flöten fliegen sie - oft paarweise - in weiten Bögen flach über ihrem Brutrevier umher. Außerhalb der Balz sind sie nur schwer zu entdecken, weil sie nur kurze Strecken trippeln und dann unbeweglich stehen bleiben. Trotzdem begegnet man der Art recht regelmäßig, da sie gefährlich oft auf Freiflächen brütet, wo Menschen gehen oder fahren.

Wie lebt der Sandregenpfeifer?

Im Wattenmeer sind mehrere Teilpopulationen dieser von Ostkanada bis Nordsibirien verbreiteten Art anzutreffen. Etwa 1400 Paare brüten auf vegetationsfreien Kies- und Sandflächen der Wattküste. Diese Vögel sind von März bis September anwesend und überwintern dann in Südwesteuropa und Marokko. Die Brutvögel aus Skandinavien, Island und vereinzelt aus Kanada ziehen im April durch und kehren im August zurück. Gleiches gilt für die sibirische Unterart "tundrae", die etwas zierlicher als die europäischen Vögel ist und den Winter in Westafrika verbringt. Die Nahrung der Vögel sind Kleintiere aller Art. Das Nest ist keines, denn die Eier liegen auf kahlem Sand oder Kies. Bei nahender Gefahr "verleiten" die Altvögel, indem sie theatralisch einen Flügelbruch vortäuschen und kläglich flatternd den Feind vom Nest weglocken.

Hätten Sie gedacht, dass...

... der wissenschaftliche Gattungsname sich von dem griechischen Wort für "gutaussehend" ableitet?

... Ende Mai vermutlich über 20.000 Vögel der nördlichen Unterart "tundrae" im Watt rasten, davon 7500 in den Vorländern von Süderdithmarschen?

... die nördliche Unterart gerne in der Salzmarsch nach Futter sucht, während die hiesigen Brutvögel kiesige Flächen und das Watt bevorzugen?

... die Vögel durch schnelles Trippeln mit den Füßen kleine Bodentiere erschrecken, die sich dann durch Fluchtbewegungen verraten und gefressen werden?

... das 60 g schwere Weibchen in nur einer Woche 4 Eier mit einem Gesamtgewicht von 40 g legt?

... die "Kindheit" vom Ei bis zum flüggen Vogel wie bei den meisten kleinen Watvögeln nur 6 Wochen dauert, so dass eine Zweitbrut im Juli möglich ist?

... die Bruten mitunter "verschachtelt" sind, indem ein Partner die halbwüchsigen Jungen führt und der andere bereits das zweite Gelege bebrütet?

... menschliche Störungen am Ufer so viele Junge das Leben kosten, dass der

Bestand gefährdet ist?

Text: Rainer Borcherding

Quelle: WATTREPORT v. 28.03.02

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