27.05.2002 Seehundsterben in der nördlichen Ostsee (Naturschutz)

Der WATTREPORT der der Schutzstation Wattenmeer berichtet in der folgendem Beitrag über das erneuten in der Ostsee ausgebrochene Seehundsterben: "Unklarheit über Seehundstaupe-Virus".

Die Anzahl der vergangene Woche von der kleinen Ostseeinsel Anholt gemeldeten Seehundkadaver ist über das Wochenende weiter gestiegen. Bereits rund 150 Tiere der dort und auf der Nachbarinsel Laeso lebenden Seehundgruppe sind verendet.

Ob die Seehunde aufgrund einer Infektion mit dem berüchtigten Seehundstaupevirus (PDF) gestorben sind, bleibt weiterhin unklar.

Prof. Osterhaus aus Holland, der Experte, der bereits 1988 den Virus anlässlich des damaligen Massensterbens von Seehunden identifizierte, will in Proben der dänischen Tiere einen positiven Befund entdeckt haben. Das zuständige dänische Veterinärinstitut hat jedoch das Seehundstaupevirus bislang nicht nachweisen können.

Beide Institute arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Um einen definitiven Virusbefund sicher zu stellen, wäre es erforderlich zahlreiche Parralelltests zu haben, die alle zu dem gleichen Ergebnis kommen. Dies steht bislang jedoch aus, sodass weder von einer neuen Seehundstaupe-Epidemie gesprochen werden kann, noch eine Entwarnung möglich ist.

1988 begann das Seehundsterben ebenfalls auf der Insel Anholt. Allerdings zeigten damals fast alle Tiere ähnliche Symptome, wie zum Beispiel aufgeblasene Lungen, die die lebende Seehunde am Abtauchen hinderten und Kadaver an der Oberfläche treiben ließen. So markante Hinweise liefern die nun in der dänischen Ostsee aufgefundenen Tierleichen jedoch offenbar nicht.

Damals wurden die ersten Kadaver am 12.4.88 auf Anholt entdeckt. Das deutsche Wattenmeer war genau einen Monat später betroffen, als am 22.5.88 am Strand von Sylt der erste Seehundkadaver antrieb. Dann ging alles sehr schnell: Rund um die Nord- und Ostseeküste sollten damals innerhalb des selben Jahres noch über 20 000 Todfunde folgen. Die Schutzstation Wattenmeer hat ihre Mitarbeiter zu besonderer Aufmerksamkeit bei Kontrollgängen entlang der Nationalparkstrände aufgefordert, um frühzeitig Totfunde zu sichten und an die Behörden weiterzumelden.

Lothar Koch (Tel. 04651/26088)

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