25.06.2002 "Robbenstörungsverhütungs-Tipps" (Natur)

Wer kennt das nicht: Man treibt mit den Kajaks einen Priel entlang Richtung tiefes Wasser. In der Ferne entdeckt man ein paar dunkle Säcke, die sich etwas später als ruhebedürftige Seehunde zu erkennen geben. Man paddelt wie gewohnt vorbei und nichts passiert. Keine Seehund robbt ins Wasser, um uns zu beäugen. Ein anderes Mal pirscht man sich an eine Seehundsbank heran und ohne ersichtlich Grund sind wir es, die "besichtigt" werden. Nun, Seehunde aufzuscheuchen ist kein "Kunststück". Das kann jeder. Aber Seehunde ruhen zu lassen, das kann nicht jeder. Wenn uns dazu die nötige "naturschützende" Motivation fehlt, sollten wir es einmal von der "natursportlichen Seite" her betrachten; denn es kann ganz schön aufregend sein, eine Seehundsbank zu passieren, ohne zu stören; denn es erfordert doch schon etwas Disziplin & Taktik. Folgende "Robbenstörungsverhütungs-Tipps" kann ich empfehlen:

  1. Abstand halten;
  2. Ruhe bewahren, nicht Flüstern sondern Staunen;
  3. Fahrtengruppe zusammen halten;
  4. hektische Paddelschläge vermeiden; sondern möglichst Treiben lassen (man fährt ja sowieso mit der Tide);
  5. falls jedoch das Paddel eingesetzt werden muss, sollte man es flach führen und die Hand, die zur Seehundsbank zeigt, so am Paddel positionieren, dass sie das Ende des Paddelblattes hält;
  6. Fernglas herausholen, damit man auch von weitem das bewundern kann, wofür andere viele Euros bezahlen.

Wenn wir uns die nächsten 20 Jahre an diese sechs Punkte halten, können wir - sofern nicht irgendwo entlang der Nordseeküste, wenn auch nur für ein paar Tage im Jahr, die Seehundjagd erlaubt ist/wird - den Rest unseres Lebens etwas unbekümmert einer Seehundsbank nähern.

Übrigens, bislang konnten die Naturschützer mich noch nicht davon überzeugen, dass das Küstenkanuwandern den Seehundbestand gefährdet. Aber auch ich konnte bis jetzt nicht den Naturschützern verdeutlichen, warum ich so viel Wert darauf lege, unbedingt in solch sensiblen Bereichen des Wattenmeeres zu paddeln. Die langfristige Lösung einer solchen durch Zielkonflikte geprägten Problemlage kann daher nur in einem Kompromiss liegen, dessen Motto "Leben und Leben lassen!" lautet. Ich meine, dass derzeit alle Betroffenen darauf hinarbeiten, Lösungen zu finden, die langfristig Bestand haben können.

Zu Schluss noch eine Anmerkung: Wir Küstenkanuwanderer sollten nicht nur die Sorgen der Naturschützer respektieren, sondern auch die Wünsche unserer touristischen "Mitbürger" akzeptieren, die dafür bezahlen, dass sie einmal im Leben wenigstens per Dampfer ein paar Seehunde auf einer Sandbank liegen sehen. Ich kann daher kein Verständnis dafür aufbringen, wenn man per Seekajak genau zu jenem Zeitraum eine Seehundsbank anläuft, wenn ein Touristendampfer ebenfalls Kurs auf diese Sandbank nimmt. Gibt es doch noch genügend andere Seehundsbänke, die nicht per Dampfer angelaufen werden können!

Text: Udo Beier