14.07.2002 "Weltnatur- & -kulturerbe Halligland" (Revier(D)/Natur)

Das Wattenmeer der Deutschen Bucht erstreckt sich von Den Helder (Niederlande) vorbei an Cuxhaven bis über Esbjerg (Dänemark) hinaus. Dazwischen liegt ca. 500 km Watt und eine Menge Inseln, und zwar u.a. die westfriesischen, die ostfriesischen und die nordfriesischen Inseln. Jeder dieser Inselbereiche ist es Wert, einmal angefahren zu werden. Wer die Zeit dazu nicht hat, kann sich ja einen Flecken herauspicken, z.B.:

1) Schiermonnikoog (NL),

2) Spiekeroog (Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer),

3) Neuwerk (Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer),

4) Amrum (Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer) oder

5) Fanö (DK).

Wer aber mal einen ganz anderen Eindruck von diesem Wattenmeer am Rande der Deutschen Bucht einfangen will, der sollte sich jedoch ins:

6) "Halligland" von Langeness & Co.

begeben. Seine Mischung aus Inseln, Halligen, Sandbänken, Wattflächen, Tiefs und Prielen, aus Strandflieder, Stranddreizack, Queller und Blasentang, aus Küstenseeschwalbe, Austernfischer, Rotschenkel und Sandregenpfeifer, aus Robben, Sandgrundeln, Krabben, Miesmuscheln, Kompassquallen und Wattwürmern ist so einmalig, dass ich mich frage, warum dieses Stück Natur- und Kulturlandschaft noch nicht bei der UNESCO als "Weltnatur- und -kulturerbe" beantragt wurde.

Vielleicht würde eine solche Initiative seitens des Bundeslandes Schleswig-Holstein auch die nötige Initialzündung für die anderen Anrainerländer geben, nun endlich auch ihre Wattenmeerbereiche zumindest als "Weltnaturerbe" anzumelden. Bislang wird wohl vor Ort in den einzelnen Regionen viel darüber diskutiert, aber da mal wieder eine zu große Lösung angestrebt wird, nämlich die Anerkennung des gesamten Wattenmeeres von Den Helder bis Esbjerg als "Weltnaturerbe" gehört mangels Einigung die Vertagung dieser unmweltpolitischen Entscheidung zum Tagesordnungsprinzip. Leider gerät dadurch das "Halligland", das zugleich als "Weltnaturerbe" und "Weltkulturerbe" anzusehen ist, mit aufs "Abstellgleis". Ich möchte daher dafür plädieren, eine regionale Initiative zu ergreifen. Schleswig-Holstein sollte sich an der Schweiz ein Vorbild nehmen, die erst kürzlich die Region "Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn" als "Weltnaturerbe" anerkennen ließ und somit darauf verzichtet hat zu warten, bis alle Nachbarländer bereit sind, die ganzen Alpen zum "Weltnaturerbe" vorzuschlagen.

Die Anerkennung des "Halliglandes" als Weltnatur- und -kulturerbe würde sicherlich neue Akzente für den Schutz dieser einzigarten Natur- und Kulturlandschaft setzen. Nichts deutet darauf hin, dass die einheimische Bevölkerung weiter reglementiert werden muss. Vielmehr ist zu hoffen, dass dann auch die zuständigen Stellen ein offenes Ohr für die eigentlichen Gefahren des Wattenmeeres haben. Gefahren, die nicht ausgehen von den erholungs- und natursuchenden Menschen, sondern von der kollisionsgefährdeten Großschifffahrt, dem industriell betriebenen Fischfang, den energieerzeugenden Großanlagen (Erdöl/-gas; Wind), dem Militär und den schadstoffemittierenden Haushalten, Kommunen und Betrieben.

Text: Udo Beier