26.08.2002 Ursachenforschung Seehundsterben (Natur)

Im WATTREPORT der Schutzstation Wattenmeer wird darüber berichtet, dass die Schutzstation Wattenmeer die Einrichtung einer internationalen, wissenschaftlichen "Sonderkommission Seehundsterben" fordert, um Virusseuchen unter den Robben von Nord- und Ostsee in Zukunft gar nicht erst aufkommen zu lassen.

"Wir können auch bei diesem zweiten Seuchenzug seit 1988 nur wieder hilflos das Sterben der Seehunde registrieren. Echte Hilfe kann nur vorsorglich durch Verhinderung eines zukünftigen Seuchenzuges geleistet werden. Deshalb muss Deutschland jetzt eine SOKO-Seehundsterben von Dänemark fordern."

appellierte Lothar Koch, Sprecher der Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. gegenüber Umweltminister Klaus Müller bei einer Planungssitzung im Nationalparkamt Tönning.

Das in Nord- und Ostsee grassierende Seehundsterben hat seit Mai 2002 knapp 3900 Opfer unter den Robben in der Ostsee und rund 1050 in der Nordsee gefordert. Tatsache ist, daß die Tiere an einer Infektion durch den "Seehundstaupe-Erreger (PDV)" zu Grunde gegangen sind. Wie dieses Virus jedoch in den Bestand überhaupt hinein kam, ist weiterhin völlig unklar. Sicher ist nur: Die Seuche brach, wie bereits 1988, als sie rund 20 000 Opfer forderte, bei der winzigen dänischen Insel Anholt im Kattegat aus.

"Bedenkt man die mehrere Tausend kilometerlange, von Robben besiedelte, nordeuropäische Küstenlinie, ist es absolut unwahrscheinlich, daß der "Tatort" an dem das Virus zugeschlagen hat, rein zufällig wieder der gleiche ist.", so Biologe Koch.

Während die Kadaverentsorgung in den betroffenen Küstenländern sehr gut organisiert wird, scheint zur Zeit offenbar weniger Gewicht auf die zukunftsorientierte Ursachenforschung gelegt zu werden. Seitens dänischer Behörden wurden lediglich zwei Stichprobenuntersuchungen in lokalen Nerzfarmen durchgeführt und von schwedischen Wissenschaftlern erste virologische Tests an freilebenden Nerzen geplant, weil Nerze als Virenüberträger in Frage kommen.

Eine konzertierte Aktion interdisziplinärer, unabhängiger Wissenschaftler aus den betroffenen Staaten, die alle denkbaren Ursachenkomplexe rund um die Insel Anholt und das Robbensterben untersuchen sollen, existiert jedoch nicht. "Eine gute wissenschaftliche "Beweissicherung" und biologisch-kriminalistischer Spürsinn am "Tatort" sind sicherlich eine Voraussetzung, um die Virenbringer von Anholt zu entlarven." Dann erst kann gezielte und wirksame Ursachenbekämfung durchgeführt werden. Koordinationsstelle könnte das Internationale Wattenmeersekretariat sein." sagt der Sprecher der Schutzstation Wattenmeer.

Eine "SOKO-Seehundsterben" sollte den Anrainerstaaten auch ausreichend Forschungsmittel wert sein, denn schließlich bedeutet jede Seehundseuche den Tod vieler heimischer Robben, verursacht eine Menge Entsorgungskosten und dämpft möglicherweise die Urlaubsfreude an betroffenen Küstenorten.

Quelle: Wattreport vom 26.08.02 (Lothar Koch) - www.schutzstation-wattenmeer.de

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