18.11.2002 Seehundsterben offiziell beendet (Natur)

Der WATTREPORT AKTUELL berichtet vom Ende des Seehundsterbens Folgendes:

Umweltminister Klaus Müller beendete am 14. November offiziell das Seehundsterben, in dem er den in Schleswig-Holstein seit August in Kraft getretenen "Aktionsplan Seehundstaupe" aufhob. Die Zahl tot aufgefundener Seehunde nahm in den letzten zwei Wochen rapide ab. Es wurden fast nur noch stark verweste Kadaver registriert. Die Epidemie im schleswig-holsteinischen Wattenmeer ist für dieses Jahr also erstmal überstanden. Seit dem Einwandern der Staupe nach Schleswig-Holstein am 11.August, wurden hier über 3 600 tote Seehunde geborgen. Rund 2700 Kadaver wurden in Einzelarbeit von Seehundjägern und mit Hilfe von Naturschutzverbänden und Kurverwaltungen geborgen. Das Amt für Ländliche Räume in Husum und das Staatliche Umweltamt Schleswig bargen mehr als 900 Kadaver von den Außensänden und Stränden.

Trotz der hohen Zahl von rund 11.000 toten Seehunden im internationalen Wattenmeer und über 21.100 Gesamtopfern in Nord-und Ostsee ist der Seehundbestand im Wattenmeer noch nicht gefährdet. Im Sommer dieses Jahres lebten im Wattenmeer schätzungsweise 28 000 Seehunde. Circa vierzig Prozent fielen der Seuche also zum Opfer.

Die wichtigste Erkenntnis lautet heute: Das Seehundsterben an unserer Küste fand nicht etwa deshalb statt, weil hier zu viele Tiere leben, wie einige Interessengruppen und der sogenannte "gesunde Menschenverstand" zahlreicher Küstenbewohner immer wieder meinen, sondern scheinbar paradoxerweise, weil wir zu wenig Seehunde haben!

So führt der Virologe Tim Harder vom Landes-Veterinäramt aus, daß sich das Seehundstaupevirus erst in Beständen ab 50 000 Robbendauerhaft halten kann, und so eine permanente Immunität der meisten Tiere erzeugt wird. In solch großen Beständen degeneriert die Seehundstaupe quasi zur harmlosen Kinderkrankheit. .....

Bilanz für Schleswig-Holstein: 3.608 tote Seehunde (und zwar verteilt auf):

Helgoland (270 tote Seehunde), Sylt (703), Föhr (254), Amrum (431), Langeness/Oland (48), Hooge (98), Außensände (717), Pellworm (204), Nordstrand (99), Eiderstedt (627), Büsum (128), Marne (1), Neufelderkoog (28).

Quelle: Wattreport Nr. 11/02 - www.schutzstation-wattenmeer.de