05.12.2002 Seestern (Natur)

Nicht nur der Himmel, sondern auch die Meere sind voll von Sternen (Asterias rubens). Die meisten haben fünf Arme, doch gibt es auch sieben- oder elf- oder andersarmige Seesterne.

Keine andere Tiergruppe hat im Lauf der Evolution die eigenartige fünfstrahlige Symmetrie entwickelt, die für die Stachelhäuter typisch ist, zu denen der Seestern zählt.

Als Tiere ohne Kopf haben Seesterne kein vorne oder hinten, sondern bei ihnen gibt es nur oben und unten. Unten sind der Mund, der zugleich als After dient, und die Saugfüßchen für die Fortbewegung. Oben sitzen raue Hautstacheln, zarte Kiemenzotten und als kleiner Knopf am Rand der Körperscheibe, die sogenannte Madreporenplatte. Sie verbindet das Wasserkanalsystem im Körperinneren mit dem Außenmedium, ist also so etwas wie ein Ventil zum Aufpumpen der Saugfuß-Hydraulik.

Hätten Sie gedacht, dass ...

... der wissenschaftliche Name zwar roter Stern bedeutet, dass die Art aber nie in der kommunistischen Propaganda eingesetzt wurde?

... die Färbung der Seesterne durch Carotinoide entsteht, die sie aus der Nahrung aufnehmen?

... an jeder Armspitze ein kleines Punktauge sitzt, das nur Unterschiede zwischen hell & dunkel sieht?

... Seesterne, die auf dem Rücken liegen, sich mit einem grazilen Arm-Ballett wieder umdrehen?

... die Tiere bei winterlichem Nahrungsmangel ein negatives Wachstum zeigen, also schrumpfen?

... kaum ein Tier im Watt Seesterne frisst außer Möwen und Eiderenten, die allerdings gerne?

... Seesterne beim Verlust von Armen diese einzeln nachwachsen lassen können?

... Seesterne von Muschelfischern gezielt getötet werden, da die Fischer sie am Fressen der Zuchtmuscheln hindern wollen?

... viele der als Souvenir bei uns verkauften Seesterne aus Korallenriffen der Tropen stammen?

Wie lebt der Seestern?

Unsere heimische Art ist vom Nordkap bis Westafrika verbreitet. Der Seestern lebt räuberisch und ernährt sich überwiegend von Muscheln. Er saugt sich mit seinen Armen auf der Schale fest und spannt dann den Körper, so dass seine Arme mit ständigem Zug die Schalen aus einander zerren. Ihm reicht bereits ein 1 mm breiter Spalt, um seinen Hautmagen in die Muschelschale zu stülpen, den Weichkörper der Muschel dort zu verdauen und die Nahrung dann aufzusaugen. Zur Paarungszeit im Mai geben erwachsene Seestern - sie müssen mindestens 20 cm groß und etwa 5 Jahre alt sein - ihre Geschlechtszellen durch Öffnungen zwischen den Armen in's Wasser ab. Die Larven sind erst spiegelsymmetrisch, bilden dann einen fünfstrahligen Auswuchs, und dieser wächst zum fertigen Tier heran.

Text: Rainer Borcherding

Quelle: WATTREPORT aktuell, Nr.12/02 - www.schutzstation-wattenmeer.de