21.12.2002 "Near-Shore-Windparks" (Natur)

In WATTENMEER INTERNATIONAL wird in dem Beitrag "Offshore-Windparks in Inselnähe heftig umstritten" darüber berichtet, dass "die niedersächsische Landesregierung derzeit versucht, innerhalb der 12-Seemeilen-Zone des Landes mehrere Standorte für Windparks zu finden und diese als entsprechende Eignungsgebiete im Landesraumordnungsprogramm auszuweisen. ... So soll z.B. der Windpark "Nordergründe" der Fa. Energiekontor mit 76 Windmühlen und einer geplanten Leistung von 270 Megawatt in Sichtweite der Insel Wangerooge im Dreieck zwischen Wangerooge, Mellum und Scharhörn liegen. ...

Der Gemeinderat von Wangerooge hat im September einstimmig das Projekt abgelehnt. ... Grund ist, dass das Landschaftsbild und dadurch der Tourismusstandort Wangerooge ... erheblich beeinträchtigt würde. Gleiches gälte für die Leichtigkeit des Seeschifffsverkehrs. Es würden erhebliche Risiken für Havarien geschaffen, die für Inseln und Küste katastrophale Umweltfolgen haben und den Tourismus zum Erliegen bringen können.

Zu einem andere Projekt beschloss der Rat der Stadt Borkum eine Resolution, in der es u.a. heißt: "Um den hohen Weltwert der Naturgüter Wattenmeer und Inseln langfristig zu erhalten und um den hohen überregional bedeutsamen Erholungswert dieses weitgehend unverbauten Lebensraumes für die künftigen Generationen zu sichern, den freien Blick der Heilung und Erholung suchenden auf das Naturmonument Nordsee nicht zu zerstören, das Risiko vor Umweltgefahren in Folge von Schiffshavarien mit Windenergieanlangen zu vermindern, fordert die Stadt Borkum die Regierung des Landes Niedersachsen auf, zu beschließen:

1. Nearshorestandorte für Windenergieanlangen in der 12-Seemeilen-Zone um Borkum werden nicht ermöglicht.

2. Die ENOVA-Energieanlagen GmbH in Bunderhee wird beschieden, dass das ENOVA-Offshore-Windparkprojekt Riffgat keine Aussicht auf Realisierung hat."

Auch der WWF äußert sich kritisch zu dem Vorhaben der Landesregierung. Von den insgesamt vier Gebieten, die als Standorte für Offshore-Windparks vorgeschlagen werden, sind laut eines Gutachtens im Auftrag des WWF mindestens drei auch wertvolle Lebensräume für Meeresvögel, wie Pracht- und Sterntaucher, Trauer- und Eiderente, Stuirmmöwe und Trottellumme. Teilweise leben dort auch Schweinswale. Der WWF forderte daraufhin, diese Gebiete nicht als Eignungsgebiete für Windparks auszuweisen. Da es nicht leicht sein werde, innerhalb der 12 Seemeilenzone in der deutschen Nordsee ökologisch verträgliche Standorte zu finden, sollten für die Entwicklung und Erprobung der Offshore Windenergie endlich auch die Erfahrungen mit küstennahen Windparks in den europäischen Nachbarländern genutzt werden."

Quelle: WATTENMEER INTERNATIONAL, Nr. 3/4, 2002, S.14 - bremen@wwf.de