08.04.2003 WWF: 25 Jahre Kampf ums Wattenmeer (Natur)

Das Wattenmeer galt nicht immer als schützenswert. Bis vor wenigen Jahrzehnten erschien es den meisten Menschen an der Küste als unnütz und gefährlich: Das "Land im Meer" konnte nicht als landwirtschaftliche Anbaufläche genutzt werden, und man fürchtete immer wieder Sturmfluten.

Die Zeit der Eindeichungen Mit riesigen Eindeichungen wurden deshalb immer mehr Wattflächen und Salzwiesen in Ackerland oder Seen verwandelt. Das Ijsselmeer in den Niederlanden, die Leybucht, Meldorfer Bucht und Nordstrander Bucht in Deutschland und das Rodenäs-Vorland in Dänemark waren die größten und bekanntesten dieser ehemaligen Meeresgebiete, die heute zu Binnenseen geschrumpft oder ganz trocken gelegt sind.

So verschwand nach und nach immer mehr unersetzliche Küstennatur hinter Deichen. Der Schutz dieses einzigartigen Naturraums wurde deshalb Ende der siebziger Jahre zu einem Schwerpunkt der WWF-Arbeit, die entscheidend dazu beitrug, das öffentliche Bewusstsein auf die Schutzbedürftigkeit des Wattenmeeres zu lenken.

Die ersten großen Erfolge konnten Anfang der achtziger Jahre erzielt werden. 1982 kam es zu einer gemeinsamen Erklärung der drei Wattenmeerstaaten, den Naturraum Wattenmeer künftig schützen zu wollen. In der Folge wurde fast das gesamte Wattenmeer unter Schutz gestellt. In Deutschland erklärten Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen ihre Wattenmeeranteile zu Nationalparken - immerhin mit einer Gesamtfläche von 7.340 Quadratkilometern. Man entschied sich damit für die höchste Schutzgebietsform, die zudem weltweit eine hohe Anerkennung genießt.

Aber auch der Anspruch ist hoch: In Nationalparken muss die Natur großflächig geschützt und ihre ungestörte Entwicklung ermöglicht werden. Gleichzeitig sollen diese Naturräume für den Menschen erlebbar bleiben. Deshalb engagierte sich der WWF auch von Anfang an für ein gutes Informationsangebot und eine effektive Besucherlenkung.

Ein Erfolg der jüngsten Zeit: Anfang 2003 wurde im Informationszentrum Multimar des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer die Dauerausstellung "Wale, Watt und Weltmeere" eröffnet, an deren Gestaltung der WWF und die Schutzstation Wattenmeer mitgewirkt haben. Damit präsentiert das Multimar mit den Walen eine Tiergruppe, die weltweit stark bedroht ist und für deren Schutz sich der WWF und die Schutzstation Wattenmeer besonders einsetzen.

Es bleibt noch viel zu tun In dichtbesiedelten Industrieländern kommen selbst auf Schutzgebiete immer wieder neue Bedrohungen zu - sei es durch die Förderung von Öl und Gas, die Verlegung von Kabeln und Pipelines, den Bau von Dämmen, Sperrwerken oder Häfen. Außerdem gelangen noch immer viel zu viele Nähr- und Schadstoffe ins Wattenmeer. Schiffsunfälle wie bei der "Pallas" im Jahr 2001 vor Amrum zeigen das ständige Risiko durch Ölkatastrophen. Und weil zu viele Kutter zu viele Fische fangen, werden Fische gar nicht mehr richtig groß. Viele Muscheln werden abgefischt und fehlen als Nahrung der Seevögel.

Der durch die Klimaänderung ausgelöste Meeresspiegelanstieg wiederum bedroht das Wattenmeer sogar in seiner Substanz: große Teile könnten eines Tages gänzlich unter Wasser verschwinden. Dies wäre eine Katastrophe für die Natur und für die durch höhere Sturmfluten bedrohten Menschen.

Erfolgsbilanz

Für die Natur haben die Nationalparke aber auch unmittelbar messbare Erfolge gebracht: Gejagt wird im Wattenmeer kaum noch. Die Förderung nach Öl wurde auf einen Ort beschränkt. Militärische Übungen wurden stark zurückgenommen. Und die bodenzerstörende Fischerei nach Herzmuscheln wurde eingestellt.

Eine ganze Reihe von Tieren und Pflanzen konnten sich mit ihrem stark geschrumpften Bestand wieder erholen – wie die Ringelgänse, Austernfischer, Rotschenkel, Säbelschnäbler, Brandseeschwalbe, Seehunde und der Strandflieder.

Insgesamt ist das Wattenmeer trotz der weiterhin bestehenden Probleme heute ein Modell, wie auch an anderen Küsten der Niedergang der Natur zumindest aufgehalten werden könnte. Dies tut der WWF und richtet seinen Blick dabei auch auf weit entfernte große Küstenregionen, etwa auf die westafrikanische Küste, auf die Barentssee in Nordnorwegen und Russland oder auf die Beringsee. In diesen Regionen muss es gelingen, menschliche Ansprüche mit der Natur in Einklang zu bringen.

Ein Schwerpunkt bleibt jedoch weiterhin auch das nordostatlantische Schelfmeer vor unserer Haustür: Neben dem Wattenmeer gehört hierzu die gesamte Nordsee, die Ostsee sowie die Meeresgewässer rund um Großbritannien und Irland bis hin zur Biscaya.

Quelle: WWF - www.wwf.de/regionen/40_Jahre/Wattenmeer