28.05.2003 Kleinwale kalben frühzeitig vor Sylt (Natur)

Im einzigen deutschen Walschutzgebiet vor der Insel Sylt hat die Wurfzeit der kleinen Schweinswale dieses Jahr besonders frühzeitig eingesetzt", berichtet Lothar Koch, Sprecher der Schutzstation Wattenmeer in Westerland. Mitarbeiter der Naturschutzgesellschaft konnten seit Ende April in unmittelbarer Strandnähe schon zahlreiche Mutter-Walkalbgruppen registrieren, obwohl mit der Wurfzeit der Wale in der Regel erst ab Ende Mai gerechnet wird. Erst vor wenigen Tagen sorgte unmittelbar am Hauptstrand von Westerland eine Walschule mit 8 Schweinswalen für große Faszination bei Sylt-Urlaubern.

Bei den derzeitigen Ostwindlagen können die Kleinwale am besten vom Sylter Weststrand aus beobachtet werden, weil dann kaum Brandungswellen die Sicht auf die kleinen unscheinbaren Rückenfinnen der delphinartigen Tiere verdecken. Bei Westwind hingegen herrscht starker Wellengang, der unerfahrenen Jungtieren immer wieder zum Verhängnis werden kann, wie in den vergangenen Jahren an mehreren Strandungen von frisch geborenen Kälbern deutlich wurde, die sich zu früh in die Sylter Brandung gewagt hatten.

Im schleswig-holsteinischen Hoheitsgebiet vor Sylt und Amrum rechnet man mit einem Bestand von rund 6000 Schweinswalen. Wegen der Bedeutung des Gebietes als Wurf- und Aufzuchtgebiet der gefährdeten Kleinwalart wurde hier im Dezember 1999 auf Drängen der Schutzstation Wattenmeer das erste Walschutzgebiet Europas eingerichtet. Für das Gebiet fehlt es jedoch immer noch an wirksamen Reglementierungen der Fischerei und an einem Tempolimit zum Schutz der Wale. An der äußersten Westseite des Walschutzgebietes, jenseits der 12-Seemeilenzone, bedrohen in Zukunft großräumige Offshore-Windparks und Kabeltrassen die Sicherheit der weltweit seltenen Tierart.

Kleinwalsichtungen nimmt die Schutzstation Wattenmeer in Hörnum gern mit

Angabe zu Datum/Uhrzeit etc. entgegen (Tel:04651/881093).

Text: Lothar Koch

Quelle: WATTREPORT, Nr.6/03 - www.schutzstation-wattenmeer.de