08.08.2003 Seeskorpion (Natur)

Wenn es im Wattenmeer hochsommerlich warm wird, weichen nördliche, kälteliebende Arten in die tieferen Wattpriele aus. Zu ihnen gehört ein Fisch von max. 30 cm Länge mit furchteinflößendem Namen, der ganzjährig an unserer Küste lebt: der Seeskorpion (Acanthocotus scorpius).

Charakteristisch für diese Art ist der große Kopf mit einem sehr geräumigen Maul. Hinter dieser großen Klappe steckt nicht viel, nur noch der Magen und ein paar große Flossen drum herum.

Die Färbung des Körper ist meist kontrastreich marmoriert oder mit senkrechten helleren Flecken. Die Flossen sind weißlich und braun quergestreift. Zur Balzzeit ist der Bauch großer Männchen rot mit weißen Punkten.

Mit anderen Wattenmeerfischen ist der Seeskorpion kaum verwechselbar, doch hat er einen seltenen Doppelgänger: den Seebull. Dieser hat längere Kiemendornen und feine Hautzähne auf der Seitenlinien, während beim Seeskorpion die Zähnchen parallel zur Seitenlinie stehen, wo der Seebull glatt ist.

Hätten Sie gedacht, dass ...

... der Fisch in Holland Donderpad = "Donnerkröte" und in England Father Lasher = "Papa Peitsche" heißt, weil er sich nach dem Fang auf dem Trockenen wild umherwirft?

... der Vergleich mit Skorpionen irreführend ist, da der Seeskorpion keine Giftdrüsen hat?

... Seeskorpione in Gefahr ihre Kiemenstacheln weit abspreizen und dadurch für Möwen und große Raubfische sehr unangenehm zu schlucken sind?

... die Haut des Seeskorpions ihre Färbung über einige Stunden hinweg stark aufhellen oder verdunkeln kann, je nach Kontrast in der Umgebung?

... bei großen Beutefischen der Schwanz mitunter noch stundenlang aus dem Maul des Seeskorpions ragt, bis die Verdauung des Vorderendes abgeschlossen ist und der Rest langsam nachrutscht?

... in Bächen der Mittelgebirge nahe Verwandte des Seeskorpions leben, die Groppen, die ihm in Aussehen und Lebensweise stark ähneln?

... die Art im Wattenmeer wohl nicht gefährdet ist, obwohl sie regelmäßig von Garnelenkuttern mitgefangen wird?

Wo ist der Seeskorpion zu finden?

Von den Küsten der USA über Südgrönland bis nach Frankreich und in die Ostsee ist die Art in mehreren Unterarten verbreitet.

Der Seeskorpion versteckt sich als Lauerjäger zwischen Steinen und Algen oder an Miesmuschelbänken und wartet dort auf vorbeikommende Beute. Er frisst Krabben, Garnelen und Fische. Vermittels seiner großen Brustflossen kann er bei einem Überraschungsangriff vorwärts schnellen und sein Oper mit dem riesigen Maul packen. Zu längeren Verfolgungsjagden ist er dagegen nicht befähigt. Die Laichzeit der Seeskorpione liegt im Winter. Die Klumpen aus 2 mm großen orangen Eiern werden vom Männchen bewacht und mitunter bei Sturm an den Strand gespült. Die Larven leben zunächst frei schwimmend und gehen mit 2 cm Länge zum Bodenleben über. Seeskorpione sind mit 2 Jahren geschlechtsreif und werden 6 Jahre alt.

Text: R.Borcherding

Quelle: WATTREPORT, Nr. 7/03 - www.schutzstation-wattenmeer.de