01.12.2003 Meeresschutzgebiete für die deutsche Nordsee (Natur)

 

In einer WWF-Pressemitteilung wird wie folgt Stellung zu den Schutzgebietsvorschlägen für Nord- und Ostsee von Bundesumweltminister Trittin genommen (zu den Ausführungen über die Schutzgebietvorschläge für die deutsche Nordsee siehe die „Aktuelle Info“ vom 15.12.03):

 

„Anlässlich der öffentlichen Erörterung der Natura 2000-Gebietsvorschläge des Bundesumweltministeriums (BMU) für die deutsche Nord- und Ostsee fordert der WWF erweiterte Gebiete zum Schutz gefährdeter Meerestiere und Vögel sowie ihrer Lebensräume.

 

Der WWF legte heute eine Seekarte mit eigenen Natura 2000-Schutzgebietsvorschlägen für die Nordsee vor:

 

Link: www.wwf.de/imperia/md/content/pdf/meereundksten/karte-nordsee.pdf

 

Der WWF begrüßt es, dass sich das BMU daran macht, Meeresschutzgebiete jenseits der 12 Seemeilenzone in der „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ (AWZ) auszuweisen. Die Gebietsvorschläge sind jedoch nicht ausreichend, um die wertvollen und faszinierenden Lebensgemeinschaften auf Riffen und Sandbänken sowie die wichtigsten Verbreitungsgebiete von seltenen Seevögeln und Schweinswalen wirkungsvoll zu schützen. Die Gebietsabgrenzung des BMU zielt in manchen Bereichen eher darauf ab, Konflikten mit geplanten Windparks und anderen Nutzungen aus dem Wege zu gehen, denn einige wichtige schützenswerte Bereiche wurden ausgelassen. Für einen naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windenergie bleibe auch außerhalb der schützenswerten Seegebiete genügend Raum.

 

Der WWF hat die vom Bundesamt für Naturschutz veröffentlichten Grundlagendaten deshalb selbst ausgewertet und jetzt eigene Schutzgebietsvorschläge für die Nordsee vorgelegt. Vorschläge für die Ostsee werden zurzeit ebenfalls erarbeitet und in Kürze vorgestellt.

Die Ergebnisse der WWF-Auswertung zeigen, dass die FFH-Gebiete:

 

·         „Sylter Außengrund“ und „Borkum Riffgrund“

 

vergrößert werden müssen, um die schützenswerten Sandbänke und Riffbereiche sowie wichtige Schweinswalvorkommen in die Schutzgebiete einzubeziehen. Das Vogelschutzgebiet:

 

·         „Östliche Deutsche Bucht“

 

muss auch die Seetaucherbestände nordwestlich und südlich der bisher vorgeschlagenen Abgrenzung einbeziehen. Alle Schutzgebiete sind auch in der 12 Seemeilenzone fortzusetzen. Außerdem muss untersucht werden, ob nördlich des Borkum-Riffgrundes besonders bedrohte Schweinswale vorkommen. Sollte sich dies bestätigen, wäre dort ein Schutzgebiet besonders dringend erforderlich.

 

Der WWF weist darauf hin, dass der Meeresschutz nicht an der Grenze der deutschen AWZ enden dürfe. Für grenzüberschreitende Gebiete, wie z.B. die:

 

·         „Doggerbank“

 

müsse gemeinsam mit den Nachbarländern ein internationales Management der Schutzgebiete angestrebt werden. Das BMU darf jetzt angesichts des Drucks von Seiten der Windenergie-, Rohstoff- und Fischereiwirtschaft nicht einknicken und muss die fachlich erforderlichen Gebiete im vollen Umfang ausweisen. Zu der Anmeldung der Natura 2000-Gebiete sei Deutschland nach europäischem Recht verpflichtet, daran führe kein Weg vorbei. Deutschland müsse jetzt seinen Beitrag zu einem ökologisch zusammenhängenden Netzwerk von Schutzgebieten leisten, das die Anrainerstaaten des Nordostatlantik bis 2010 einrichten wollen.“

 

Quelle: WWF-Pressemitteilung vom 1.12.03

Link: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/01552/index.html (Nordsee)

Hinweis: s. auch WWF-Pressemitteilung vom 10.12.03

Link: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/01573/index.html (Ostsee)