26.03.2004 Todesurteil für Ostsee-Schweinswale? (Natur)

 

In einer WWF-Pressemitteilung zum „Bestandsschutz für Treibnetze in der Ostsee bis 2008“ ist Folgendes zu lesen:

 

„Die beschlossenen Maßnahmen des EU-Ministerrates zum besseren Schutz von Delfinen und Schweinswalen missachten nach Meinung des World Wide Fund for Nature (WWF) die akuten Schutzerfordernisse für die Ostsee-Schweinswale. In der Ostsee östlich von Rügen gibt es vermutlich nur noch rund 100 Schweinswale der einst weit verbreiteten kleinsten Walart unserer Meere. Sie bilden die am stärksten bedrohte Walpopulation Europas. Eine Hauptursache des Rückganges ist der ungewollte Beifang in Fischereinetzen. Besonders gefährlich für die Meeressäuger sind die bis zu 21 km langen Treibnetze, die der Ostsee immer noch erlaubt sind. In Atlantik und Mittelmeer wurde ihr Gebrauch schon 2002 endgültig verboten. Die EU-Minister hatten diese Woche beschlossen, mit Rücksicht auf die Fischereibetriebe die Treibnetzfischerei in der Ostsee erst ab 2008 zu verbieten. Auch die Anwendung von Vergrämungsgeräten (sog. „Pingern“) wurde für die zentrale Ostsee zunächst nicht vorgeschrieben- im Gegensatz zur Nordsee und westlicher Ostsee.

 

„Der WWF ist von den mageren Ergebnissen des Ministertreffens mehr als enttäuscht“, sagte Jochen Lamp vom WWF-Projektbüro Ostsee in Stralsund.“ Wenn wir das Überleben der einzigen heimischen Walart in der zentralen Ostsee sichern wollen, müssen sofort alle möglichen Maßnahmen zum Schutz getroffen werden. Wurden noch vor 3 Jahren Bestandszahlen von 600 Tieren in der Ostsee angenommen, so kommt die Schätzung vom letzten Jahr auf nur noch knapp 100 Tiere- hier kann schon der Beifang von 2-3 Tieren pro Jahr das Aus der Population bedeuten“.

 

„Der WWF wird nun das Treffen des europäischen Kleinwalabkommens ASCOBANS, das in einem Monat in Polen stattfinden wird, nutzen, um hier zu Nachbesserungen für die Ostseewale zu kommen“, so Jochen Lamp. „In diesem Rahmen wurde bereits ein Schutzplan für die Ostsee-Schweinswale beschlossen, der bis heute nicht umgesetzt ist.“

 

Link: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/01738/index.html