17.06.2004 Rotschenkel (Natur)

 

An Rotschenkel (Tringa totanus) kommt keiner unbemerkt vorbei, wenn er aufgeregt wippend auf der erhöhten Warte sein Brutrevier überblickt, im letzten Moment mit dem charakteristischen „Tüht“ davon fliegt und dabei die breiten weißen Flügelhinterränder sichtbar werden.

 

Dunkelrote Beine und langer roter Schnabel mit dunkler Schnabelspitze kennzeichnen beide Geschlechter des Rotschenkels, ansonsten sind Männchen und Weibchen eher watvogeltypisch schlicht gefärbt. Nach der Mauser im Februar – April ist die Oberseite braun gefärbt, die Unterseite weiß und unterschiedlich stark gefleckt und gebändert.

 

Die Rotschenkel-Männchen errichten ab April in der Vegetation Nistmulden, die später durch das Zurechtzupfen von umstehenden Halmen haubenförmig überwölbt sind und dadurch von oben für Beutegreifer schwer sichtbar sind. Die Jungen sind Nestflüchter, die schon bald selbst auf Entdeckungstour gehen. Die Nahrung, die aus Würmern, Mollusken und Insekten besteht, wird entweder beim „Pflügen“ im Schlickwatt erfühlt oder optisch erkannt und dann gezielt angegangen.

 

Hätten Sie gedacht, dass ….

 

… der nahe verwandte „Dunkle Wasserläufer“, mit dem man den Rotschenkel vor allem im Schlichtkleid verwechseln kann, keine weißen Flügelhinterränder besitzt?

 

… der Rotschenkel wegen seines Rufes in den Niederlanden Tureluur und auf Plattdeutsch Tüter heißt, in Großbritannien und Dänemark aber wie im Deutschen nach seinen roten Beinen benannt ist (Redshang/GB, Rødben/DK)?

 

… ein Teil der Nahrung auch aus Siphonen von Muscheln bestehen kann?

 

… bis zu 12.000 Schlickkrebse/Niedrigwasser von einem Vogel erbeutet werden können (10-50 Krebse/Minute)?

 

… das Weibchen des Rotschenkels 20% schwerer als das Männchen ist?

 

… in strengen Winter von allen Watvogelarten vor allem die Island-Rotschenkel durch Nahrungsmangel einer hohen Sterblichkeit unterliegen?

 

… Rotschenkel bis zu 17 Jahren alt werden können und sehr ortstreu sind?

 

Wie lebt der Rotschenkel?

 

Rotschenkel sind vom Mittelmeer bis nach Asien hinein in Feuchtgebieten, Sümpfen und Mooren verbreitet, aber im Binnenland vor allem durch die Trockenlegung von Feuchtgrünländern und die Intensivierung der Landwirtschaft stark im Bestand bedroht. Eine wichtige Bedeutung kommt daher dem Wattenmeer als Brut- und Rastgebiet zu. Die höchsten Brutdichten werden in unbeweideten Salzwiesen erreicht.

 

Ca. 25.000 Tiere der südlichen Teilpopulation des Rotschenkels brüten im Wattenmeer. Zusammen mit der nördlichen und isländischen Teilpopulation begeben sich 285.000 Rotschenkel auf den Ost-Atlantischen Zugweg. Die Wattenmeer-Rotschenkel überwintern in Süd-.West-Europa bis hinunter nach Spanien, während die im Winter im Wattenmeer anzutreffenden durchschnittlich 10.000 Tiere hauptsächlich aus Island stammen.

 

Text: Rainer Borcherding

Quelle: WATTREPORT, Nr. 5/04, - www.schutzstation-wattenmeer.de

Fotos & weitere Infos:

www.natur-lexikon.com/Texte/SM/001/00035-Rotschenkel/SM00035-Rotschenkel.html