28.06.2004 Meersenf (Natur)

 

Der Tubensenf kommt ursprünglich aus der Mittelmeer-Region. Ob sein Kreuzblüter-Verwandter im Wattenmeer, der Meersenf (Kakile maritima), an der Küste früher für Würzzwecke eingesetzt wurde, ist fraglich.

 

Der Meersenf wird 10-50 cm hoch, die Blätter sind leicht fleischig, ungeteilt oder gefiedert und er ist in verschiedenen Wuchsformen entweder über den Boden kriechend oder als kleiner „Busch“ anzutreffen.

 

Der Meersenf blüht von Juni – Oktober und aus den weiß bis rosa kreuzweise angeordneten Blüten, die nach Honig duften, werden später zweiteilige Schoten mit einem helmartigen Oberteil.

 

Bei ihrer Verbreitung „verfolgt“ die Pflanze eine Sowohl-als-auch-Strategie. Der harte, obere Teil der Schote ist durch lufthaltiges Gewebe schwimmfähig und wird mit der Strömung fort getragen, so dass auch entfernte Gestade besiedelt werden können. Der untere Teil der Frucht fällt erst später ab und verbleibt am Wuchsort, der sich ja bereits als meersenf-geeignet herausgestellt hat.

 

Hätten Sie gedacht, dass …

 

… der Gattungsnahme „Cakile“ eine Übertragung des arabischen „Kakeleh“ ist; der Meersenf bereits im Mittelalter dort wegen seiner Heilkraft bekannt war und von arabischen Medizinern unter diesem Namen beschrieben wurde?

 

… Meersenf harntreibende und abführende Inhaltsstoffe enthält, die außerdem Bakterien tötend sind?

 

… die nur an der Nordsee vorkommende Unterart des Meersenf ssp. maritima sehr kurze Anhängsel am unteren Fruchtglied hat, während die an Ostsee beheimatete ssp. baltica deutlich zurück gebogene Anhängsel besitzt?

 

... Meersenfblätter einen hohen Vitamin C-Gehalt besitzen, die Blätter in Notzeiten als Salat gegessen wurden, aber ziemlich scheußlich schmecken?

 

… der Erdfloh Psylloides marcida nur auf dem Meersenf vorkommt?

 

… die Keimfähigkeit von lange im Seewasser liegenden Samen fast 100 % erreicht?

 

… auf English der Meersenf den kuriosen Namen „Searocket“ besitzt, auf Niederländische „Zeeraket“ heißt?

 

Wo ist der Meersenf zu finden?

 

Der Meersenf ist eine Pionierpflanze der Spülsäume und Dünen. Wandert man vom Strand aus landeinwärts, wird man bereits auf den kleinen mit spärlicher Vegetation besiedelten Sandhaufen, die als Primär- bzw. Vordünen bezeichnet werden, auf diese Pflanzen treffen. Sie sind dort mit Strandhafer (Ammophila arenaria) und Quecke-Arten (Elymus spec.) vergesellschaftet.

 

Der Meersenf ist an der gesamten Nord- und Ostseeküste verbreitet, nach Nordamerika eingeschleppt worden und wächst überall dort, wo auf Sandboden organisches Material z.B. durch sich zersetzende Algen und Kalk zur Verfügung steht. Die Pflanze ist salztolerant, an Wind und wechselnde Bodenfeuchten angepasst, gedeiht aber auch ohne Salz auf flächen, wo die Samen z.B. mit Dünensand eingetragen wurden.

 

Text: Rainer Borcherding

Quelle: WATTREPORT, Nr. 5/04, - www.schutzstation-wattenmeer.de