06.07.2004 Hering (Natur)

 

„Die meisten Europäer haben ihn schon gegessen, aber nur die wenigsten haben ihn jemals lebend gesehen; denn er ist ein gar sensibles Fischchen: der Hering (Clupea harengus). Im Fischnetz oder am Angelhaken stirbt er schnell, und bei Berührung verliert er sofort Schuppen, was ihn auch bald verenden lässt. Trotzdem ist er ein recht häufiger heimischer Fisch, der auch im Wattenmeer auftritt.

 

Wie für viele andere Tiere ist das Wattenmeer eine Kinderstube für den Hering. Im Frühsommer erscheinen dies- und vorjährig Jungheringe in großer Zahl in den Wattströmen. Sie wandern mit dem Gezeitenstrom und dienen anderen Fischen oder auch Seeschwalben als Nahrung.

 

Der Hering ist schlank, seitlich abgeflacht, silbern, und besitzt ein leicht oberständiges Maul. Im Unterschied zur sehr ähnlichen Sprotte setzen die Bauchflossen erst hinter dem Anfang der Rückenflosse an, nicht davor. Außerdem ist bei der Sprotte die Bauchkante stachelig rau, während der Hering einen ganz glatten Bauch hat.

 

Hätten Sie gedacht, dass …

 

… der Gattungsname „Schild“ bedeutet und sich auf die runden Schuppen des Herings bezieht?

… es weltweit etwa 200 Heringsartige gibt, wozu auch Sardine, Sardelle und Anchovis gehören?

… Hering & Co. nicht nur gut schmecken und leicht zu fangen sind, sondern sich eigentlich auch schnell vermehren – wenn man nicht zu viele fängt?

… der Nordseehering durch unmäßige Befischung in den 70er Jahren stark gefährdet war, sich aber durch wirkungsvolle Schonung gut erholt hat?

… er derzeit einer der wenige Nordseefische ist, die man ohne Bestandsgefährdung essen kann?

… Schweinswale gerne die fetten Heringe fressen?

… nach der Eindeichung des Ijsselmeeres die örtliche Heringsrasse ausstarb und mit ihr auch der Große Tümmler aus der Region verschwand?

… im Watt pro Hektar etwa 4.000 Heringe leben, die jeder am Tag 200 Babyschollen fressen kööen?

… Heringsschwärme sich nachts durch die Abgabe von Blasen aus dem After (!) verständigen?

 

Wo ist der Hering zu finden?

 

Er ist im Nordatlantik von der Ostsee und der Bretagne bis Grönland und Kanada verbreitet. Je nach Laichgebiet, Wanderverhalten, Endgröße und Wachstumstempo unterscheiden sich die zahlreichen Unterarten.

 

Heringe leben in großen Schwärmen, die küstennah im Meer umherwandern. Tagsüber halten sie sich in der Tiefe auf, und nachts folgen sie ihrer Beute, kleinen Planktonkrebsen, zur Meeresoberfläche. Dornige Reusen auf den Kiemen dienen dem Beutefang durch Filtration.

 

Zur Laichzeit gibt jedes Weibchen 20-50.000 Eier ab, die zu Boden sinken und nach 2-4 Wochen etwa 8 mm lange Larven ergeben. Diese wachsen in den oberen Wasserschichten heran, bilden ab 4 cm Länge Schuppen, und sind nach 3-7 Jahren geschlechtsreif. Heringe können – wenn man sie denn lässt – 25 Jahre alt und bis zu 55 cm lang werden!

 

Text: Rainer Borcherding

Quelle: WATTREPORT, Nr. 6/04, - www.schutzstation-wattenmeer.de