3.08.2004 Steingarnele (Natur)

 

Wenn das Nordseewasser sommerlich warm und ruhig wird und man gut an Hafenmauern und Steinmolen in die Tiefe schauen kann, entdeckt man dort mitunter glasige, hochbeinige Garnelen von 5 – 6 cm Länge. Haben die Tiere gelb-blaue Farbringe an den Scheren und Beinen, so handelt es sich um die Steingarnele (Palaemon elegans).

 

Unter den 3 – 5 durchsichtigen, zumeist mit dunklen Linien an den Körperseiten verzierten Garnelenarten der Wattenmeerküste ist die Steingarnele durch ihre Beinzeichnung und ein gelbes Punktmuster die farbigste. Wie auch die anderen Garnelen kann sie ihre Färbung dem Untergrund anpassen, indem sie dunkler oder aber vollkommen glasig wird.

 

Im Brackwasser wird die Steingarnele von der kontrastärmeren Brackwassergarnele (Palaemonetes varians) ersetzt. Im Wattenmeer auf Weichgrund tritt auch vereinzelt aber regelmäßig die Rote Garnele (Pandalus montagui) auf, die einen erheblich längeren Stirndorn besitzt und kein Blau zeigt.

 

Hätten Sie gedacht, dass …

 

… der wissenschaftliche Gattungsname an den altgriechischen Meergott Palaemon erinnert, während der Artname elegans = hübsch, geschmackvoll bedeutet?

 

… die Namensgebung bei den glasigen Garnelen sehr uneinheitlich ist, so dass diese Art auch Große und Hübsche Felsengarnele (D), Glasgarnele (GB), Strandgarnele (N) oder Störgarnele (NL) heißt?

 

… das Zackenmuster ihres sägeförmigen Kopfstachels ein wichtiges Merkmal ist, das sie von den anderen „Glasgarnelen“ unterscheidet? Von den 7 – 10 Oberkantenzacken sitzen 3 hinter dem Auge.

 

… nur weibliche Tiere im vermutlichen 4. Lebensjahr die Maximalgröße von 6 cm erreichen, während Männchen deutlich kleiner bleiben?

 

… Männchen und Weibchen nur mit starker Vergrößerung an den bauchseitigen Paarungsorganen zu unterscheiden sind – wenn das Weibchen nicht gerade seine Eipakete unter dem Hinterleibt trägt?

 

… schon ein algenbewachsener Stein im Watt als Lebensraum für 2 – 3 Steingarnelen reichen kann?

 

Wo ist die Steingarnele zu finden?

 

Die Art ist in Küstennähe im Flachwasser des gesamten Nordatlantiks, des Mittelmeeres und der westlichen Ostsee zu finden.

 

Steingarnelen halten sich an algenbewachsenen Steinen auf, wo sie gut getarnt nach Nahrung suchen und zugleich für Fressfeinde nahezu unsichtbar sind. Meist bewegen die Tiere sich langsam zwischen den Pflanzen und erkunden mit ihren langen Fühlern die Umgebung. Sie können jedoch auch mit angewinkelten Laufbeinen durch Paddelschläge ihrer Bauchbeine grazil durch’s Wasser gleiten. Bei Gefahr schnellen sie mit kräftigen Schwanzschlägen blitzschnell davon und verschwinden im nächsten Algenbüschel.

 

Als Nahrung dienen der Steingarnele abgestorbene Tiere und Pflanzenteile, aber auch kleine Würmer und andere Beute, die sie mit ihren relativ zierlichen Scherenfüßen bewältigen kann.

 

Text:  Rainer Borcherding

Quelle: WATTREPORT, Nr. 7/04 – www.schutzstation-wattenmeer.de