29.11.2004 Volkszählung der Meere zwingt zum Handeln (Natur)

 

In einer Pressemitteilung appelliert der WWF an die EU, Tiefseelebensraum und Fischbestände zu schützen:

 

„Anlässlich der in Hamburg beginnenden internationalen Konferenz zum Thema „Artenreichtum der Ozeane“ (Ocean Biodiversity Informatics) mahnt der WWF, dass soeben von der Wissenschaft entdeckte Tiefseefische vielerorts bereits massiv von Lebensraumverlust bedroht sind.

 

„Kein Mensch käme auf die Idee, die Ergebnisse einer Volkszählung aus deutschen Städten und Gemeinden unbeachtet in einer Schublade vergammeln zu lassen. Genau diese Gefahr besteht aber, wenn es um die Zählung von Tiefseelebewesen geht. Wissenschaftler freuen sich, ihre Bekanntschaft geschlossen zu haben – und im gleichen Augenblick walzen riesige Bodenschleppnetze der Fischereiindustrie den Lebensraum dieser großartigen Tiere mit einem Streich nieder. Außerdem werden viele Tiefseearten bereits so intensiv befischt, dass das Überleben der Bestände nicht gesichert ist“, sagt WWF-Fischereireferentin Stefanie Schmidt.

 

Um die zwei neu entdeckten Tiefseespezies, die pro Woche durchschnittlich gefunden werden, auch für künftige Generationen zu erhalten, setzt sich der WWF für den Schutz empfindlicher Gebiete vor der schädlichen Schleppnetzfischer in internationalen Gewässern ein. Nur so können die besonders artenreichen Korallenriffe und Seeberge vor dem „Kahlschlag“ geschützt werden.

 

Darüber hinaus fordert der WWF, nicht nur Arten zu katalogisieren, sondern die Auswirkungen beispielsweise der Fischerei auf die Bestände zeitnahe und umfassend festzustellen. Dazu gehören natürlich auch, zuverlässige Daten über so genannte „Beifänge“ und darüber, wie viele untermäßige Fische ins Meer zurück geworfen werden. Nur so kann die Gesamtauswirkung der Fischerei auf die Bestände realistisch eingeschätzt und eine wissenschaftlich fundierte Aussage über nachhaltige Quoten festgelegt werden. Hierbei mahnt der WWF bei der EU an, die jährlichen Fangquoten für Tiefseefischarten nach dem Vorsorgegrundsatz festzulegen.

 

In großen Meerestiefen bis 2000 m gibt es eine unglaubliche Artenvielfalt mit spektakulären Fischarten wie dem Granatbarsch, der bis zu 150 Jahre alt werden kann. Doch die Langlebigkeit hat für die Art auch ihre Schattenseiten: So können diese Fische sich erst mit ca. 30 Jahren fortpflanzen, was sie besonders anfällig für Überfischung macht.

 

Bis vor einigen Jahren blieben Tiefseeriffe und –fische von der Fischerei weitgehend verschont. Aber in den letzten 10 Jahren hat sich in der Tiefsee eine Fischerei entwickelt, die enorme Schäden an Lebensräumen und Fischbeständen hinterlässt.“

 

Quelle: WWF-Pressemitteilung v. 29.11.04

Link: www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02224/druck.html