01.04.2005 Was macht die Natur nach dem Tsunami? (Natur)

 

Im Info-Newsletter des WWF ist Folgendes über die Auswirkungen des Dezember-Tsunamis auf die Korallenriffs entlang der südostasiatischen Küste zu lesen:

 

Gut drei Monate nach der Tragödie gibt es erste offizielle Berichte, die das Ausmaß der ökologischen Schäden durch den Tsunami dokumentieren. Sie bestätigen erste Vermutungen: Die Natur wurde nicht nur Opfer der Mörderwelle. Sie hat die Menschen auch maßgeblich vor ihr geschützt.

 

Es war das zweitstärkste Erdbeben, seit es Messgeräte gibt. Der daraus am 26. Dezember 2004 entstandenen Riesenwelle fielen etwa 300.000 Menschen zum Opfer. Allein in Thailand starben über 5.000 Menschen, viele von ihnen waren Touristen. Auch drei Ranger von Meeresnationalparken wurden getötet.

 

Wer die Verwüstungen an Land gesehen hat, fragt sich sicher: Was hat die Woge wohl unter Wasser angerichtet? Und welche ökologischen Folgen hat die Naturkatastrophe überhaupt? Drei erste offizielle Berichte geben darüber jetzt Auskunft. Zwei stammen aus Thailand, der dritte kommt vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und ist unter anderem mit Hilfe des WWF entstanden.

 

Thailands Korallenriffe: schon vorher stark geschädigt

Besonders stark vom Tsunami getroffen wurden Teile der etwa 12.000 Quadratkilometer großen Korallenbank vor Thailands Küste. Sie erstreckt sich entlang der Andamanen-See von Rangon bis Nord-Phuket über gut 200 Kilometer und reicht 60 Kilometer in den Indischen Ozean hinein – bis zu den Inselgruppen Similan und Surin sowie der Phra Thong-Insel. Diese Korallenriffe gehören zu den artenreichsten der Erde: Sie beherbergen mehr als 600 Arten von Korallenfischen, vier bedrohte Meeresschildkrötenarten und viele andere seltene Meeresbewohner.

 

Einheimische Taucher nahmen als erste die Schäden genauer unter die Lupe: Sie untersuchten 70 Riff-Stellen in den Inselgruppen Surin und Similan, von denen 13 sehr stark beschädigt sind. Die zweite Untersuchung wurde vom thailändischen Ministerium für Meeres- und Küstenressourcen (DMCR) koordiniert und ergab: Von 174 untersuchten Stellen sind 13 Prozent sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. „Diese 13 Prozent befinden sind in den populären Tauchrevieren an den Surin- und Phi Phi-Inseln. Dort sind mehr als 50 Prozent zerstört,“ sagt Robert Mather, Direktor des WWF Thailand Programm-Büros. Am meisten litten zerfranste, flache Riffe und Korallen mit zarten, empfindlichen Strukturen. Die Bestände an Fischen und anderen Meereslebewesen sind dagegen nicht so sehr geschädigt worden. Allerdings: Einige Meeresbodenbewohner sind einfach verschwunden.

 

Stark geschädigt sind die Korallenriffe im Mu Ko Surin-Nationalpark. Vermutlich müssen sie bald für Touristen geschlossen werden müssen. Projekte zum Schutz der Schildkröten sind ebenfalls stark betroffen: Vom Brut- und Aufzuchtszentrum auf der Tap Lamu Naval-Station in der Phang Nga-Provinz sind nur noch Ruinen übrig. Gut 2.000 Schildkröten sind verloren gegangen.

 

Allerdings: Experten vermuten, dass der Gesamtschaden, den der Tsunami der Natur zugefügt hat, noch relativ gering ist. Viele Korallenriffe in der Anadamen-See sind bereits vor der Tragödie vom 26. Dezember 2004 erheblich geschädigt gewesen.

 

Taucher-Ethos und Riff-Management

„Luftverschmutzung, Klimaerwärmung, Habitatzerstörung, Überfischung – das sind die wahren Probleme! Sie müssen jetzt angegangen werden. Genauso wie die Erhaltung gesunder Riff-Ökosysteme, von denen das Einkommen der Einheimischen abhängt, die ja vornehmlich im Touristen- und Fischerei-Sektor arbeiten,“ sagt Mather. „Hier geht es also nicht nur um Behebung der Tsunami-Schäden, sondern die Verbesserung des Korallenriff-Managements in Thailand insgesamt.“

 

Um festzustellen, ob und wie die sich Riffe wieder erholen, hat der WWF die thailändische Regierung gebeten, die Riffuntersuchungen fortzusetzen und dann noch detaillierter und langfristiger durchzuführen. Außerdem wendet sich der WWF an Tauchschulen und einzelne Taucher. Sie sollen einen Taucher-Ethos zum Schutz der Riffe entwickeln und helfen, den illegalen Handel mit Souvenirs aus Korallen, Muscheln und anderen Meeresbewohnern zu verhindern. Denn deren Entnahme aus Korallenriffen, zum Teil mit Sprengstoff, schädigt weltweit zusehends die Regenwälder der Meere.

 

Taucher sollen künftig, so der Wunsch des WWF, gesetzeswidrige Aktivitäten in den Meeresparken melden und sich für eine angemessene und umsichtige Gesetzesreform zur Verbesserung des Korallenriffschutzes und -managements einsetzen. „Nur wenn wir das durchsetzen, haben die durch den Tsunami geschädigten Korallen eine Chance, sich zu erholen,“ fügte WWF-Mann Mather hinzu.“

 

Quelle: WWF-Info-Newsletter v. 1.4.05

Link: www.wwf.de/netzwerk/fokus/bandaaceh/UN-Report%20/